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Campus, Vermischtes

Exkursion der TU Dresden nach Breslau

Oder in Breslau

Oder in Breslau (Foto: Jonny Dunger)

Die diesjährige Herbstexkursion des Vereins „Freunde des Bauingenieurwesens der TU Dresden e.V.“ führte in die wunderschöne Stadt Breslau in Niederschlesien.


Lausitz und Bautzen

Das erste Zwischenziel auf unserer Fahrt von Dresden nach Breslau war Ruhland in der Lausitz. Dort besuchten wir die 1921 gegründete Lausitzer Stahlbau Ruhland GmbH. Hier wurde uns ein sehr detaillierter Einblick in das Konstruieren mit Stahl außerhalb der standardisierten und automatisierten Arbeitsabläufe geboten. Der Leistungsumfang der Firma umfasst Industriebauten, Geschossbau, Hallenbau, Verkehrsbauten und technologischen Stahlbau für die Energieerzeugung. Dabei kann das Unternehmen durch seine Struktur sehr individuelle und unkonventionelle Aufträge bearbeiten, die mittels automatisierter Verfahren nicht möglich wären.

Besuch der Lausitzer Stahlbau Ruhland GmbH

Besuch der Lausitzer Stahlbau Ruhland GmbH (Foto: Erik Rettschlag)

Bei einem Rundgang über das ca. 100.000m² große Firmengelände konnten wir die fünf Produktionshallen, eine Korrosionsschutzhalle und die drei Freikranbahnen in Augenschein nehmen.

Im Anschluss ging es weiter nach Bautzen. Dort besichtigten wir eine Baustelle der DB Netz AG. Das Besondere dieser Baumaßnahme war, dass nicht wie üblich zuerst die Gleise, sondern die Oberspannungsleitungen hergestellt wurden, da ein schon fertiges Umspannwerk ans Netz gebracht werden musste. Während der anschließenden Erd- und Gleisbauarbeiten muss entsprechend auf den Schutz von Masten und Leitungen geachtet werden. Ein besonderes Problem hierbei waren Wanderdünen, welche speziell gesichert werden mussten, entweder mithilfe von Bastmatten oder Spundwänden.

Dom Breslau

Dom Breslau (Foto: Erik Rettschlag)

Nach weiteren drei Stunden Fahrt erreichten wir die viertgrößte Stadt Polens. Breslau (poln.: Wrocław) liegt an den Ufern der Oder und wartet mit einem vielfältigen, abwechslungsreichen und architektonisch sowie konstruktiv sehr interessanten Stadtbild auf, sowohl am Tag als auch in der Nacht.


Baustellenbesichtigung

Der Freitag startete mit der Besichtigung einer Baustelle im Zentrum der Stadt. Das geplante sechsstöckige Bürogebäude wies einige interessante Besonderheiten auf. Zum einen mussten die Planer und die Bauleitung besonderes Augenmerk auf die Abdichtung im Bereich der zweistöckigen Tiefgarage legen. Grund dafür ist der besonders hohe Wasserstand mit drückendem Wasser, hervorgerufen durch die Nähe zur Oder. Durch diese Nähe kommt es zusätzlich zu weiteren Schwierigkeiten im Bereich der Gründung, da stellenweise ungleichmäßig verteilte und teils nachgiebige Bodenschichten auftreten. Dies hatte zur Folge, dass der Baufortschritt stellenweise nur terrassenartig vorangetrieben werden konnte. Weiterhin wurden zur Gründung Spundwände genutzt und das eintretende Grundwasser bis zur Fertigstellung der Grundplatte dauerhaft abgepumpt. Die Spundwände sollen nach Beendigung des Rohbaus durch Bohrpfahlwände ersetzt werden.

Auf dem anschließenden Weg zum Campus der TU überquerten wir die Oder auf eine für Universitäten doch sehr ungewöhnliche Art: mit einer Seilbahn. Am Nachmittag blieb für alle Teilnehmer genug Zeit, die Stadt selbst ein wenig zu erkunden, bis schließlich alle um 20 Uhr wieder zur gemeinsamen Abendgestaltung zusammenkamen.


Stadt- und Campusführung

Der Samstag wurde sehr durch unsere polnischen Freunde geprägt. Diese organisierten für uns am Morgen (für manche am Mittag) eine Campustour. Wir bestaunten den Ausblick auf die Stadt vom elften Stock der Fakultät Bauingenieurwesen, schritten durch eine Galerie aller ehemaliger Rektoren, hörten uns die sehr detailliert dargestellte Geschichte der Universität und der Fakultät an und verliefen uns in verwinkelten Hinterhöfen mit verschlossenen Toren.

Vom Campus aus ging es nach einem wärmenden Zwischenstopp in einer polnischen Suppenbar quer durch die Stadt. Unter anderem besuchten wir ein berühmtes ingenieurtechnisches Meisterwerk: Die Jahrhunderthalle.

Kuppel der Jahrhunderthalle

Kuppel der Jahrhunderthalle (Foto: Jonny Dunger)

Gebaut 1911–1913 nach dem Entwurf von Max Berg war sie mit einer Kuppelspannweite von 65m zum Zeitpunkt der Fertigstellung die größte ihrer Art in Deutschland. Die Halle war eines der ersten Gebäude in Deutschland, welches mit dem damals neuen Verbundwerkstoff Stahlbeton gebaut wurde. Mit zwei großen Kränen, welche sich auf Schienen im Kreis um die Halle bewegten, wurde die Konstruktion realisiert. Neben Konzerten, öffentlichen und politischen Veranstaltungen können unter anderem auch Sportveranstaltungen in der Jahrhunderthalle stattfinden. Inklusive der Stehplätze fasst das Gebäude bis zu 20.000 Menschen.

Weiterhin besichtigten wir den prächtigen Dom zu Breslau und die umliegende Dominsel mit der Dombrücke, auf der wir ein weiteres Gruppenfoto gemeinsam mit unseren polnischen Gästeführern schossen.

Zu guter Letzt sahen wir uns das Rathaus und den umliegenden Rathausplatz an, von wo wir uns nach der Übergabe einiger deutscher Gastgeschenke von unseren großartigen Gastgebern verabschiedeten.

 

 

 

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Datum 12. Januar 2016
Autor TU Dresden
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