momentum magazin für Bauingenieure präsentiert von Ernst & Sohn
Bauwerksgeburtstag

70 Jahre Pentagon

Das Pentagon im Januar 2008 (David B. Gleason, Chicago, IL)

Seit nunmehr siebzig Jahren versieht dieses fünfeckige Gebäude seinen Dienst für das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten und wenn vom “Pentagon” die Rede ist, so weiß man heute oft nicht, ob das Gebäude an sich gemeint ist oder das Ministerium. Daher ist es auch wenig verwunderlich, dass die Geschichte des Gebäudes selbst ähnlich bewegt ist wie die der Vereinigten Staaten selbst in der Zeit.

Während des ersten Weltkrieges war für das damalige Kriegsministerium auf der Constitution Avenue in Washington, D.C., ein temporäre Bleibe errichtet worden, die jedoch nicht ausreichte, um alle Angestellten zu beherbergen. Das Ministerium war über ein Dutzend Gebäude der Stadt verteilt. Ende der 1930er Jahre wurde das Harry S Truman Building erbaut, um das Kriegsministerium aufzunehmen, das sich aber nach Fertigstellung als doch zu klein erwies und schließlich an das Außenministerium ging, dessen Hauptsitz sich heute immer noch darin befindet. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges expandierte das Kriegsministerium rasch, da eine Beteiligung am Krieg vorausgesehen wurde. Dadurch wurden die Platzverhältnisse nur noch schlimmer und für Kriegsminister Henry L. Stimson (1867-1950) schlicht inakzeptabel und dies Präsident Franklin D. Roosevelt im Mai 1941 auch mitteilte. Nach einer Anhörung im Kongress wurde schließlich General Brehon Somervell (1892-1955) damit beauftragt, eine Lösung zu finden. Es wurde beschlossen,  das Gebäude nicht in Washington selbst zu erbauen, sondern in Arlington, Virginia, auf der anderen Seite des Potomac. Da das Gebäude nicht höher als vier Stockwerke sein sollte und nur ein Minimum an Stahl verbrauchen durfte, musste eine entsprechend große Fläche gefunden werden. Zur Auswahl standen eine Forschungsfarm des Landwirtschaftsministerium oder der alte Washington Hoover Airport. Die Wahl fiel zunächst auf die Farm, die eine unregelmäßig fünfeckige Form besaß, und somit den Grundriß für das Gebäude vorgab. Präsident Roosevelt wollte jedoch sicher gehen, dass die Sicht von Washington auf den Nationalfriedhof in Arlington nicht verbaut wurde, und änderte den Standort auf das alte Flughafengelände. Aus Zeitgründen wurde aus dem unregelmäßigen einfach nur ein regelmäßiges Fünfeck. Schon am 27. Juli 1941 beschloss der Kongress die Finanzierung des Gebäudes, das schließlich ausreichend Platz für das Kriegsministerium bieten würde. Neben dem Flughafen mussten auch etwa 150 Wohnhäuser und andere Gebäude dem Neubau weichen. Am 11. September 1941 wurde der Bauauftrag an ein Konsortium für 31,1 Millionen Dollar vergeben. Der erste Spatenstich fand am gleichen Tag statt.

Pentagon im Bau am 1.7.1942

Pentagon im Bau am 1.7.1942 (U.S. Army Corps of Engineers)

Zu dieser Zeit war Rassentrennung im Bundesstaat Virginia noch gesetzliche Norm, sodass bei der Planung des Pentagons für Weiße und Schwarze sowohl getrennte Toiletten als auch Essbereiche (für Schwarze nur im Keller) geplant und ausgeführt wurden. Präsident Roosevelt hatte jedoch schon im Juni 1941 die Rassentrennung im Militär beendet. Bei einem Besuch der Baustelle befahl er dann auch sofort, die Schilder “Nur für Weiße” von den Toiletteneingängen zu entfernen. Das Pentagon war daraufhin lange Zeit das einzige Gebäude in Virginia, wo Rassentrennung nicht erlaubt war.

Trotz schwieriger Bodenverhältnisse sowohl betreffend der Qualität als auch der Unebenheit (bis zu 8 Meter Höhenunterschied) konnte das Gebäude innerhalb von 16 Monaten fertig gestellt werden. Die Einweihung fand am 15. Januar 1943 statt. Die Gesamtkosten beliefen sich damals auf 83 Millionen Dollar. Der fertige Bau ist 23 Meter hoch und das Fünfeck hat eine Seitenlänge von 281 Meter. Mit über 600.000 Quadratmetern Bürofläche ist es eines der größten Gebäude der Welt. Es besteht aus fünf konzentrischen Fünfecken, die so miteinander verbunden sind, dass es möglich sein soll jeden Punkt im Gebäude innerhalb von sieben Minuten zu Fuß zu erreichen. Jeder der fünf Ringe besitzt fünf überirdische und zwei unterirdische Stockwerke. Der fünfeckige Innenhof wurde während des Kalten Krieges oft als “Ground Zero” bezeichnet, da angenommen würde, dass die Sowjetunion mindestens einer Atomrakete diesen Punkt als Ziel geben würde. Dem Pentagon wurden von der Post sechs Postleitzahlen zugeordnet, die jedoch alle für die Stadt Washington gelten, auch wenn das Gebäude in Arlington liegt.

Schäden am Pentagon am 14.11.2001 (Cedric H. Rudisill, United States Air Force)

Seit seiner Fertigstellung ist das Pentagon ein Symbol für das Kriegs- bzw. Verteidigungsministerium, das dies 1949 ablöste, und somit auch das Symbol für die Berichterstattung zu allen militärischen Entscheidungen, die in Washington getroffen werden, als auch für die militärische Macht der USA selbst. So wurde das Gebäude am 11. September 2001 – 60 Jahre nach dem Baubeginn – auch das Ziel für eines der vier an diesem Morgen von Terroristen entführten Flugzeuge. Die Boeing 757, die für American-Airlines-Flug 77 von Washington Dulles nach Los Angeles unterwegs war, wurde zurück nach Washington gesteuert und um 9:37 in die Westfassade des Pentagons gestürzt. Dieser Abschnitt des Pentagons befand sich zu diesem Zeitpunkt im Umbau, da das Gebäude von 1998 bis 2011 renoviert und auch gegen Anschläge wie in Oklahoma City ausgerüstet wurde. Normalerweise hätten 4,500 Personen in diesem Bereich gearbeitet, aber wegen der Arbeiten waren an diesem Morgen dort nur 800 anwesend. Dadurch und durch die fast vollständige Aufrüstung mit einer Sprinkleranlage, bombenfesten Stützen und Trägern und anderen Sicherheitsmaßnahmen, war die Anzahl der Opfer weit geringer als im World Trade Center. Durch den Anschlag verstarben neben den fünf Terroristen 184 Personen im Alter von 3 bis 71 Jahren, denen seit dem 11. September 2008 das Pentagon Memorial gewidmet ist.

Während des Anschlags war auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Gebäude, jedoch auf der anderen Seite des Fünfeckes, und bestand auch danach darauf, das nationale Oberkommando im Gebäude zu belassen, während er seinen Stellvertreter, Paul Wolfowitz, in die unterirdische Kommandozentrale im Raven Rock, einem Berg in Pennsylvania, schickte. Anfänglich wurde befürchtet, der Wiederaufbau des zerstörten Gebäudeteils könnte Jahre dauern, aber schon zum 1. Jahrestag der Anschäge war der Abschnitt wieder hergestellt.

Im Netz teilen

Datum 15. Januar 2013
Autor Nicolas Janberg
Schlagwörter , ,
Teilen facebook | twitter | Google+

...