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Elbphilharmonie: Die wichtigsten Etappen und Diskussion über Akustik

Baustelle Elbphilharmonie

Baustelle Elbphilharmonie (Foto: M. Letschert)

Millionenprojekt und Dauerbaustelle: Seit Jahren sorgt die Hamburger Elbphilharmonie für Ärger. Eine Chronologie der Ereignisse:

  • Oktober 2001: Der Architekt Alexander Gérard tritt an den Hamburger Senat mit der Idee heran, eine neue Konzerthalle auf dem Kaispeicher A zu realisieren.
  • Juni 2003: Die Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron präsentieren den ersten Entwurf der Elbphilharmonie.
  • Juli 2005: Die erste Machbarkeitsstudie geht von Gesamtkosten in Höhe von 186 Millionen Euro aus. Der Anteil der öffentlichen Hand soll bei 77 Millionen Euro liegen.
  • August 2005: Das Ehepaar Helmut und Hannelore Greve spendet 30 Millionen Euro für den Bau. Weitere Spenden in Höhe von 10 Millionen Euro kommen vom Unternehmer Michael Otto und der Reemtsma-Stiftung.
  • Juni 2006: Der Österreicher Christoph Lieben-Seutter wird als Generalintendant von Elbphilharmonie und Laeiszhalle vorgestellt.
  • November 2006: Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gibt bekannt, dass die Elbphilharmonie teurer wird als geplant. Die Kosten steigen auf 241,3 Millionen Euro, der Anteil der Stadt auf 114,3 Millionen Euro.
  •  April 2007: Grundsteinlegung Elbphilharmonie.
  • November 2008: Kultursenatorin Karin von Welck räumt ein, dass sich die Kosten für den Steuerzahler um 209 Millionen Euro auf 323 Millionen Euro erhöhen. Neuer Eröffnungstermin ist im Mai 2012.
  • Mai 2010: Der von der Hamburger Bürgerschaft einstimmig eingesetzte parlamentarische Untersuchungsausschuss nimmt seine Arbeit auf, um die Ursachen der exorbitanten Kostensteigerungen herauszufinden.
  • Mai 2010: Richtfest auf der Baustelle der Elbphilharmonie. Die Feierlichkeiten werden von Protesten begleitet.
  • Juli 2011: Der Baukonzern kündigt erneut eine Verzögerung an. Nun soll die Elbphilharmonie am 15. April 2014 übergeben werden.
  • November 2011: Stillstand auf der Baustelle: Hochtief stellt die Arbeiten am Dach wegen Sicherheitsbedenken ein.
  • 2. Februar 2012: Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sagt vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus. Er übernimmt die politische Verantwortung, würde aber wieder so entscheiden.
  • 14. April 2012: Der Senat legt einen Plan zum Weiterbau der Elbphilharmonie vor. Gleichzeitig setzt die Stadt Hochtief ein Ultimatum, das Dach bis zum 31. Mai abzusenken.
  • 5. Juli 2012: Kurz vor dem Ablauf eines zweiten Ultimatums einigen sich die Stadt und Hochtief auf ein gemeinsames Eckpunktepapier, das alle strittigen Fragen klären soll. Es muss jedoch noch in eine rechtsverbindliche Form gebracht werden.
  • 23. November 2012: Das Saaldach der Elbphilharmonie wird erfolgreich abgesenkt, d.h. mit dem Gebäude verbunden. Der Streit darüber war einer der wesentlichen Gründe für den einjährigen Baustillstand.
  • 15. Dezember 2012: Die Stadt Hamburg will die Elbphilharmonie gemeinsam mit Hochtief zu Ende zu bauen. Das komplette Gebäude mit Hotel und Parkhaus kostet nun 575 Millionen Euro, die Fertigstellung ist für Herbst 2016 geplant.

Eines der zehn besten Konzerthäuser der Welt soll die Elbphilharmonie werden. Jetzt äußert ein Experte Zweifel an der Klangqualität. Das Risiko für die Akustik trägt die Stadt.

Über die Akustik des Konzertsaales der Elbphilharmonie ist in Hamburg eine Diskussion entbrannt – und das kurz bevor der Senat darüber entscheidet, ob er das Konzerthaus vom Baukonzern Hochtief zu Ende bauen lässt. Uwe Stephenson, Professor für Raumakustik an der Hamburger Hafencity Universität, hat Zweifel, ob der Klang wirklich höchsten Ansprüchen genügen wird. «Die Stadt hat es versäumt, konkrete, zahlenmäßige Zielwerte zu definieren – das ist unverantwortlich und unglaublich unprofessionell», sagte Stephenson dem «Hamburger Abendblatt» (Donnerstagausgabe). Folglich könne sie später auch niemanden haftbar machen, wenn es dann doch nicht so klasse klinge. Die Elbphilharmonie soll einmal zu den zehn besten Konzerthäusern der Welt gehören.

Stephenson widerspricht Darstellungen der Kulturbehörde, wonach «gute Akustik» gar nicht messbar sei. «Es gibt sogar eine internationale Norm, die Kriterien für “gute Akustik” liefert, Sollwerte dazu stehen in jedem Raumakustik-Lehrbuch», sagte der Professor. Seinen Berechnungen zufolge ist der Saal mit bis zu 30 Metern viel zu hoch – ideal seien zehn Meter. In Kombination mit dem zeltförmigen Dach könne das dazu führen, dass die Nachhallzeit nicht bei zwei Sekunden liege – das gilt als ideal für klassische Konzerte – sondern bei bis zu drei Sekunden. Im Interesse der Steuerzahler verlange er, dass die Stadt den positiven Beweis vorlegt, dass die Akustik gut wird.

Enno Isermann, Sprecher der Hamburger Kulturbehörde, sagte der dpa: «Man kann gewisse Parameter der Akustik messen, das Gesamtprodukt der Akustik ist aber sehr subjektiv und deshalb haben wir aus gutem Grund mit dem Japaner Yasuhisa Toyota einen der besten Akustiker der Welt gebeten, die Akustik für die Elbphilharmonie zu machen.» Der Saal für die 2150 Zuhörer, die terrassenförmig um das Orchester sitzen, sei ausdrücklich auf das beste Ergebnis für die Akustik ausgerichtet und nicht nach architektonischen Gesichtspunkten. Es gebe einen ausführlichen Bericht über die Planung der Akustik, «dass alles gemacht ist, damit die Akustik gut ist.»

Bis zum 28. Februar will die Stadt Hamburg endgültig entscheiden, ob sie das umstrittene Konzerthaus mit oder ohne Hochtief zu Ende baut.

Weitere Informationen zur Elbphilharmonie: www.rege-hamburg.de/projekte/elbphilharmonie-hamburg/

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Datum 22. Februar 2013
Autor dpa
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