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Allgemein

Kirche als Arbeitgeber

Bildunterschrift

Raus aus der Hektik des Alltags, rein in die Ruhe des Raumes - eine neue Neuapostolische Kirche in Pliezhausen. (Foto: Marcus Ebener)

Kirchenbau – warum heute noch Kirchenbau? Rein ökonomisch wäre es ein Unding, heute noch Kirchen zu bauen, sagt Bezirksapostel Michael Ehrich, Präsident der Neuapostolischen Kirche (NAK) Süddeutschland. Aber er nennt andere Gesichtspunkte, jenseits schnöder ökonomischer Erwägungen, die er als ungleich wichtiger erachtet: Die Glaubenden hätten in ihrer Kirche einen sakralen Ort für die Anbetung Gottes, eine geweihte Offenbarungsstätte, wo Gottes Wort verkündigt und die Sakramente gespendet würden. Die Kirche sei so der Platz für das Praktizieren des Glaubens und sie sei der Ort, wo die Gemeinschaft in der Gemeinde erfahren werde. Mit dem Bau von Kirchen werde damit auch ein „starkes Zeichen des Glaubens“ gesetzt, ein „Zeichen gegen den Zeitgeist“, in eine säkulare, vom christlichen Glauben abgewandte Gesellschaft hinein. Und mit dem Bau von Kirchen entstehen Arbeitsplätze für Ingenieure und Architekten mit Aufgaben, um die es in diesem Beitrag geht.

Die Anerkennung ist groß. Die Rede ist hier von der Wertschätzung für die Leistung und die gebauten „Produkte“ der Abteilung Bau/Unterhalt des Verwaltungs- und Dienstleistungszentrums (VDZ) der NAK Süddeutschland: Wertschätzung von Seiten der Gemeinden, der Öffentlichkeit, der Fachkreise und der Partner, die im Auftrag den Kirchenbau planen und durchführen – und das trotz Budgetobergrenze und konsequenten Vorgaben über Flächen und Räume sowie Vermeidung von Bauschäden. „Sehr professionelle Bauabteilung“, befand Architekt Hellmut Raff von Ackermann+Raff Architekten, Stuttgart, nach Fertigstellung der Kirche in Pliezhausen (siehe Kasten). Und dass eine Kirche bauen eine ganz besondere – und ganz besonders reizvolle – Aufgabe ist, bedarf kaum weiterer Betonung.

19 MitarbeiterInnen hat die Abteilung Bau/Unterhalt im VDZ der NAK Süddeutschland derzeit, und es sollen mehr werden. Die Abteilung BAu/Unterhalt betreut 670 kirchliche Immobilien (mit ca. 1,5 Mio. m³ Bruttorauminhalt) in Baden-Württemberg und Bayern zentral vom Dienstsitz in Stuttgart aus. Sie ist direkt dem Kirchenpräsidenten unterstellt, der auch an der Spitze des VDZ steht.

Die Gemeinden der NAK sind rechtlich unselbstständig und werden seit jeher ausschließlich ehrenamtlich betrieben (Gemeindeleitung, Seelsorge, Musik, kirchliche Unterrichte usw., aber auch Gebäude- und Außenanlagenpflege). Die Gebäude sind Hybridgebäude mit dem sakralen Bereich des Kirchenschiffs, der Sakristei und den Gemeinderäumen. Dabei kommt der Beteiligung und Zufriedenheit der Nutzer – also der Gemeinde – im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten eine hohe Bedeutung zu. Dies auch, weil sich die NAK aus den Opfern und Spenden ihrer Mitglieder finanziert, ohne Kirchensteuer zu erheben, und die Mittel nach dem Solidaritätsprinzip für die Gemeinden verwendet werden. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Finanzmitteln erfordert professionelles, nachhaltiges Handeln und Bauen in hoher Qualität, zumal die kirchlichen Immobilien einen erheblichen Teil des Mittelbedarfs der Kirche binden.

Daraus ergibt sich für das VDZ in allen Fachbereichen eine hohe Steuerungsverantwortung. Die Abteilung Bau/Unterhalt hat in den letzten Jahren eine umfangreiche Datenerhebung über Zustand und Funktionalität der Gebäude (zu 95 % Nachkriegsbauten) durchgeführt und kennt den Immobilien-Bedarf der Zukunft auf viele Jahre (auch den Investitions- und Modernisierungsstau), der samt pastoralem Bedarf der Gemeinden mit der zentralen Kirchenleitung in einer Standortplanung (Standorte, Gottesdienstraum-Sitzplätze, Gemeinderäume je nach Gemeinde-Entwicklung) definiert ist.

Daraus entwickelt das Portfoliomanagement der Abteilung Bau/Unterhalt zusammen mit der Kirchenleitung, den Kirchenbezirken und den Gemeinden zweierlei Aufgaben, die für alle künftigen MitarbeiterInnen der Abteilung zentral sind:

  • Instandsetzung und -haltung im Bestand bei dauerhaften Standorten in pro Objekt definierter „Objektstrategie“. Dies wird zunehmend mit Partnern durchgeführt (Handwerker, Bauleitung und General-Dienstleister), die im Abgleich mit dem Bedarf sowie der Strategie beauftragt und gesteuert werden müssen. Das ist die Aufgabe des Objektmanagements. Dazu gehören auch alle großen und kleinen Sorgen der Kirchengemeinden.
  • große und kleine Bauprojekte, die in einem kurz-, mittel- oder langfristigen Bauprogramm priorisiert, entwickelt, geplant und ausgeführt werden: Teilmodernisierungen, Umbauten, (Ersatz-)Neubauten, wenn es sinnvoll ist, die alternde Substanz mit funktionellen Mängeln ganz zu ersetzen und dabei auch ein Projekt für mehrere Gemeinden, die sich zusammenschließen, zu verwirklichen (in Pliezhausen für drei Gemeinden). Dies geschieht vorwiegend in Zusammenarbeit mit freien Architekturbüros und Fachingenieuren. Das ist die Aufgabe des Projektmanagements.
  • Die Abteilung Bau/Unterhalt hat dazu ein umfangreiches CAFM-System aufgebaut und eingeführt, mit dem sie, auch in Workflows mit anderen Abteilungen wie z.B. der Buchhaltung oder dem Einkauf, sämtliche Prozesse abwickelt. In der dazugehörigen Datenbank sind alle Informationen über das umfangreiche Portfolio zentral verfügbar und gepflegt. Die Gemeinden können mit einem webbasierten Ticketingsystem Meldungen abgeben und verfolgen und Informationen einsehen. Darüber erfolgt auch die Kommunikation, ebenso wie die Beauftragung mit den Rahmenvertragspartnern vor Ort.
  • In intensivem Erfahrungsaustausch mit anderen vergleichbaren Institutionen, Interessensverbänden und anderen Schwesterkirchen wie auch anderen Konfessionen entstanden umfangreiche Richtlinien und Leitfäden, an denen sich die Abteilung Bau/Unterhalt, deren Partner, wie auch die Kirchenleitung und die Gemeinden ausrichten.

Architekt Joachim Raff, Leiter der Abteilung Bau/Unterhalt in Stuttgart, umreißt das Aufgabenfeld künftiger MitarbeiterInnen mit den folgenden Worten: „Die MitarbeiterInnen der Abteilung Bau/Unterhalt stellen sich der Herausforderung der nachhaltigen Qualität in vielen Komponenten: das kirchliche Leben als Bedarfsbasis kirchlichen Bauens, der Blick auf das Heute und auf die Zukunftsorientierung, der Blick auf die bautechnischen und gestalterischen Möglichkeiten, die Zufriedenheit der Nutzer mit dem Blick auf das Machbare, ökonomische und ökologische Vorgaben, Prozess- und Managementqualität, Kommunikation und Kooperation in einer anzustrebenden Balance. Bei der Erfüllung der Aufgaben im Bau unterscheidet sich die Kirche nicht von anderen Bauherren- bzw. Eigentümerorganisationen.“

Wenn Sie also an diesem sicherlich besonderen, aber auch besonders erfüllenden Aufgabenfeld Gefallen finden und Interesse daran haben, hier Ihre Arbeitskraft einzubringen, melden Sie sich bitte bei Personaldienstleister Rainer Schirrmacher, post@rainerschirrmacher.de, 0173 396 89 28, www.schirrmacher.de unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellungen und des frühestmöglichen Eintrittstermins, bis spätestens 30.11.2017

www.nak-sued.de/was-wir-tun/engagement/kirchenbau

 

Kirchenbau aus Leichtbeton – Skulpturaler Baukörper in Pliezhausen

Der bemerkenswerte Kirchenbau sitzt am Rand eines Grünzugs und grenzt an Obstbaumwiesen.

Der bemerkenswerte Kirchenbau sitzt am Rand eines Grünzugs und grenzt an Obstbaumwiesen. (HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs)

In exponierter Lage am Rande eines Grünzugs hat die Neuapostolische Kirche ein markantes Gebäude erbaut. Der Neubau setzt sich als skulpturaler Baukörper aus durchgefärbtem Leichtbeton bewusst von der angrenzenden Wohnbebauung ab.
Schon verschiedentlich hat die Neuapostolische Kirche ihre Neubauten, mit der sie baufällige Kirchengebäude aus der Nachkriegszeit ersetzt, in Sichtbeton ausgeführt. Für Pliezhausen wählte Bauherrenvertreter Stephan Pfäffle, selbst Architekt, gemeinsam mit Johannes Weiß von den Stuttgarter Architekten Ackermann+Raff einen Leichtbeton, der mit der Beimischung von 1,5 % Farbpigmenten einen zarten, erdigen Beigeton zeigt. Das Büro hatte sich mit seinem Entwurf bei einem eingeladenen Wettbewerb durchgesetzt. Der Zement für den ausgesuchten Beton stammt aus dem Werk Lengfurt der HeidelbergCement AG. „Die Besonderheit des Baus liegt im eingefärbten Leichtbeton mit gewollter Struktur, der farblich je nach Lichteinfall unterschiedlich von beige bis sandfarben leuchtet“, so Gerald Dußler aus der Vertriebsregion Süd-West der HeidelbergCement AG in Schelklingen. Geliefert hat den besonderen Beton der Betonhersteller, die Wenzelburger GmbH & Co. KG Transportbetonwerke aus Neckartailfingen. Er lieferte 550 m³ Leichtbeton LC 12/13 mit einer Rohdichte 1,2. Der Hochofenzement (CEM III/B 32,5 N-LH/SR/NA) stammt aus dem Werk Lengfurt der HeidelbergCement AG.

Aussagekräftige Architektur

Raus aus der Hektik des Alltags, rein in die Ruhe des Raumes. Wie wohltuend die Atmosphäre einer bewusst schlichten, sakralen Architektur sein kann, ist sofort spürbar. Kaum über den Vorplatz, der sich als einladende Geste Richtung Obstbaumwiesen erstreckt, durch das großzügige und zentrale Foyer in den Kirchenraum eingetreten, fällt die Last des Lebens ab und macht stiller Einkehr Platz. Für diese Wirkung entwickelten die Stuttgarter Architekten Ackermann+Raff Architekten den Baukörper aus der Topografie heraus. Sie ließen die Dachform dem Hangverlauf folgen; zur Straße hin bildet das Volumen einen markanten Hochpunkt aus. Im Kirchenraum ist die äußere Form durch den steil aufsteigenden Deckenverlauf zum Altar hin ablesbar. Ein hoch über dem Altarraum platziertes Fensterband und Oberlichter im Bereich der räumlich und farblich abgestuften Decke lassen eine sakrale Lichtstimmung entstehen. Nach Osten ausgerichtete quadratische Fenster mit tiefen Holzlaibungen sorgen für stimmungsvolle Lichtakzente im gesamten Raum. Der Neubau der Neuapostolischen Kirche bietet künftig 250 Besuchern aus drei Gemeinden Platz für Gottesdienst und Gemeindearbeit. Verschiedene Sanitär- und Mehrzweckräume werden vom zentralen Foyer aus erschlossen, zwei davon lassen sich bei Bedarf zu einer größeren Einheit zusammenschließen. Die Sakristei öffnet sich mit großzügiger Verglasung zum Kirchenraum, so dass hier – akustisch etwas abgeschieden – Familien mit kleinen Kindern den Festlichkeiten folgen könnten.

Ausgesuchte Materialien

Der Zement für den durchgefärbten Leichtbeton stammt aus dem Werk Lengfurt der HeidelbergCement AG.

Der Zement für den durchgefärbten Leichtbeton stammt aus dem Werk Lengfurt der HeidelbergCement AG. (HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs)

Die einladende Wirkung verdankt der Kirchenbau auch der Reduktion auf wenige, ausgesuchte Materialien. Bauherr und Architekten ergänzten den Baukörper aus sandfarben eingefärbtem Leichtbeton mit heimischer, teils unbehandelter Eiche aus dem Schwäbischen, die eine regionale Schreinerei für die geschmackvollen Kirchenbänke und die quadratischen Fenster verarbeitete. Über der 25 cm dicken Bodenplatte aus Beton und dem Bodenaufbau mit Fußbodenheizung bildet ein Belag aus geräucherter Eiche im Sakralraum und ein polierter Beton im Foyer einen gelungenen Kontrast zu den hohen, hellen Sichtbetonwänden und der dezenten Akustikdecke mit zartem Farbverlauf.

Wärmedämmender Leichtbeton

Bei ihren Kirchenbauten, die als Sonderbauten nicht an die Energieeinsparverordnung (EnEV) gebunden sind, hat sich die Neuapostolische Kirche grundsätzlich auf die Einhaltung der EnEV 2014 verpflichtet. Diese ist mit Leichtbeton bei diesem Bauwerk aufgrund der 61,5 cm dicken Außenwände ohne Dämmung sehr gut zu erreichen; die EnEV 2016 würde damit nicht mehr eingehalten werden können. Bei Wohnhäusern macht die Verschärfung der EnEV eine moderne und ökologisch sinnvolle Bauweise mit Leichtbeton, bei der die Sichtbetonflächen ohne innere oder äußere Dämmung gestaltet werden können, fast unmöglich. Kosten und Materialaufwand stehen mit der späteren Energieeinsparung in keinem sinnvollen Verhältnis mehr. Daher wird die EnEV 2016 von vielen Architekten und Bauunternehmen in Hinblick auf ökologisches und wirtschaftliches Bauen als kontraproduktiv angesehen. Abhilfe könnte das neue vereinfachte Nachweisverfahren (inoffiziell als „EnEV-easy“ bekannt) schaffen, das 2015 angekündigt wurde und davon ausgeht, dass bestimmte ungekühlte neue Wohnhäuser ihre Kriterien erfüllen, wenn sie eine bauliche und anlagentechnische Standard-Ausstattung aufweisen.

Sichtbetonteam im Einsatz

Ausgesuchte Materialien wie Eichenholz, Glas und Stahl fügen sich zum Sichtbeton.

Ausgesuchte Materialien wie Eichenholz, Glas und Stahl fügen sich zum Sichtbeton. (HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs)

Das Bauunternehmen Adolf List aus Reutlingen führte die Baumaßnahmen durch. Mit sieben versierten Betonbauern gelang Bauleiter Klaus Schäfer mit einer Rahmenschalung von 2,40 auf 2,70 m die von Architekt und Bauherren gewünschte Oberfläche der Leichtbetonwände. Durch die Rahmenschalung lassen sich die einzelnen Bauabschnitte als fast quadratische Bereiche ablesen, farblich angepasste Betonkonen zeichnen sich dezent ab. Struktur und Porosität der Flächen ebenso wie Farbe und Farbverlauf sollten gleichmäßig sein. Um die an großen Musterwänden besprochene Qualität zu erreichen, musste im heißen Sommer 2015 Aufwand betrieben werden. „Gegen die Hitze haben wir die Schalung abgehängt und die Mischer runtergekühlt“, so Schäfer. „Betoniert wurde ab dem frühen Morgen und angeliefert haben wir im Stundentakt.“ Auch die Verdichtung der bis zu acht Meter hohen Wände durch gezieltes Rütteln erforderte Fingerspitzengefühl, erinnert sich Karl-Heinz Baur vom nahe gelegenen Transportbetonunternehmen Wenzelburger, das den Beton produzierte. „Bei einem solch speziellen, besonderen Projekt muss die Zusammenarbeit stimmen“, meint Bauleiter Schäfer. Alle Baubeteiligten loben ausdrücklich den koordinierten Austausch. Das für solche Herausforderungen unerlässliche „Sichtbeton-Team“ hat sich hier auf beste Weise bewährt.

 

Heidelberger Leichtbeton – Für anspruchsvolle Konstruktionen

Von Leichtbeton spricht man bei Betonen mit einem Raumgewicht zwischen 800 und 2.000 kg/m³ (definiert in DIN 1045). Zum Vergleich: „normaler“ Beton hat ein Raumgewicht von 2.000 bis 2.600 kg/m³. Technisch liegt die untere Grenze für Leichtbetone derzeit bei etwa 350 kg/m³. Verantwortlich für dieses „Leichtgewicht“ ist die Beimischung von Gesteinskörnungen mit hoher Porosität beziehungsweise geringer Dichte. Jedes Korn weist einen hohen Anteil von bis zu 85 Volumenprozent feinster Luftporen auf. Diese Luftporen geben dem Leichtbeton seine wärmedämmtechnischen Eigenschaften. Die am meisten verwendeten leichten Gesteinskörnungen sind Blähton, Blähglas (recyceltes, gebranntes Glas), Blähschiefer oder Bimsstein. Diese können auch untereinander gemischt werden. In spezieller Zusammensetzung kann Leichtbeton auch mittels konventioneller Automastpumpe gepumpt werden.

www.heidelberger-beton.de/leichtbeton

Objektsteckbrief

Projekt Neuapostolische Kirche, Pliezhausen
Bauherr Neuapostolische Kirche Süddeutschland K.d.ö.R.
Architekten Ackermann+Raff Architekten, Stuttgart
Bauunternehmen Adolf List Bauunternehmung GmbH & Co. KG, Reutlingen
Betonlieferant Wenzelburger GmbH & Co.KG Transportbetonwerke, Neckartailfingen
Beton 550 m³ durchgefärbter Leichtbeton LC 12/13 – Rohdichte 1,2 mit 1,5 % Farbpigment
Zement CEM III/B 32,5 N-LH/SR/NA
Lieferwerk HeidelbergCement, Werk Lengfurt

 

Bauen für Gott und die Menschen

BILDUNTERSCHRIFT

Joachim Raff (Foto: Marcus Ebener)

Fünf Fragen an Joachim Raff , Architekt, Neuapostolische Kirche Süddeutschland K.d.ö.R., Abteilungsleiter Bau / Unterhalt, Mitglied der Verwaltungsleitung

1. Herr Raff, was muss jemand, der gern für den Kirchbau arbeiten möchte, an Fähigkeiten und Kenntnissen mitbringen?

Selbstverständlich sollte er eine „Grundausbildung“ als Architekt haben, am besten mit einiger Erfahrung. Er sollte Interesse für kirchliche Strukturen und liturgische Abläufe in den Kirchengebäuden zeigen. Dann gehört Freude an Kommunikation dazu: mit Kirchengemeinden als Nutzer, mit der zentralen Kirchenleitung, mit Bauämtern, Nachbarn und Kollegen. Mit seinem Gespür für das Machbare in Architektur, Kosten, Technik; mit Sicherheit im Einsatz von Materialien, Farben und Licht kann er alle Beteiligten, auch die beauftragten Kollegen aus freien Architektur- und Fachplanerbüros ideal begleiten…

2. Kirchbau in säkularen Zeiten: Wie stellt sich Ihnen die geglückte Synthese aus Sakral- und Zweckbau dar? Gibt es dafür Kriterien?

Hier darf ich aus der Richtlinie „Kirchliche Immobilien“, die auch auf der Website der Kirche zur Verfügung steht, zitieren: „Eine neuapostolische Kirche ist ein „öffentliches Gebäude“ im Ort und soll für alle einladend sein, in dem man sich wohlfühlen kann, Stätten der Sammlung und Ruhe, aber auch einen Stätte der Begegnung. Dazu wird ein ungehinderter Zugang für alle angestrebt. Es ist in „zeitloser“, moderner, jedoch nicht modischer Architektur erstellt. Es hebt sich von Wohn- und Profanbauten ab. Der sakrale Gottesdienstraum hebt sich als Zentralpunkt von den weiteren bedarfsgerechten Räumen für die Aktivitäten des Gemeindelebens ab.“ Im Projekt Pliezhausen zum Beispiel ist das hervorragend gelungen.

3. Eine Frage zwischen Symbolik und Rotstift: Was darf Symbolik kosten, was der Rotstift fordern?

Da geht es bei der Planung von den ersten Skizzen bis zur Werkplanung um das fortwährende „Ringen um die beste Lösung“: der Blick für das Machbare, die Schlichtheit der Oberflächen und der Konstruktion, nicht verspielt und kompliziert, eine Ausstrahlung des Gebäudes nach außen und nach innen, der Blick auf die Nachhaltigkeit. Dafür müssen zwischen Gestaltung und Kosten sinnvolle Kompromisse geschlossen werden. Das gelingt nur mit der Entwicklung von Alternativen und Erörterung in vielen Gesprächen mit allen Beteiligten.

4. Zur Kategorie der Erfüllung: Kann Arbeit im Kirchbau erfüllender als andere Bautätigkeiten sein, und wenn ja, warum?

Die Abläufe im Baugeschehen sind dieselben wie überall, es braucht Professionalität, auch im Projektmanagement. Das „Produkt“ aber heißt: Bauen für Gott und die Menschen. Das ist Herausforderung und Erfüllung zugleich.

5. Zum Schluss eine philosophischere Frage: Poetik fällt gemeinhin in die Zuständigkeit von Literaten. Was würden Sie sich unter einer Poetik des Kirchbaus vorstellen?

Als Poetik im Kirchenbau kann ich mir, wie in der Literatur, das „richtige Maß“ vorstellen, die Balance aller Bauteile und Materialien, der Sakralität und der funktionellen Nutzbarkeit des Kirchensaals, des würdigen Erscheinungsbilds und der städtebaulichen Solitärwirkung…

Haben Sie Dank für dieses Interview, Herr Raff

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Datum 28. September 2017
Autor fv
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