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Kunsthalle Mannheim: Auf der Zielgeraden bis zur Eröffnung des Neubaus im Dezember 2017

Blick in den Neubau der Kunsthalle Mannheim.

Blick in den Neubau der Kunsthalle Mannheim. (Foto: Kunsthalle Mannheim)

Auf zum letzten Sprint in einem atemberaubenden und bislang glücklich verlaufenden Marathon: In neun Monaten wird der spektakuläre Neubau der Kunsthalle Mannheim für das Publikum eröffnet.

Ein letztes Mal wird die Stiftung Kunsthalle Mannheim im Rahmen ihrer jährlichen Pressekonferenz über das aktuelle Baugeschehen informieren und den Blick nach vorn richten: auf die Fertigstellung des neuen Museumsgebäudes.

Innenausbau
Der Innenausbau läuft seit Monaten auf Hochtouren. Verschränkt arbeiten die Gewerke Dach-, Estrich- und Putzarbeiten sowie die technische Gebäudeausrüstung (TGA), welche Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro, Gebäudeautomation und Aufzüge umfasst, an der Fertigstellung des Neubaus. Die komplexe  Klimatechnik wird bis Ende Mai 2017 sukzessive installiert. Bis Oktober 2017 werden alle technischen Anlagen (Heizung, Sanitär, Elektro) einreguliert sein.

Im gesamten Erdgeschoss wird bis zum 20. Juni 2017 Estrich in Sichtbeton- Ausführung als Bodenbelag gegossen und abschließend poliert. Der Trockenbau arbeitet verschränkt mit den anderen Gewerken  im ganzen Haus. Im Athene-Trakt, der den Neubau am Friedrichsplatz mit dem Jugendstilbau in der Moltkestraße verbindet, geht der Innenausbau dem Ende zu.

Im Untergeschoss ist bereits die komplette Beleuchtungstechnik finalisiert. In den restlichen Geschossen wird noch mit Baustellenbeleuchtung gearbeitet. In den Galerieräumen für die Wechselausstellungen werden die Lichtdecken eingebaut und aufwändige Deckenfelder montiert. Auch die vier Meter hohen Schiebetüren zu den Ausstellungskuben werden derzeit installiert, die Brandschutz und Sicherheit gewährleisten. Das Tageslichtatrium ist bereits mit einem ersten Maleranstrich versehen worden,  die Galerieräume folgen bis Juni 2017.

Design-Professor Axel Kufus war bereits Ende 2016 mit seinem  fünfköpfigen jungen Team aus Berlin angereist. Im Gepäck hatten sie Dummys der außergewöhnlichen Sitzmöbel, die speziell für das Tageslichtatrium der neuen Kunsthalle Mannheim entworfen wurden. Nach Abstimmung mit der Stiftung vor Ort werden diese nun angefertigt und beziehen dann ihr Quartier im Museumsneubau.

Besondere Sorgfalt erfordert auch die Entwicklung des funktionalen, modernen Besucherleitsystems von der Berliner Firma Moniteurs. Dies entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Team der Kunsthalle Mannheim, das seine detaillierten Kenntnisse über die neuen Räume und die notwendigen Anforderungen einbringt.

Seit Februar 2017 wird der Athene-Trakt für den baulichen und technologischen Anschluss des Jugendstilbaus an den Neubau vorbereitet. Am 23. März 2017 wurde mit Hilfe eines mobilen  Autokrans der Rückkühler vom Interimsstandort an der Tattersallstraße an seinen  finalen Platz unter dem künftigen Spitzdach des Athene- Trakts gehoben, wo er seither, neu verkabelt, die Kälteversorgung des Jugendstilbaus weiter gewährleistet.

Fassade
Auch die Arbeiten an der Fassade sind in vollem Gange. Seit März werden in Düren bei der Firma GKD – Gebr. Kufferath AG die ersten Paneele des filigranen bronzeschimmernden Metallmeshs namens „Tigris“ auf einem vier Meter breiten automatisierten Webstuhl für die neue Kunsthalle Mannheim gefertigt.

Erstmals webt GKD neben 3 mm dünnen Drähten auch 25 mm dicke Rohre in ein solches Architekturgewebe ein. So entsteht eine Fläche von rund 4.600 Quadratmetern, bestehend aus 72 Paneelen, die jeweils rund 22 m lang und 3,26 m breit sind. Das Projekt „Kunsthalle Mannheim“ ist allein aufgrund seiner Ausmaße außergewöhnlich. Entsprechend gleicht die Produktionshalle einem Hangar. Der Bronzefarbton wurde  extra für die Kunsthalle Mannheim entwickelt – sorgfältig abgestimmt auf die Umgebung des Gebäudes.

GKD ist der führende Hersteller von Metallgeweben weltweit. Die technische Weberei – ein Familienunternehmen in der vierten Generation – hat sich auf Gewebe aus Metall, Kunststoffen und Fasern spezialisiert, die in Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie, Medizintechnik, in der Papier- und Holzverarbeitung, in der Nahrungsmittel- und Textilindustrie Einsatz finden. Neben Industriegewebe und Prozessbandgewebe stellt seit 1993 Architekturgewebe den dritten großen Geschäftsbereich dar. Die GKD bestückt seither weltweit Bauwerke mit ihren kreativen Maßanfertigungen darunter die Bibliothèque Nationale de France in Paris und das Schloss Versailles, der Luis Vuitton Flagship Store in Tokio, die Oper in Peking und die American Airlines Arena in Miami.

Die Montage der ersten, frisch gewebten Paneele in Mannheim beginnt Anfang April 2017 an der Fassadenseite in der Roonstraße. Die Installation wird zwei bis drei Wochen dauern. Verzögert hat sich die Installation des Meshs durch das höchst komplexe  Zusammenspiel einer Vielzahl von Gewerken. Die Verschränkung betrifft die Gewerke Stahlunterkonstruktion, die Faser-Zement-Platten und die Fensterfassade (bestehend aus Lochfenstern, Fensterbändern und Pfosten-Riegel- Fassade) sowie den Gerüststand und einen Teilbereich der Außenanlagen. Erst nachdem die Fassadenunterkonstruktion fertig gestellt ist, kann die Firma Schneider jene Vermessungen durchführen, die die Grundlage bilden für die passgenaue
Produktion des bronzefarbenen Metallgewebes.

Im Januar kam es zu einigen  Verzögerungen durch den jahreszeitlich bedingten Kälteeinbruch, da das Abdichten der millimetergenauen Einbauteile der Unterkonstruktion nur bei einer Bauteiltemperatur von mindestens fünf Grad Celsius möglich ist. Daher konnte die Abdichtung der Einbauteile im Januar nicht gemäß Zeitplan erfolgen, was wiederum Auswirkungen auf die nachfolgenden Gewerke hatte. Durch dieses fragile Zusammenspiel der Gewerke und Abhängigkeiten im Fortgang der Bauausführung können  tagesaktuelle Verzögerungen leider nicht vermieden werden. Der Betriebseinzug der Kunsthalle Mannheim im Sommer dieses Jahres und damit die Eröffnung des Neubaus im Dezember 2017 sind durch die baubedingten Verzögerungen der Fassadenmontage jedoch nicht gefährdet.

Blick in das Tageslichtatrium des Neubaus vom ersten Obergeschoss aus.

Blick in das Tageslichtatrium des Neubaus vom ersten Obergeschoss aus. (Foto: Kunsthalle Mannheim)

Die Montage des Meshs wird von der Roonstraße ausgehend über die Fassadenfront am Friedrichsplatz bis zur Tattersallstraße erfolgen  und voraussichtlich bis August 2017 abgeschlossen sein. Die für den endgültigen Eindruck wichtige Beleuchtung der Fassade wird im Anschluss realisiert. Sie kann wegen  der räumlichen Komplexität der Doppelfassadenkonstruktion nicht elektronisch errechnet, sondern muss empirisch ermittelt werden.

Außenanlagen
Die Planung und Realisierung der Außenanlagen inklusive des Skulpturenplatzes in der Moltkestraße von der Stadt Mannheim als Bauherrin  vergeben haben sich verzögert. Die erste öffentliche Ausschreibung unter den Bedingungen des EU- Rechts musste wegen  weit über den Kostenermittlungen liegenden Angeboten aus Gründen der Unwirtschaftlichkeit, die dem Steuerzahler nicht zugemutet werden kann, wiederholt werden. Die Angebote der zweiten Ausschreibung werden momentan in der Verwaltung geprüft. Die Vergabe der Aufträge soll im Mai durchgeführt werden. Unmittelbar danach startet die Realisierung nach Plänen des Landschaftsarchitekten Rainer Schmidt, Berlin, die in drei Phasen  durchgeführt wird.

Ziel ist, bis Ende November  2017 Bauabschnitt 1 (Friedrichsplatz, Tattersall- und Roonstraße) und Bauabschnitt 2 (Grünstreifen bzw. Anlieferung zwischen  den Gebäuden) zu vollenden. Mit der Pflasterung wird voraussichtlich im Juni 2017 begonnen. Als Bodenbelag wurde  ein anthrazitfarbener Pflasterstein gewählt, der den gesamten Gebäudekomplex, einschließlich der öffentlichen Gehwege,  umgeben wird. Die Außenanlagen fassen  den Jugendstilbau und den Neubau zu einer Einheit zusammen, die sich harmonisch in ihre Umgebung am Friedrichsplatz einpassen wird. Am Friedrichsplatz wird eine Art Vorplatz analog  zum gegenüberliegenden Kongresszentrum Rosengarten entstehen, wo eine Außenskulptur des New Yorker Künstlers Dan Graham das Thema Wahrnehmung thematisiert.

Der Skulpturenplatz auf der entwidmeten Moltkestraße steht am Ende der Umsetzung und soll im Frühjahr 2018 zusammen mit den Baumpflanzungen rund um das Gebäudeensemble fertiggestellt werden. Die Open-Air-Galerie überrascht mit Großskulpturen von Norbert Kricke, Nigel Hall, Alf Lechner und Christoph Freimann.

Der Gemeinderat hat 1,461 Mio. € für die Gestaltung der Außenanlagen bewilligt, zusätzlich 419.000 € für die öffentlichen Gehwege.  Das Land Baden-Württemberg hat Städtebaufördermittel in Höhe von 558.000 € zugesagt.

Um auch den Jugendstilbau weitgehend barrierefrei zu gestalten, wird auf der Roonstraßen-Seite in der Ecke Jugendstilbau/ Athene-Trakt bis Herbst 2017 ein Außenaufzug errichtet. Beauftragt wurde  das Mannheimer Architekturbüro Dr. Naumer.  Mit diesem  Aufzug werden 96 Prozent der Besucherflächen des gesamten Museumskomplexes barrierefrei erschlossen.

 

Der Neubau im Überblick

• Der Neubau bietet eine Nutzfläche von insgesamt rund 13.000 m² – was knapp zwei Fußballfeldern gleichkommt. Die Ausstellungsfläche beträgt knapp 5.700 m².

• Der größte Raum ist das mit einem Glasdach überspannte Tageslichtatrium mit ca. 700 m² und 21 m Höhe. Rund um dieses spektakuläre Herz herum gruppieren sich verschieden große Kuben und „Häuser“.

• Insgesamt 13 Galerien – zwischen 250 und 450 m² groß – sind der Kunst gewidmet. Davon stehen 1.000 bis 1.450 m² für Sonderausstellungen zur Verfügung. Neun Galerien und zwei Terrassen sind vor allem der Sammlung gewidmet, die in jährlich wechselnden Konstellationen präsentiert wird. Darunter finden sich feste Räume für den Manet („Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko“, 1868-69), das Schaudepot und die Multimedia- Galerie. Komplettiert werden die vielgestaltigen Ausstellungsflächen durch eine Dachterrasse unter freiem Himmel.

• Im Neubau ist Platz für alle wesentlichen Museumsfunktionen: Neben dem öffentlich nicht zugänglichen Untergeschoss mit Depot- und Technikzonen sind Restaurant, Museumsshop, Kunstanlieferungszone, Garderoben, Toiletten und ein 190 m² großer Veranstaltungsraum zu nennen sowie ein separater Kunstvermittlungskubus und Räume für den Museumsbetrieb wie Verwaltung, Restaurierung und Werkstätten.

• Im Rohbau sind 13.000 m³ Beton und über 2.000 t Baustahl verbaut worden. Ca. 100 verschiedene Gewerke haben bis zur Fertigstellung Hand in Hand gearbeitet.

• Das bronzefarbene Metallgewebe „Tigris“, das die sieben „Ausstellungshäuser“ umhüllen wird, besteht aus 72 Paneelen, die jeweils 3,26 m breit und 20 m hoch sind. Es besteht aus Edelstahldrähten, Röhren und vierkettigem Drahtseil. Die Gewebefläche beträgt 4.600 m².

• Am 15. Dezember 2017 wird der Neubau mit einer überraschenden Neuinszenierung der Sammlung und neuen Künstlerräumen offiziell eröffnet. Bürgerinnen und Bürger sind danach zu einem Wochenende der offenen Tür eingeladen. Die erste große Sonderausstellung mit dem international bekannten Fotografen und Konzeptkünstler Jeff Wall eröffnet im Frühjahr 2018.

 

Interessante Links:

Neubau der Kunsthalle Mannheim der Film

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Datum 7. April 2017
Autor Stiftung Kunsthalle Mannheim
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