momentum magazin für Bauingenieure präsentiert von Ernst & Sohn
Nachrichten

Hochtief erfolgreich in Übersee: Europa spielt nur eine Nebenrolle

In der deutschen Baubranche haben die Schwergewichte Hochtief und Bilfinger Berger unterschiedliche Wege eingeschlagen. Unter der Regie des spanischen Großinvestors ACS wurde Hochtief auf Profitabilität getrimmt. Bilfinger sucht noch nach dem Königsweg.

Hochtief

Hochtief (Foto: DAPD)

Internationalisierung als Erfolgsmodell: Beim Baukonzern Hochtief spielt das heimische Geschäft nur noch eine Nebenrolle. Über 90 Prozent des Konzernumsatzes von knapp 20 Milliarden Euro werden heute außerhalb von Europa erwirtschaft, vor allem in Australien und den USA. Unter der Regie des spanischen Großaktionärs ACS wurde das Essener Unternehmen in den vergangenen Jahren auf Profitabilität getrimmt. Seit der Übernahme durch die Spanier im Jahr 2011 hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt. Eingestiegen war ACS mit dem Kauf eines ersten Aktienpakets am 21. März 2007.

«Nach zehn Jahren steht fest: Es war für ACS eine gute Entscheidung», stellte Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes bei einem Gespräch mit Journalisten fest. Der spanische Manager an der Spitze des größten deutschen Baukonzerns gilt als enger Vertrauter und möglicher Nachfolger des Madrider ACS-Chefs Florentino Perez. Nach der Machtübernahme durch den spanischen Großaktionär vor fast sechs Jahren hatten gleich eine ganze Reihe deutscher Managern Hochtief verlassen, darunter auch Ex-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter.

Heute hält ACS knapp 72 Prozent an Hochtief. Attraktiv geworden war dar Essener Konzern für die Spanier vor allem durch seine bis heute verfolgte Strategie der Internationalisierung. Das stand ganz im Gegensatz zur damaligen Nummer zwei auf dem deutschen Baumarkt, Bilfinger Berger. «Hochtief war stark in den Märkten, wo ACS wachsen wollte. Dadurch konnten wir 15 bis 20 Jahre sparen», erinnert sich Fernandez Verdes.

Der langjährige Hochtief-Konkurrent Bilfinger Berger hatte dagegen den Wandel vom Baukonzern hin zum Dienstleister für Wartungen rund um Industrieanlagen, Kraftwerke und Immobilien eingeleitet. Damit wollte er unabhängiger von der deutschen Baukonjunktur werden. 2011 verkaufte Bilfinger sein Baugeschäft in Australien (Valemus) und auch das in den USA (Fru Con), nachdem die Mannheimer jahrelang erfolglos dort nach geeigneten Übernahmen gesucht hatten. Nur drei Jahre später stieß Bilfinger sein Tiefbaugeschäft ab und trennte sich vergangenes Jahr noch von seinem restlichen Baugeschäft, dem Hochbau.

Die Abkehr vom Bau und der Ausbau der Dienstleistungen durch Zukäufe brachte jedoch nicht die erhoffte Stabilität. 2015 verbuchte Bilfinger einen Rekordverlust und strich die Dividende.

Hochtief konnte dagegen im vergangenen Jahr einen Gewinnsprung verbuchen. «Die Aktionäre sind gut gefahren und ACS hat gezeigt, dass sie Baumanagement können», stellt Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fest.

Erst Ende vergangenen Jahres trat Hochtief zudem aus dem Arbeitgeberverband, dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, aus. Das Unternehmen begründete den Schritt damit, eine bessere Interessenvertretung anzustreben. Seitdem laufen Verhandlungen mit der Gewerkschaft IG Bau-Agrar-Umwelt über den Abschluss eines Haustarifvertrags für die rund 3500 Beschäftigten in Deutschland.

«Der Austritt ist eine klare Kampfansage», ist sich Gewerkschafter Ruprecht Hammerschmidt sicher. Einbußen für die Beschäftigten will die IG Bau-Agrar-Umwelt nicht hinnehmen. Der Schritt habe jedoch bereits zu Angst und Spekulationen unter den Beschäftigten geführt, meinte Hammerschmidt.

Schreibe einen Kommentar…

Im Netz teilen

Datum 23. März 2017
Autor dpa
Schlagwörter ,
Teilen facebook | twitter | Google+


...