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Bauwerksgeburtstag

100 Jahre Orthodoxe Kathedrale in Nizza

Russisch Orthodoxe Nikolauskathedrale in Nizza (Wikipedia; Foto: Fryderyk)

Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die russische Präsenz in Nizza sehr bedeutsam, da damals viele russische Adlige die französische Riviera besuchten. Gleich nach der Eröffnung der Eisenbahnstrecke nach Nizza im Jahre 1864, kam auch Zar Alexander II. mit dem Zug angereist. Seitdem besteht zwischen Russland und der Côte d’Azur eine tiefe Verbindung. Die erste russisch-orthodoxe Kirche Westeuropas wurde bereits 1859 in Nizzas rue Longchamp errichtet, nachdem sich Charlotte von Preußen als russische Zarin dafür eingesetzt hatte. Diese wurde aber schnell zu klein für die stetig wachsende Gemeinde vor Ort.

1901 wurde schließlich ein Gelände erworben, dass sich jedoch für den Bau einer größeren Kirche für ungeeignet erwies. Schließlich spendete Zar Nikolaus II. ein anderes Grundstück, auf dem der Bau am 25. April 1903 begann. Dieser Ort im Parc Belmond war für die russische Gemeinde recht bedeutsam, denn in der darin gelegenen Villa verstarb am 24. April 1865 Zarewitsch Nikolai Alexandrowitsch Romanow mit nur 21 Jahren an einer Meningitis. Sein Vater, Zar Alexander II., kaufte danach den Park auf, lies die Villa abreißen und am exakten Sterbeort seines Sohnes eine Kapelle als Gedenkstätte errichten. Nicht weit davon entfernt entstand die neue Kirche nach einem Entwurf von Mikhail T. Preobraženskij, einem Professor an der Russischen Kunstakademie. Der Bau wurde von 1906 bis 1908 aus finanziellen Gründen unterbrochen und konnte erst wieder fortgesetzt werden, nachdem Zar Nikolaus II. die Finanzierung übernahm. Die Cathédrale Saint-Nicolas wurde schließlich am 17. Dezember 1912 in Gedenken an den Zarewitsch geweiht.

Die Kathedrale erfreut sich eines regen Besucherstroms. So sollen allein im Jahre 2010 über 273 000 Menschen die Kathedrale und die Gedenkkapelle besucht haben. Sie wird daher auch als die am meisten besuchte Sehenswürdigkeit Nizzas bezeichnet.

Nach Ende der Erbpacht am 31. Juli 2007 kam es zu einem mehrjährigen Rechtsstreit zwischen der lokalen Organisation, die sich bis dahin um die Kirche gekümmert hatte, und der Russischen Föderation, die die Kathedrale als ihr Eigentum betrachtete und dem Moskauer Patriarchat unterstellen wollte. Der Russischen Föderation wurde schließlich statt gegeben und am 100. Geburtstag der Kathedrale in diesem Monat soll eine zweijährige Renovierung des Bauwerks beginnen.

Weitere Informationen und Bilder zur Kathedrale sind auf Structurae zu finden.

Leserkommentare

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Datum 6. Dezember 2012
Autor Nicolas Janberg
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