momentum magazin für Bauingenieure präsentiert von Ernst & Sohn
Kolumne Falk Jaeger

Nach dem Karneval sorgt der Flughafen BER weiter für Kurzweil

Bauarbeiten am Hauptstadtflughafen gehen weiter

Bauarbeiten am Hauptstadtflughafen gehen weiter (Foto: cirquedesprit )

Hartmut, geh´ du voran!, riefen alle vor zwei Jahren. Nur einer wie Hartmut Mehdorn, unabhängig, furchtlos und rigoros, könne den Sumpf aus Korruption, Schlamperei und Verantwortungslosigkeit beim Großprojekt Flughafen Berlin Brandenburg trocken legen. Aber er verstand sich dann doch nur als Überflieger, ohne große Lust, in den Sumpf hinabzusteigen. Als Vermittler  mit der weißen Fahne zwischen den Schützengräben der sich aufs heftigste beschießenden Firmen Siemens und Bosch über das Schlachtfeld zu stolpern, das wollte er sich auf Dauer nicht antun und verkündete seinen Abflug.

Nun war guter Rat teuer. Sehr teuer, übrigens. Einen Tipp hatte der wohlgelaunte Wowereit von den Bahamas aus noch getwittert. Doch auch diese ultimative  Hoffnung war geschwunden, nachdem sich die Meldung, der von Wowereit empfohlene Chuck Norris löse Mehdorn ab und am Folgetag würde der Flughafen eröffnet, als Web-Ente herausstellte. Chuck Norris hat wegen mangelnder Erfolgsaussichten dann doch kleinlaut gekniffen.

So saßen die Gesellschafter also betrübt im Verwaltungsgebäude der Flughafengesellschaft beieinander. Weitblick über den Horizont hinaus war noch nie ihre Sache gewesen. Auch jetzt schauten sie sinnierend zum Fenster hinaus. Drüben dämmert das Terminal vor sich hin, dahinter das Flugfeld, in der Ferne die noch jungfräuliche Landebahn. Und dort hinter dem Zaun, drei Kilometer südlich, baut Rolls-Royce Airbustriebwerke… Woidke sprang auf, das ist die Lösung! Wer wäre besser geeignet, seines Vorgängers Matthias Platzecks Vision, „den Flughafen bald zum Fliegen zu bringen“ zu verwirklichen, als der Chef des Triebwerksherstellers, der etwas von ordentlichem Schub versteht?

Und so holten Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke den RR-Manager Karsten Mühlenfeld ins Boot. Dass der drei Wochen zuvor erst von der Luft auf die Schiene, zum Zughersteller Bombardier gewechselt war – geschenkt. Nicht der BER soll endlich fliegen, sondern nur die Flugzeuge. Mühlenfeld kann den Flughafen ja auch „auf die Schiene setzen“. Auf Schienen wäre ohnehin besser, so könnte der BER leichter nach Sperenberg verschoben werden, wo er eigentlich hingehört hätte, ohne Nachtflugverbot, ohne Abflugschneisengezänk, mit zukunftsträchtigen Erweiterungsmöglichkeiten.

Mühlenfeld sei einer, „der die harte Kärrnerarbeit“ mache „und dann letztendlich dieses Projekt zum Erfolg führt“, meinte Woidke treuherzig (wie wenn angesichts einer nicht enden wollenden Kette von Desastern noch etwas denkbar wäre, das man „Erfolg“ nennen könnte).

Wie so oft sind die politisch verantwortlichen zuversichtlich, den nun endlich richtigen Griff getan zu haben – wenn auch nicht einhellig. Denn wie zu hören war, hat der Bund als Minderheitsgesellschafter den von Berlin und Brandenburg erkorenen neuen Chef abgelehnt. Aber auch Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hat unerwartet seine Zustimmung verweigert, was wiederum innerhalb der Berliner Koalition vernehmliches Grummeln erzeugt.

Wäre der BER nicht ein Wrack, das es endlich zu heben gilt, könnte man sagen, die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Nach Woidke und Müller quittiert auch Henkel den Dienst im Aufsichtsrat. Für Politiker ist dort offenbar kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Fachleute sollen jetzt nachrücken. Endlich, werden viele seufzen.

Einen Fehlgriff hat derweil der Verein Berliner Kaufleute getan. Der VBKI freut sich, das neue Präsidiumsmitglied Klaus Wowereit in seinen Reihen begrüßen zu dürfen. „Er wird einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung unseres zentralen Ziels leisten: Berlin weiter voranzubringen“, hofft man. Nun, der „Ball der Wirtschaft“ Ende Februar war schon ein Erfolg, davon versteht er ja etwas. Aber irgendwelche Prokura sollte man ihm eher nicht einräumen, das könnte den Verein die Existenz kosten.

Schreibe einen Kommentar…

Datum 4. März 2015
Autor Falk Jaeger
Schlagwörter , ,
Teilen facebook | twitter | Google+