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Interview, Wirtschaft

Offizielle Eröffnung der Gerüstproduktion von PERI in Günzburg

Die PERI GmbH aus Weißenhorn plant weiteres Wachstum in der Sparte Gerüst und schafft die dazu notwendigen Produktionskapazitäten. Da die Erweiterungsmöglichkeiten am Stammwerk in Weißenhorn begrenzt sind, entstand seit Januar 2016 ein neues Werk im benachbarten Günzburg. Das Leitwerk für die PERI UP Gerüsttechnik wurde am 22. September 2017 offiziell eröffnet.

Das Zerschneiden des roten Bandes symbolisierte die offizielle Werkseröffnung. In der Mitte der Gruppe Alexander Schwörer und Christl Schwörer, umrahmt u. a. von den weiteren Geschäftsführern der PERI Gruppe Leonhard Braig und Dr. Fabian Kracht, der Geschäftsleitung von PERI Zentraleuropa sowie dem Geschäftsführer des neuen Produktionswerks.

Das Zerschneiden des roten Bandes symbolisierte die offizielle Werkseröffnung. In der Mitte der Gruppe Alexander Schwörer und Christl Schwörer, umrahmt u. a. von den weiteren Geschäftsführern der PERI Gruppe Leonhard Braig und Dr. Fabian Kracht, der Geschäftsleitung von PERI Zentraleuropa sowie dem Geschäftsführer des neuen Produktionswerks. (Foto: PERI)

In den ersten Jahren nach der Unternehmensgründung im Jahre 1969 fokussierte PERI die Entwicklung von Trägern und Schalungssystemen, schnell jedoch kamen auch Stützen, einfachere Unterstützungssysteme sowie Klettersysteme für die Baubranche hinzu. Das erste Systemgerüst im PERI Portfolio war 1998 das Rahmengerüst PERI UP T 72, es folgten weitere Produkte für verschiedene Anwendungsbereiche der Gerüsttechnik. Für die Zukunft verfolgt die PERI Strategie ein deutliches, nachhaltiges Wachstum für dieses Geschäftsfeld. Ein wichtiges Segment mit großem Potenzial bilden dabei industrielle Gerüstanwendungen, beispielsweise Lösungen für den Anlagenbau in der Verfahrens- und Energietechnik. Zudem bietet die PERI UP Gerüsttechnik vielfältige Anwendungsmöglichkeiten und Nutzenvorteile für das gesamte Bauhandwerk.

Eine notwendige Voraussetzung für dieses Wachstum ist eine hochmoderne, effiziente Gerüstproduktion mit den entsprechenden Kapazitäten. Am Stammsitz in Weißenhorn jedoch sind die vorhandenen Erweiterungsflächen für den erwarteten Ausbau der zentralen Verwaltung sowie der deutschen Vertriebstochter reserviert; außerdem sollen hier Flächen für das Wachstum der Produktion von Schalungssystemen vorgehalten werden. Das in Günzburg erworbene Gelände ist daher für das Unternehmen eine ideale Ergänzung. Vorzüge des neuen Standortes sind einerseits das Angebot an qualifizierten Fachkräften sowie zuverlässigen Lieferanten, andererseits die Nähe zum Standort Weißenhorn und die logistisch gute Lage an der Autobahn A8.

„Der Kauf des Silvergreen-Areals ist für uns ein weiterer, bedeutender Schritt im Rahmen unserer Wachstumsstrategie im Gerüstmarkt. Wir denken langfristig und schaffen mit dem Standort in Günzburg die Rahmenbedingungen für das zukünftige Unternehmenswachstum“, erklärt Leonhard Braig, Geschäftsführer Produkt und Technik bei PERI.

Der Leitwerk-Gedanke: Fabriken in Deutschland als weltweites Vorbild

Im bayerischen Günzburg, direkt an der Autobahn A 8 gelegen, betreibt PERI eine der modernsten Gerüstfabriken weltweit. Die Produktion wurde am 22. September 2017 offiziell eröffnet, die zweite Ausbaustufe startet Ende des Jahres.

Im bayerischen Günzburg, direkt an der Autobahn A 8 gelegen, betreibt PERI eine der modernsten Gerüstfabriken weltweit. Die Produktion wurde am 22. September 2017 offiziell eröffnet, die zweite Ausbaustufe startet Ende des Jahres. (Foto: PERI)

Die Produktionsstätte in Günzburg wird nun zum Leitwerk der Gerüsttechnik des Herstellers entwickelt und ausgebaut, die offizielle Eröffnung erfolgte am 22. September 2017. Wolfgang Göggelmann ist Geschäftsführer des neuen Werks in Günzburg und seit über 20 Jahren bei PERI beschäftigt. „In Günzburg entsteht eine Gerüstfabrik mit modernster Technologie, effizienten Prozessen und hoher Fertigungstiefe. Im weltweiten PERI Produktionsnetzwerk wird diese Fabrik die Technologieführerschaft der Sparte Gerüst übernehmen. Das unterstützen zu dürfen, ist eine spannende Herausforderung.“

„Unser Ziel ist es, unsere Produktionsstätten weltweit zu einem schlagfertigen Netzwerkverbund auszubauen“, ergänzt Leonhard Braig. „Bis dato wurde in Günzburg die sogenannte Ausbaustufe 1 finalisiert. Um für unsere ehrgeizigen Pläne wirklich optimal aufgestellt zu sein sind wir schon seit geraumer Zeit in der Planung, die Fertigungstiefe weiter zu erhöhen“, erklärt Leonhard Braig weiter. Die Erdarbeiten für diese zweite Ausbaustufe, die eine Feuerverzinkerei und eine Metallfertigung umfasst, beginnen Ende 2017.

Hochmodern und effizient

Modernste Schweißverfahren und vollautomatische Roboter sowie die Organisation des gesamten Produktionsprozesses nach sogenannten Wertströmen sorgen für effiziente – und damit wettbewerbsfähige – Produktion.

Modernste Schweißverfahren und vollautomatische Roboter sowie die Organisation des gesamten Produktionsprozesses nach sogenannten Wertströmen sorgen für effiziente – und damit wettbewerbsfähige – Produktion. (Foto: PERI)

Modernstes Fabriklayout, effiziente Anlagentechnik und optimale Prozesse spielen eine entscheidende Rolle für das neue Werk. Die in Günzburg entstandene Produktion zählt zu den effizientesten Gerüstfabriken weltweit, unter anderem sorgen modernste Schweißverfahren und vollautomatische Schweißroboter für eine konstant hohe Qualität der Schweißnähte. Auf höchstem Niveau agiert auch die Qualitätssicherung in Günzburg, die mit hochgenauer Messtechnik ausgestattet ist und so für gleichbleibend hohe Produktionsergebnisse sorgt.

Einen wichtigen Beitrag zur Effizienz des Werks liefert aber auch die Ausrichtung des gesamten Produktionsprozesses nach sogenannten Wertströmen, die sämtliche Material- und Kommunikationsflüsse im Werk optimiert.

Weltweit wachsend – in der Region verwurzelt

Der neue Standort in Günzburg spielt im Rahmen der Unternehmensstrategie eine enorm wichtige Rolle. Nur mit einer hochmodernen, effizienten Produktion kann PERI im weltweiten Marktgeschehen Schritt halten. „Die Investition für die erste und die zweite Ausbaustufe in Günzburg liegt in Summe in einem dreistelligen Millionenbereich. Parallel dazu werden wir auch in Weißenhorn Werk und Verwaltung weiter ausbauen. Die Region ist und bleibt für PERI – auch bei weiter steigender Internationalisierung – die Zentrale für unsere weltweiten Aktivitäten und ein enorm wichtiger Produktionsstandort“, erläutert Alexander Schwörer, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb. Bisher hat das Familienunternehmen in Günzburg 90 Arbeitsplätze geschaffen, nach Abschluss der zweiten Ausbaustufe bietet die PERI Gerüstproduktion etwa 300 Fachkräften einen Arbeitsplatz.

Das PERI UP Gerüst: Innovative Technik mit hoher Sicherheit

Produktvorführungen der PERI UP Gerüsttechnik rundeten das Informationsangebot für PERI Kunden und Interessenten ab.

Produktvorführungen der PERI UP Gerüsttechnik rundeten das Informationsangebot für PERI Kunden und Interessenten ab. (Foto: PERI)

Mit der Entwicklung des Gerüstsystems PERI UP T 72 im Jahr 1998 erschloss sich PERI weitere, neue Kunden. Neben den Bauunternehmen, die Gerüste unter anderem als Traggerüst einsetzen, bietet das Weißenhorner Unternehmen seither auch Lösungen für das Gerüsthandwerk. Mit zusätzlichen Produkten und Systembauteilen entwickelte sich dieser Bereich mehr und mehr zum zweiten Standbein von PERI neben der Schalungstechnik.

Die PERI Gerüsttechnik hebt sich deutlich von Wettbewerbersystemen ab. Insbesondere in puncto Sicherheit überzeugen die Produkte, die unter dem Namen PERI UP im Markt mehr und mehr Bekanntheit weltweit finden.

Mit dem Modulgerüst PERI UP Flex erreicht PERI seit einigen Jahren verstärkt auch Anwender im Anlagenbau, also eine weitere Zielgruppe. Im April 2016 präsentierte PERI auf der Weltleitmesse bauma in München das neuartige Fassadengerüst PERI UP Easy, welches in erster Linie im Handwerk eingesetzt wird. Die erste Resonanz zu der Neuentwicklung ist mehr als positiv, denn die in Weißenhorn entwickelte Technologie setzt einen neuen Standard am Markt – insbesondere in puncto Sicherheit für die Monteure und Nutzer. Mit dem nun verfügbaren Portfolio deckt PERI den gesamten Bedarf des professionellen Gerüstbaus ab.

Das Unternehmen PERI: Seit über 45 Jahren erfolgreich am Markt

Mit einem Umsatz von über 1,3 Mrd. € im Geschäftsjahr 2016 ist PERI international einer der größten Hersteller und Anbieter von Schalungs- und Gerüstsystemen. Seit Gründung im Jahr 1969 sind zentrale Funktionen, Entwicklung und Produktion in Weißenhorn südlich von Ulm angesiedelt. Weltweit bedient das Unternehmen mit rund 8.100 Mitarbeitern, mehr als 70 Tochtergesellschaften und über 130 leistungsfähigen Lagerstandorten seine Kunden mit innovativen Systemgeräten und umfangreichen Serviceleistungen rund um die Schalungs- und Gerüsttechnik. Die große Innovationskraft, die hohe Kompetenz für Ingenieurleistungen und beste Materialqualitäten sichern wirtschaftliche, effiziente und sichere Lösungen für Schalungs- und Gerüstprojekte weltweit.

www.peri.de

 

Wirtschaftlichkeit, Lohnkostenvorteile und Sicherheit
sind keine Widerspruch

7 Fragen an Thomas Imbacher (PERI Geschäftsleitung Zentraleuropa), Ralph Raggl (PERI Vertriebsleitung Gerüst Zentraleuropa) und Bernhard Überle (PERI Geschäftsleitung Deutschland)

1. Mit Blick auf die Entwicklung von PERI UP Easy sprechen Sie von einer gewissen Zwangsläufigkeit auch für die Entwicklung Ihres Unternehmens. Warum?

v.l.nr. Thomas Imbacher, Ralph Raggl, Bernhard Überle

v.l.nr. Thomas Imbacher, Ralph Raggl, Bernhard Überle (Foto: PERI)

Imbacher: PERI ist ein Familienunternehmen mit einer hohen Innovationskraft und einer langfristigen Ausrichtung. Wir sind seit fast 20 Jahren neben dem Schalungsmarkt auch im Gerüstmarkt tätig. Das PERI UP Flex kommt bei unseren Kunden gut an und wir sind damit auf Baustellen bei Industrieanwendungen sehr erfolgreich. In der Fassade waren wir mit unserem Produkt und seinem Markterfolg nicht zufrieden. Also war es Zeit für unsere Kunden ein komplett neues Produkt zu entwickeln. Das PERI UP Easy ist unser neues Gerüstsystem für die Fassade und eine völlige Neuentwicklung. Wir haben es zur Bauma 2016 vorgestellt und jetzt die Zulassung erhalten. Am 22. September eröffneten wir feierlich unser neues Gerüstwerk in Günzburg. Das ist ein hochmodernes Werk und ein Meilenstein in der PERI Geschichte.

2. Die Anforderungen an Flexibilität, Montagetempo, Logistik, auch Kompatibilität mit anderen Systemen nehmen stetig zu. Wie haben Sie mit der Neuentwicklung Ihres Systems darauf reagiert?

Überle: In dem wir PERI UP Easy gemeinsam mit Kunden entwickelt haben. Die klare Botschaft der Gerüstbauprofis war der Wunsch nach einem modernen Produkt, das Lohnkosten spart, sehr flexibel einsetzbar ist und den aktuellen Stand der Technik repräsentiert. Letztlich ist die Entscheidung für ein neues Gerüstsystem für unsere Kunden und auch für uns eine große und langfristige Investition. Die muss auch Zukunftssicher sein.

3. „All in one“ und „Less is more“ sind zwei zentrale Schlagwörter in der Entwicklung von PERI UP Easy. Wie bringt man die beiden Aspekte unter einen Hut?

Raggl: (lacht) Diese Begriffe stehen für zwei wesentliche Produktmerkmale: Zum einen: „Weniger ist mehr“ steht für weniger Gewicht, weniger Teile, einfacher im Handling, gute Logistiklösungen. „All in one“ steht für hohe Flexibilität in der Anwendung. Es ist uns gelungen, die beiden Gerüstwelten Fassade und Raumgerüst zu einem kompatiblen Gerüstbaukasten zu verschmelzen. Alle PERI-Gerüste passen perfekt zusammen.

4. Sie haben bei der Entwicklung des neuen Systems Gewichtseinsparungen zwischen 20 und 30 % realisiert. Wie ist Ihnen das gelungen?

Raggl: Durch den Einsatz hochfester Stähle und durch eine moderne Konstruktion. PERI-Gerüste bestehen an statisch relevanten Stellen aus Vierkantprofilen, die bei weniger Gewicht höhere Lasten aufnehmen. Das Gewicht ist für die Wirtschaftlichkeit sehr wichtig, weil Gerüste immer per Hand bewegt werden. Die Qualität leidet darunter nicht, PERI hat fast 50 Jahre Produktionserfahrung bei der Verarbeitung von Stahlprofilen.

5. Können Sie unseren Lesern den Begriff der „systemintegrierten Sicherheit“ näher erläutern?

Imbacher: PERI UP Easy hat ein vorlaufendes Geländer. Das bedeutet, dass der Gerüstbauer beim Auf- und Abbauen durch ein Geländer geschützt ist. Es sind im Regelfall keine weiteren Schutzmaßnahmen, wie PSAgA oder ähnliches, nötig. Aber auch bei PERI Traggerüsten gibt es systemintegrierte Sicherheit: Das PERI MDS Traggerüstsystem hat für den Auf- und Abbau ein integriertes Sicherheitssystem. Wir sind überzeugt, dass zukunftsfähige Produkte ein hohes Maß an Sicherheit für Gesundheit und Leben bieten müssen.

6. Der Bereich der Dienstleistung in Sachen Gerüstplanung ist ja vielleicht der Bereich schlechthin, um auf dem Markt zu punkten. Wie ist Ihr Unternehmen hier aufgestellt?

Überle: PERI beschäftigt ca. 1.300 Ingenieure und Techniker. Das ist eine unserer Kernkompetenzen. Wir sehen, dass gute Planung und Arbeitsvorbereitung immer wichtiger werden. Davon hängt in vielen Fällen der wirtschaftliche Erfolg des Einsatzes ab. Mit dem Fortschritt von BIM und Lean Management kommt hier eine zusätzliche Dynamik ins Spiel. Es gibt viele tolle Beispiele von erfolgreichen Projekten Dank einer ausgefeilten Planung, speziell auch im Gerüst.

7. Wirtschaftlichkeit, Lohnkostenvorteile für Ihre Kunden und Sicherheit. Warum müssen das aus Ihrer Sicht keine widersprüchlichen Themen sein?

Imbacher: Wir sind der festen Überzeugung, dass es diesen Widerspruch nicht gibt. Die echte Wirtschaftlichkeit eines modernen Produkts zeigt sich im täglichen Einsatz auf der Baustelle, nicht im Kaufpreis. Die erfolgreichsten Produkte aus unserem Hause haben immer einen hohen Kundennutzen. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Arbeitsleistung bei Produkten, die einen hohen Standard in Sicherheit und Ergonomie haben, nicht sinkt, sondern steigt.

Herr Imbacher, Herr Raggl und Herr Überle, haben Sie Dank für dieses Interview

Die Fragen stellte momentum-Redakteur Burkhard Talebitari

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Datum 29. September 2017
Autor PERI / bt
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