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Interview

Kreativität und Flexibilität sind nicht durch Roboter ersetzbar

Hilti hat 2016 sein 75jähriges Jubiläum gefeiert. Aus diesem Anlass sprach momentum mit dem Mitglied der Konzernleitung Jahangir Doongaji über die Baustelle der Zukunft, das Verhältnis von Mensch und Roboter, sich beschleunigende Innovationszyklen und BIM.

1. Warum ist Hilti besser als viele andere Unternehmen auf die Baustelle der Zukunft vorbereitet?

Jahangir Doongaji, Konzernleitungsmitglied der Hilti Gruppe: „Wir nutzen Internet-basierte Technologien für die Vernetzung von Geräten mit Software und Services.“

Jahangir Doongaji, Konzernleitungsmitglied der Hilti Gruppe: „Wir nutzen Internet-basierte Technologien für die Vernetzung von Geräten mit Software und Services.“ (Foto: Hilti)

Wir sind sicherlich nicht das einzige Unternehmen, das sich intensiv mit Zukunftsthemen in der Bauindustrie beschäftigt. Unser Ansatz ist kurz gesagt, dass wir heute verstehen wollen, was unsere Kunden morgen brauchen. Hierbei ist unser Direktvertrieb ein großer Vorteil. Durch den unmittelbaren Kundenkontakt gewinnen wir einerseits wertvolle Erkenntnisse über die Bedürfnisse und Trends im Baustellenalltag, andererseits können wir unsere Lösungen vor Ort bei den Kunden testen. Wir binden unsere Kunden auch in den Entwicklungsprozess ein, um sicherzustellen, dass ein Produkt ihre Anforderungen abdeckt. Zudem haben wir die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den letzten Jahren deutlich erhöht und auch in unsere Infrastrukturen investiert.

2. Wie sehen Sie die Rolle des Menschen und die des Roboters in der Zukunft?

Das neue Innovationszentrum am Hauptsitz von Hilti in Liechtenstein beherbergt 450 Arbeitsplätze für Forschung & Entwicklung.

Das neue Innovationszentrum am Hauptsitz von Hilti in Liechtenstein beherbergt 450 Arbeitsplätze für Forschung & Entwicklung. (Foto: Hilti)

Die fortschreitende Digitalisierung bringt neue Anforderungen an die Interaktion zwischen Mensch und Maschine mit sich – auch auf der Baustelle. Roboter werden in der Zukunft vollständig automatisiert Tätigkeiten ausführen – darin liegt ja auch viel Potenzial zur Steigerung der Produktivität. Die Präzision der Maschine ist allerdings nur so gut wie deren Zusammenspiel mit den kognitiven Fähigkeiten des Menschen. Deshalb bleibt die Kontrolle beim Menschen, weil seine Erfahrung, Kreativität und Flexibilität nicht durch Roboter ersetzbar sind.

3. „Integrierte Lösungen“ – wie definieren Sie diese und welche Rolle spielen sie Ihrer Ansicht nach?

Bei uns geht es darum, Internet-basierte Technologien für die Vernetzung von Geräten mit Software und Services zu nutzen. Als Systemanbieter wollen wir unsere Kunden dabei unterstützen, entlang der gesamten Wertschöpfungskette ihre Prozesse und Abläufe zu verbessern. Sie erwarten einfache integrierte Lösungen, die sie mühelos anwenden können. Ein Beispiel: Mit unserer „ON!Track“-Lösung erleichtern wir die Betriebsmittelverwaltung erheblich. Wir beraten den Kunden, wie er die Cloud-basierte Software am besten für seine Bedürfnisse nutzen kann und unterstützen ihn bei der Analyse und der Implementierung. Sind seine Betriebsmittel einmal erfasst, hat er online stets den Überblick, wo ein Gerät im Einsatz steht und ob es besser ausgelastet werden kann. Zudem können die erforderlichen Service- und Prüfintervalle hinterlegt werden und das System zeigt an, wann diese fällig sind. Diese Innovation zeigt, wie wir die Digitalisierung nutzen, um Produkt, Software und Service zu integrieren und uns im Markt zu differenzieren.

4. Worin sehen Sie den Grund für immer kürzere Innovationszyklen und wie begegnet man ihnen im Unternehmen?

Hilti bietet nicht nur Brandschutz-Lösungen, sondern auch eine Software für die einfache und zuverlässige Dokumentation der Brandschutz-Installationen.

Hilti bietet nicht nur Brandschutz-Lösungen, sondern auch eine Software für die einfache und zuverlässige Dokumentation der Brandschutz-Installationen. (Foto: Hilti)

Innovationszyklen werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst, so zum Beispiel von neuen Technologien und Materialien, Industrietrends wie Vorfertigung und Vormontage und natürlich vom Wettbewerbsumfeld sowie den Kundenerwartungen. Auch unser Flottenmanagement ist ein Treiber für unsere Innovationsfrequenz, weil wir mit diesem Geschäftsmodell unseren Anspruch verstärken, den Kunden stets eine Lösung auf dem neuesten Stand der Technik anzubieten. Nach Ablauf der im Flottenvertrag festgelegten Gerätelaufzeit erwarten sie ein neues Produkt und wir müssen dafür sorgen, dass unsere Innovationszyklen entsprechend synchronisiert sind.

5. Sehen Sie in Anbetracht von Hiltis Investitionen in Grundlagenforschung nicht auch die Universitäten in der Pflicht?

Die Universitäten sind für uns wichtige Partner in der Grundlagenforschung, wir können nicht alle Felder selber abdecken. Wir sind gut beraten, mit forschenden Institutionen zu kooperieren, weil die für uns relevanten Technologiefelder komplex sind und die Entwicklungsdynamik hoch ist. Und die Universitäten sehen sich sehr wohl in der Pflicht, Wissen zu generieren, das in der Praxis Anwendung findet. Das obliegt zum einen ihrem Bildungsauftrag und trägt außerdem dazu bei, ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern.

6. Markenprofil oder Engagement in der Sache? – Welche Rolle spielen Gesundheit und Sicherheit am Bau für Sie?

Integrierte Lösungen mühelos anwenden: Mit ON!Track erleichtert Hilti die Betriebsmittelverwaltung erheblich.

Integrierte Lösungen mühelos anwenden: Mit ON!Track erleichtert Hilti die Betriebsmittelverwaltung erheblich. (Foto: Hilti)

Diese Themen gewinnen an Bedeutung, wenn auch nicht in allen Weltregionen gleichermaßen. Es gibt immer mehr und anspruchsvollere Vorschriften, um die Arbeitsbedingungen für Bauarbeiter zu verbessern, und das ist gut so. Mit neuen Technologien können wir auch unsere gesundheits- und sicherheitsrelevanten Systeme weiter verbessern. Machen wir die Direktbefestigung leiser, die Staubabsaugung effektiver oder die Vibrationsübertragung geringer, ist der Anwender besser geschützt und kann zugleich effizienter arbeiten. Weil er beispielsweise mit einem vibrationsarmen Gerät länger arbeiten darf oder dank der Staubabsaugung keine zusätzlichen Schutzvorkehrungen treffen muss. Und wenn wir von Sicherheit sprechen, betrifft das auch die Gebäudenutzung. Die Bauindustrie stellt an uns hohe Anforderungen in Sachen Brandschutz und Erdbebensicherheit. Auch hier forschen wir mit Partnern und können unser internes Knowhow in der Befestigungstechnik und der Chemie-Technologie nutzen. Je besser wir für Gesundheitsschutz und Sicherheit für die Anwender sorgen, umso mehr erfüllen wir den in unserem Leitbild verankerten Anspruch, eine bessere Zukunft zu bauen.

7. Nur wenige Unternehmen sind derzeit so BIM-ready wie Hilti. Sehen Sie eine gewisse Diskrepanz zwischen dem diesbezüglichen Entwicklungsstand Ihres Unternehmens und der Realität am Bau?

Die vollständige digitale Abbildung des gesamten Bauprojekts ist heute oftmals bereits Standard, insbesondere in den USA oder bei großen Bauprojekten. Obwohl BIM noch nicht überall die gleiche Bedeutung hat, führt nichts daran vorbei, weil es die Planung und viele Abläufe effizienter macht und deshalb immer mehr angewendet wird. Aber bis BIM weltweit zu einem generellen Standard wird, ist der Weg noch weit. Wir gehen diesen in engem Kontakt mit der Bauindustrie und können mit unserem Direktvertrieb und unserem Technologieverständnis auf einer soliden Grundlage aufbauen. Schon heute bieten wir Produkte, Software und Services für die Prozessoptimierung, damit effizient und qualitativ hochwertig gebaut werden kann. Wir müssen dafür sorgen, dass wir den Architekten, Planern und Bauunternehmen die richtigen Instrumenten an die Hand geben, damit sie Technologien wie BIM optimal nutzen können – sei es mit digitalen Produktbibliotheken, Software für das Design von Befestigungslösungen oder die Dokumentation von Brandschutzinstallationen.

Haben Sie vielen Dank für das Interview, Herr Doongaji

 


Die Hilti GruppeDie Hilti Gruppe hat 2016 ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert. Gegründet wurde das Unternehmen 1941 von den Brüdern Eugen und Martin Hilti in Schaan in Liechtenstein, wo sich noch heute der Hauptsitz befindet. Hilti beliefert die Bauindustrie weltweit mit technologisch führenden Produkten, Systemen und Serviceleistungen. Diese bieten dem Profi am Bau innovative Lösungen mit überlegenem Mehrwert. Die weltweit mehr als 24 000 Mitarbeitenden in über 120 Ländern begeistern die Kunden und bauen eine bessere Zukunft. Integrität, Mut zur Veränderung, Teamarbeit und hohes Engagement bilden das Fundament der Unternehmenskultur. Die Hilti Gruppe erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von CHF 4,4 Mrd.
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Datum 4. November 2016
Autor momentum
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