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Köpfe der Elbphilharmonie

Elbphilharmonie

Elbphilharmonie (Foto: HL)

Architekten, Akustiker, Dirigenten: Welche Menschen rund um die neue Elbphilharmonie in Hamburg wichtig sind – ein Überblick in Kurzporträts.

Angefangen hat alles mit einer spektakulären Idee. Die hatte der Hamburger Architekt Alexander Gérard. Bereits in den 90er Jahren wollte er in der Hafencity einen kulturellen Anziehungspunkt schaffen. Zunächst stößt er auf Unverständnis, aber als er seine Studienkollegen Jacques Herzog und Pierre de Meuron mit ins Boot holt, ist der Jubel groß: Die Entwürfe einer «Gläsernen Welle» auf dem ehemaligen Kaispeicher überzeugen. Nach und nach werden sich noch zahlreiche weitere Persönlichkeiten für das Konzerthaus engagieren. Eine Liste wichtiger «Köpfe der Elphi»:

THOMAS HENGELBROCK: Eine Reise durch die Musikgeschichte – von der Renaissance bis zur Gegenwart – und eine Uraufführung von Wolfgang Rihm hat sich Thomas Hengelbrock (58) für die Eröffnung der Elbphilharmonie am 11. Januar ausgesucht. Mit dabei sind weltweit gefeierte Solisten wie Bryn Terfel und Philippe Jaroussky. Seit 2011 hat der international gefragte Dirigent Zeit gehabt, das NDR Elbphilharmonie Orchester – das ehemalige NDR Sinfonieorchester – auf die Eröffnung der Elbphilharmonie vorzubereiten. 70 Konzerte wird das Residenzorchester in dem neuen Konzertsaal bis zum Sommer spielen, das sind 30 Prozent aller Konzerte der ersten Spielzeit. Hengelbrock – groß, blond, blaue Augen – gilt als Dirigent mit charismatischer Ausstrahlung, der sein Publikum immer wieder neu für klassische Musik begeistert. Aufgewachsen in Wilhelmshaven, startete er zunächst eine Karriere als Geiger, später gründete er den Balthasar-Neumann-Chor und das gleichnamige Ensemble. Nach Stationen in Bremen und Wien wurde er 2011 Nachfolger von Christoph von Dohnányi. Nach der ersten Probe im Konzertsaal der Elbphilharmonie schwärmte er: «Wir wussten sofort, mit dem ersten Paukenschlag: Das wird fantastisch!» Als Chef associé des Orchestre de Paris ist er oft Gast in der Philharmonie de Paris, die vor zwei Jahren eröffnet wurde.

KENT NAGANO: Auch Hamburgs Generalmusikdirektor Kent Nagano (65) freut sich auf die Elbphilharmonie: «Wir sind sehr optimistisch, dass das ein erstklassiges Konzerthaus mit einer erstklassigen Akustik wird», sagte der amerikanische Dirigent mit japanischen Wurzeln im dpa-Interview. Vor anderthalb Jahren begann mit Kent Nagano und dem Schweizer Opernintendanten Georges Delnon eine neue Ära in Hamburg – mit spannenden Projekten wie Hector Berlioz’ Oper «Les Troyens», der Uraufführung «Stilles Meer» von Toshio Hosokawa über die Atomkatastrophe von Fukushima und Romeo Castelluccis Interpretation von Bachs «Matthäus-Passion». Kritiker lobten den «profilierten Neustart» und Nagano, «weil er die Hamburger Oper musikalisch wieder vorangebracht hat». Aufgewachsen ist Nagano in Morro Bay in Kalifornien. Nach seiner Ausbildung in den USA setzte der Dirigent, der für seine leisen Töne und seine unorthodoxe Programmauswahl bekannt ist, seine Karriere in Europa fort. Nach Stationen in Berlin und München leitet der 65-Jährige auch das Orchestre symphonique de Montréal, mit dem er 2011 einen neuen Konzertsaal einweihte. Erstmals präsentiert sich das Philharmonische Staatsorchester unter seiner Leitung am 13. Januar in der Elbphilharmonie – mit einer Uraufführung von Jörg Widmann.

CHRISTOPH LIEBEN-SEUTTER: Nur ein Mal wollte Christoph Lieben-Seutter (52) alles aufgeben und hinschmeißen: 2009, als die Eröffnung der Elbphilharmonie immer wieder verschoben wurde. Doch dann änderte der Österreicher seine Einstellung: «Ich bin eben nicht nach Hamburg gekommen, um ein Konzerthaus zu führen, so wie ich das in Wien gemacht habe, sondern ich begleite ein einmaliges Projekt.» Mittlerweile hat der ehemalige Leiter des Wiener Konzerthauses gut lachen: Viele beneiden den 52-jährigen Vater von drei Töchtern um seinen Job in einem der spektakulärsten Konzerthäuser der Welt. Seit 2007 verantwortet der gebürtige Wiener ein abwechslungsreiches Programm, das auch neue Besucherschichten in das Konzerthaus locken soll. Sein Konzept scheint aufzugehen: Fast alle Konzerte in der ersten Spielzeit bis Ende Juni sind bereits ausverkauft. Die Klassikstars stehen Schlange, um in dem neuen Konzerthaus auftreten zu dürfen. Keine schlechte Aussichten für die nächsten vier Jahre, in denen Lieben-Seutter, der mit der Librettistin Theresita Colloredo verheiratet ist, auf jeden Fall noch in Hamburg bleiben will.

YASUHISA TOYOTA: Der 1952 geborene Japaner zählt zu den besten Akustikern der Welt. Neben der Elbphilharmonie arbeitete der Chef des Ingenieurbüros Nagata Acoustics bei wichtigen Konzertsaal-Projekten mit, unter anderem bei der Philharmonie de Paris oder der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles. Um den optimalen Klang zu ermitteln, hatte der Akustiker bereits vor Jahren ein Modell des großen Konzertsaals im Maßstab 1:10 entworfen. Trotzdem kann «Mr. Sound» keine Garantie geben: «Mit dem Whisky ist es ähnlich wie mit der Akustik. Selbst Experten können nicht erklären, warum der eine gut schmeckt und der andere nicht.» Für die Elbphilharmonie hat Toyota die «Weiße Haut» entworfen – 10 000 individuell zugeschnittene Gipsplatten, unterschiedlich in Form und Größe, Gewicht und Oberflächenstruktur, die die Innenverkleidung des großen Saals bilden. Sie sollen den Schall optimal reflektieren. An der Decke hängt ein riesiger Reflektor, der ebenfalls zur perfekten Raumakustik beitragen soll. Damit keine Geräusche von außen nach innen dringen – und umgekehrt – schwebt der Saal auf 362 Federkissen. «Es gibt in der Elbphilharmonie keine schlechten Plätze. Aber viele sehr gute», sagt Toyota.

HERZOG & DE MEURON: Ob Allianz Arena in München, Nationalstadion in Peking («Vogelnest») oder das Museum Tate Modern in London: Die Bauten der Schweizer Architekten Jacques Herzog (66) und Pierre de Meuron (66) sind stets spektakulär und einzigartig. So wie die Elbphilharmonie. Ob Weiße Haut, Rolltreppe oder Glasfassade: Vieles in dem Konzerthaus wurde extra für die Elbphilharmanie entworfen und so noch nie gebaut. Einige kritisierten, der Perfektionsanspruch der Architekten habe mit zu der enormen Kostensteigerung beigetragen. Aber schließlich wollte man eines der zehn besten Konzerthäuser der Welt haben. 1978 gründeten Jacques Herzog und Pierre de Meuron ihr Büro in Basel. Mittlerweile arbeitet ein internationales Team von 380 Mitarbeitern an Projekten in Europa, Asien und Amerika. Vor dem Untersuchungsausschuss zur Elbphilharmonie stellte Architekt Pierre de Meuron fest: «Jetzt bin ich seit mehr als 30 Jahren im Beruf und so etwas habe ich noch nie erlebt.» Nachdem die Elbphilharmonie Anfang November vorgestellt wurde, überschlugen sich die Lobeshymnen der Kritiker: «Sensationell, grandios, einzigartig!», hieß es da. Andere sprachen von «Jahrhundertbau» und «Architekturwunder».

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Datum 10. Januar 2017
Autor dpa
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