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«Kritik ist verstummt» – Dresden und seine Waldschlößchenbrücke

Blick auf die im Bau befindliche Waldschlösschenbrücke über die Elbe in Dresden mit den Stahlträgern der belgischen Firma Victor Buyck Steel Constructions nach Vorgaben des Büros AWB Architekten Architekturbüro Bauer BDA und Bauleistungen der EUROVIA Beton GmbH.

Blick auf die im Bau befindliche Waldschlösschenbrücke über die Elbe in Dresden mit den Stahlträgern der belgischen Firma Victor Buyck Steel Constructions nach Vorgaben des Büros AWB Architekten Architekturbüro Bauer BDA und Bauleistungen der EUROVIA Beton GmbH. (Foto: euroluftbild.de/Grahn (CC-by-sa 3.0/de))

Geliebt und gehasst: Als breites, hellgraues Betonband spannt sich die jüngste Dresdner Elbbrücke über Fluss und Uferauen – an der breitesten Stelle. Kühler Stahl formt sich über dem Wasser zum puristischen Bogen. Nur die massiven Fundamente zeugen von tonnenschwerer Last. Noch sind die vier Spuren auf dem Asphalt, Fußwege und Bushaltestellen verwaist. Aber in gut einer Woche, am 26. August, werden Autos über die Waldschlößchenbrücke rollen, die das Dresdner Elbtal 2009 den UNESCO-Welterbetitel kostete. Viele Dresdner können das kaum erwarten.

Mit dem Wachsen der Brücke schwanden nicht nur öffentliche Proteste, sondern auch Widerstände, und selbst einige Gegner wurden versöhnt. «Ist ja gar nicht so schlimm, sieht doch ganz gut aus», überwiegt bei spontanen Beurteilungen. Das deckt sich mit Umfragen des Dresdner TU-Instituts für Kommunikationswissenschaft, die von einer gewachsenen Zustimmung in der Bevölkerung zeugen – von 67,9 Prozent bei dem entscheidenden Bürgervotum 2005 auf 80 Prozent im Oktober 2012.

Der Streit um das größte Bauprojekt hatte wegen der Blamage bei der Unesco tiefe Gräben in der Stadt gerissen. Deren «Sturheit», die zur ersten Titelaberkennung für eine Kulturerbestätte geführt hatte, wurde nicht nur im Inland kritisiert. Die Welterbehüter sahen die einzigartige Flusslandschaft irreversibel geschädigt und sprachen sich für einen Tunnel aus. Letztlich besänftigte auch eine von der Stadt vorgelegte filigranere Konstruktion nicht.

Massenproteste, Sitzblockaden, Anschläge auf und Besetzungen von Baugeräten machten auch bundesweit Schlagzeilen. Zum Symbol des Widerstands wurde eine 200 Jahre alte Rotbuche, die Natur- und Umweltschützer tagelang vor der Säge bewahrten – bis die im Geäst angeketteten Aktivisten Anfang 2008 von der Polizei heruntergeholt und der Baum gefällt wurden.

Auch Baustoppanträge in Parlamenten und Klagen bei Gericht scheiterten. Zuletzt hatte das Sächsische Oberverwaltungsgericht Ende 2011 die Berufung dreier Naturschutzverbände abgewiesen. Sie sehen den Lebensraum von Tieren und Pflanzen beeinträchtigt. Revision beim Bundesverwaltungsgericht wurde eingereicht. Aber eigentlich glaubt niemand mehr daran, dass das Bauwerk zugunsten eines Tunnels abgerissen wird.

Alle Auflagen zum Naturschutz wurden erfüllt, sagt Stadtentwicklungsbürgermeister Jörn Marx (CDU). Und das, obwohl bisher keine Kleine Hufeisennase aufgetaucht ist. Die seltene und geschützte Tierart musste als Kronzeugin gegen den Brückenbau vor Gericht herhalten. «Fledermäuse gibt es hier an der Elbe ja eine Menge, aber ich kenne keinen, der eine Hufeisennase gesehen hat», sagte Oberbauleiter Hans-Joachim Kummert.

«Kritik ist verstummt», sagt Marx. Nur ein Mal im Monat komme noch ein böser Brief. Immerhin war an dem Standort schon vor über 100 Jahren eine Brücke geplant. «Und jetzt haben wir sie gebaut.» Der für die Unesco überarbeitete Entwurf mit kleineren Widerlagern, flacherem Bogen und schmaleren Füßen habe nichts von dem «Monstrum», das die Kritiker stets zeichneten. «Es ist eine schöne Brücke, die zu Dresden passt.»

Die Stadt hofft auf Entlastung der Infrastruktur, vor allem der anderen Elbbrücken und der Nebenstraßen. «Sie ist für knapp 40 000 Fahrzeuge pro Tag ausgelegt», sagt Marx. Durch Tunnel und sanierte Straßen haben die Anwohner auf nördlicher Seite schon jetzt mehr Ruhe. Der Hang dient Radfahrern, Skatern und Sommerskifahrern als Piste mit richtig Speed. «Im Winter ist das ein super Rodelberg», sagt Bauingenieur Kummert. Und der Brückenkopf eher eine Promenade.

«Die Brücke bietet fantastische Ausblicke, auf Altstadt und Elbhänge», sagt Marx. Und auch auf der städtischen Homepage wird sie schon als Sehenswürdigkeit geführt. Es wäre nicht der erste Dresdner «Zankapfel», der zum Wahrzeichen wird. Auch die Frauenkirche oder die Hängebrücke Blaues Wunder wurden erst abgelehnt, dann kontrovers diskutiert und doch realisiert. «Man muss es nur machen und das Kreuz haben, Widerstände auszuhalten.» Bei Baustellenführungen drängten sich stets Neugierige, auch das fachliche Interesse ist groß, wie Marx erzählt. Er hält das einstige «Ärgernis» gar für hitverdächtig. «Architekturpreis statt Welterbetitel.»

Leserkommentare

  1. Matze | 14. August 2014

    Schlimm für Deutschland ist nur, dass diese wenigen Gegner eine so laute Stimme in den Medien erhalten und für Deutschland auf vielen Gebieten enormen Schaden anrichten können.

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Datum 19. August 2013
Autor Simona Block, dpa
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