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Grünbrücke bei Stuttgart als einzigartige Seilnetzkonstruktion geplant

Eine in ihrer Art weltweit erste leichte Grünbrücke soll künftig die Autobahn A 8 bei Stuttgart überspannen. Der Clou: eine bestehende 5 Meter breite Massivbrücke wird durch die Addition von zwei Seilnetzen auf eine Gesamtbreite von 45 Meter erweitert. Hierdurch lässt sich im Vergleich zur herkömmlichen überschüttenden Tunnelbauweise eine Massenersparnis von über 90 Prozent erzielen. Diese Lösung schont den Geldbeutel der Bauherren und die Umwelt. Für Fußgänger, Radfahrer und auch Tiere eröffnen sich durch das neue grüne Tor auf der Filder bei Denkendorf im wahrsten Sinne neue Wege.

Die Landesagentur für Leichtbau Baden-Württemberg präsentiert diese Innovation mit ihrem ThinKing im Juli 2017. Die Leichtbau BW GmbH gibt mit diesem Label monatlich innovativen Produkten oder Dienstleistungen im Leichtbau aus Baden-Württemberg eine Plattform.

Die Leichtbaubrücke als neues grünes Tor von Stuttgart von der Autobahn aus.

Die Leichtbaubrücke als neues grünes Tor von Stuttgart von der Autobahn aus. (str.ucture GmbH)

Geplant wird das Projekt vom Stuttgarter Ingenieurbüro str.ucture: Die Einzigartigkeit der Grünbrücke in Leichtbauweise besteht in der neuartigen Konstruktionsweise sowie in der Einbindung der bestehenden Überführung. Durch die additive Leichtbaustruktur wird diese zu einer grünen geschwungene Landschaftsbrücke erweitert, welche Schutz für Mensch und Natur bietet und die Qualität des Weges erheblich steigert. Additiv meint in diesem Falle die Erweiterung der bestehenden Stahlbetonbrücke durch Anbindung eines Seilnetzes auf jeder Seite.

90 Prozent weniger Material und 50 Prozent weniger Kosten

Grünbrücke bei Denkendorf aus Sicht der Fußgänger.

Grünbrücke bei Denkendorf aus Sicht der Fußgänger. (str.ucture GmbH)

Die für das leichte Flächentragwerk notwendige doppelte Krümmung der Oberfläche wird mithilfe von Druckbögen und Randseilen erzeugt. Eine über dem Seilnetz liegende Membrane bildet den Untergrund für den extensiven Vegetationsaufbau. Für eine homogene Untersicht von der Autobahn wird zwischen dem Randseil und der Bestandsbrücke eine zusätzliche Membrane aufgespannt.

“Der Entwurf hebt punktuell die Zäsur der Autobahn durch eine landschaftliche Sphäre für Menschen sowie Tier auf und bildet aus der Perspektive des Autofahrers ein grünes Tor in Richtung Landeshauptstadt”, sagt Dr. Michael Herrmann, Mitgeschäftsführer bei str.ucture. Seiner Einschätzung nach werden durch die leichte Stahlnetzkonstruktion nicht nur 90 Prozent weniger Baumaterialien benötigt, auch die CO2-Emissionen könnten deutlich reduziert werden. Die Kosten sinken ebenfalls – um geschätzte 50 Prozent. Eine klassische Grünbrücke als überschütteter Stahlbetontunnel würde mit schätzungsweise vier Millionen Euro zu Buche schlagen. Die Landschaftsbrücke in Leichtbauweise ist mit lediglich zwei Millionen Euro veranschlagt.

Grünbrücke überwindet Einschnitt durch Autobahn

Die Projektidee der Grünbrücke Filder in Leichtbauweise resultierte aus den Zielen des Rahmenkonzepts Landschaftsraum Filder aus dem Herbst 2012 mit dem Titel: “Die Lebensqualität steigern, Wertvolles bewahren und Defizite verbessern”. Als wesentliches Instrument hierzu seien neue Grünverbindungen und Achsen ausgearbeitet worden, da die Filder auf der einen Seite ein dichtes Netz an Verkehrsstraßen aufweise, auf der anderen Seite aber nur über wenig attraktive und zumal auch lückenhafte Rad- und Fußwegeverbindungen verfüge, erläutert Herrmann. Auf der Filderebene südlich von Stuttgart liegt der Flughafen der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Durch sie führen unter anderem die Autobahn A 8 und die Bundesstraße 27.

Die bestehende Autobahnbrücke wird additiv erweitert mit einem leichten Stahlnetz und aufgeschüttet.

Die bestehende Autobahnbrücke wird additiv erweitert mit einem leichten Stahlnetz und aufgeschüttet. (str.ucture GmbH)

“Zwei bisher durch die Autobahn getrennte Landschaftsräume gilt es wieder zu verbinden – nicht nur für die Bürger, sondern auch für die heimische Tierwelt”, sagt Herrmann. Denn eine Grünbrücke, welche von Tieren angenommen wird, muss mindestens 40 Meter Breite haben. Neue Grünbrücken ermöglichen zudem kurze Radwegeverbindungen zwischen Wohn- und Arbeitsplatz. “Damit würde man dem Ziel, die morgendlichen Staus zu verkürzen, einen guten Schritt näher kommen”, betont der promovierte Ingenieur.

Breite Trassen werden auch von Tieren genutzt

Das Konzept der Grünbrücke könnte auch bei der Überdeckelung größerer Autobahnbereiche oder innerstädtischer Bundesstraßen zur Anwendung kommen und die Flächenversiegelung verringern. Bei der additiven Lösung mit einer eingebunden Wirtschaftswegüberführung bleibt die Fahrspur für Landwirtschafts- und Forstverkehr weiter nutzbar.

Das Ingenieurbüro str.ucture ist darauf spezialisiert, durch integrales und interdisziplinäres Denken innovative Leichtbaulösungen zu entwickeln. Dabei geht es immer darum, Material-eigenschaften so zu beeinflussen, dass sie optimal an verschiedene strukturelle und funktionale Anforderungen angepasst sind. Das Ergebnis: eine höhere Effizienz beim Materialeinsatz, ein geringerer Ressourcen- und Energieverbrauch sowie ein deutlich kleinerer CO2-Fußabdruck.

Grundriss der geplanten Grünbrücke über die A8.

Grundriss der geplanten Grünbrücke über die A8. (Foto: str.ucture GmbH)

Das zeigt sich auch bei der Grünbrücke: Die Stahl-Seilnetzkonstruktion unterliegt normalen Brückenbau-Lebenszyklen von 80 bis 100 Jahren. Danach fällt das Recycling leicht, da es keine verklebten Verbindungen zwischen den Materialien gibt und diese sortenrein getrennt und wiederverwertet werden können. Ein Konzept, das auch bei der Gemeinde Denkendorf auf Interesse stieß, sie ist Partner des Projekts  ebenso wie Professor Ferdinand Ludwig von der Technischen Universität (TU) München. Die Fertigstellung des neuen grünen Tors von Stuttgart ist pünktlich zur IBA 2027 geplant.

Interessante Links:

str.ucture

 

 


Über str.ucture:
str.ucture wurde von Michael Herrmann, Julian Lienhard, Alexander Michalski sowie Stefan Schöne 2012 gegründet und geht aus dem im Leichtbau bereits etablierten Büro Studio LD hervor. Die Umfirmierung in str.ucture GmbH unterstreicht, dass das Leistungsangebot des Unternehmens alle Kompetenzfelder umfasst, um in sämtlichen Bereichen des konstruktiven Bauwesens die Grundprinzipen des Leichtbaus zum Einsatz zu bringen. Das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart agiert international.
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Datum 7. Juli 2017
Autor str.ucture GmbH
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