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Projekte

Gezuckerter Beton – Zisternenbau in Indonesien

Die Region Gunung Kidul östlich der Stadt Yogyakarta an der Südküste Javas (siehe Übersichtskarte von Java) ist von tropischem Klima geprägt und wird vom Kalksteingebiet „Gunung Sewu“ (Land der tausend Hügel) durchzogen. Durch den vorherrschenden Karstuntergrund wird Oberflächenwasser rasch abgeleitet. Dies führt in der Trockenzeit zu Wassermangel, welcher für die Armut in der stark auf die Landwirtschaft angewiesenen Region ursächlich ist.

Übersicht Insel Java

Übersicht Insel Java (Quelle: JLU Gießen)

Betontechnologen des Karlsruher Instituts für Technologie befassen sich deshalb in einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt (Integriertes Wasserressourcen-Management (IWRM) Indonesien) unter anderem mit der angepassten Herstellung und Erhaltung leistungsfähiger – d. h. vor allem dichter – Wasserspeicher. Dabei greifen sie zuweilen auf ungewöhnliche Mittel wie Zucker als Verflüssiger zurück.

Vor allem in der Trockenzeit ist die Wasserspeicherung für den häuslichen Bedarf der Bewohner zwingend notwendig und erfolgt in Zisternen aus Beton, welche durch Regenwasserfassungen vom Hausdach gespeist oder mit Tankwagen chargenweise befüllt werden. Im Projektverlauf wurde eine Vielzahl von Schadensfällen an derartigen Bauwerken dokumentiert, welche sich meist auf eine unzureichende Betonzusammensetzung bzw. eine mangelhafte Bauausführung zurückführen lassen. Diese führen oftmals zu Undichtigkeiten und im schlimmsten Fall zu einer bedrohlichen Wasserknappheit während der Trockenzeit.

Zwar sind die Möglichkeiten zur Sanierung der vorhandenen Zisternen in der Region prinzipiell bekannt, jedoch verhindert das Fehlen geeigneter und vor allem preiswerter Mörtel zumeist eine notwendige Instandsetzung. Ein Projektziel war daher die Entwicklung eines angepassten Mörtels sowie eines entsprechenden Leitfadens, welche für die nachhaltige Instandsetzung von häuslichen Wasserbehältern verwendet werden können.

Instandsetzungsmörtel beinhalten neben den Grundbestandteilen Sand, Zement und Wasser meist auch organische oder mineralische Zusatzstoffe bzw. -mittel, mit denen die Eigenschaften des Mörtels gezielt beeinflusst werden können. Da kommerzielle Betonzusätze teuer und in der ländlichen Gegend von Gunung Kidul nur schwer verfügbar sind, wurden alternative Zusatzstoffe und Zusatzmittel untersucht. Ein Schwerpunkt lag hierbei auf der Verwendung von lokal verfügbarem Haushaltszucker als Verflüssiger.

Der so entwickelte Mörtel kann als Beschichtung für Wand-, Boden- und Deckenflächen, zur lokalen Instandsetzung von schadhaften Bereichen oder auch als Baumaterial für neue Behälter eingesetzt werden. Die rheologischen Eigenschaften des Frischmörtels ermöglichen die einfache Verarbeitung von Hand, während der erhärtete Mörtel gleichzeitig dauerhaft und dicht ist.

Die beispielhafte Umsetzung des Konzepts zur Gewährleistung eines zukünftigen Multiplikatoreffekts in der Region ist in der nachfolgenden Bildergalerie dokumentiert.

Dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sei für die finanzielle Unterstützung des IWRM-Projekts (Förderkennzeichen 02WM0881 und 02WM0877) herzlich gedankt.

Zur Bildergalerie:

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Datum 8. April 2014
Autor Harald S. Müller, Raphael Breiner - KIT
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