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Projekte, Vermischtes

Volksfest in Nimwegen: Einschwimmen der Waalbrücke

Um 9:42 Uhr ist die Brücke bereits fast vollständig gedreht (Foto: Nicolas Janberg/Structurae)

Schon beim Baustellenbesuch vor einigen Wochen, von dem momentum berichtete, war angekündigt worden, das Einschwimmen des Bogens zum Volksfest zu machen. Am Nordufer wurden Parkplätze bereitgestellt, Toilettenhäuschen, eine Fernsehleinwand, Zelte und eine Hüpfburg für die kleineren Brückenfans. Natürlich ist das, was für einen Bauingenieur aufregend ist − und das Einschwimmen eines 285 Meter langen Bogens ist dies sicherlich − nicht unbedingt auch aufregend für einen Laien, aber in dem Fall muss es zumindest beeindruckend genug gewesen sein. Die Stadt Nimwegen zählte nämlich etwa 10.000 Besucher, die sich das Spektakel am Samstag, den 20. April 2013, nicht entgehen lassen wollten.

Der Einschwimmvorgang begann bereits um 7 Uhr morgens. Dazu musste erst die Waal − der südlichste und größte Arm des Rheindeltas − für den Schiffverkehr gesperrt werden. Am Vortag war mittags für die Operation grünes Licht gegeben worden, nachdem die Vorhersagen für Wind und Wasserfluss innerhalb des Toleranzbereichs waren. Die von der Rijkswaterstaat zugesagte Sperrpause war allerdings bis 17:00 begrenzt. Keine leichte Sache, innerhalb von nur 10 Stunden solch einen Stahlbogen zu installieren. Wie bereits berichtet, war der Stabbogen am Nordufer entlang Waal quasi im Trockendock zusammengefügt worden. In Vorbereitung war der Bogen schon auf zwei Pontons gesetzt und über seine endgültige Höhe angehoben worden. Die temporären Unterstützungspunkte konnten wegen des Einschwimmens nicht an den Enden liegen. Stattdessen wurden Gerüsttürme etwa an den Drittelspunkten durch den Fahrbahnträger hindurch bis zum Bogen angesetzt. Den horizontalen Zug in Längsrichtung übernahmen zwei horizontale Spannglieder zwischen den Gerüsttürmen. Ausreichend gesichert, wurde der Bogen quer aus seinem zeitweiligen Hafen herausbugsiert und musste dann um 90 Grad gedreht werden. Die Pontons wurden dabei mit Stahlseilen vom Ufer aus sowohl gesichert als auch bewegt.

10:34 - Das Einschwimmen war ein großes Ereignis, das sich viele nicht entgehen lassen wollten (Foto: Nicolas Janberg/Structurae)

Bereits um 9:30 hatten sich schätzungsweise mehrere Hundert Schaulustige am Nordufer eingefunden, um sich das Spektakel anzuschauen. Die Zahl erhöhte sich über den Vormittag stetig. Laut Angaben der Stadt sollen sich vom Nordufer aus bis zu 5.000 Besucher den Einschwimmvorgang gleichzeitig angesehen haben. Die Baustelle war nur für direkt involviertes Personal geöffnet und weitläufig mit Bauzäunen abgeriegelt. Am Südufer waren im Umkreis der Baustelle mehrere Straßen gesperrt, da dort der Zugang zum Ufer ohnehin schwierig war und die Bebauung sehr dicht ist. Vom Verlagsgebäude der Tageszeitung De Gelderlander war es Pressevertretern und geladenen Gästen jedoch möglich, die Brücke zu beobachten, während sie nur wenige Meter entfernt am Gebäude vorbeischwamm.

Kurz nach Mittag war die Brücke in ihre endgültige Position gebracht, musste jedoch noch in der Höhe abgelassen werden, da sie noch weit über den Pfeilern schwebte. Die letzten Meter waren dabei die zeitlich am Langwierigsten. An den Gerüsttürmen waren keine Pressen vorgesehen, mit denen der Bogen hätte abgelassen werden können. Stattdessen nutzte man dafür die Pontons selbst: Durch Reduzierung des Auftriebs der Schwimmkörper wurde der Bogen schließlich über den Nachmittag hinweg sehr langsam abgelassen. Nach dem Aufsetzten des Bogens auf den Pfeilern konnten die Pontons dann noch weiter abgelassen werden und schließlich die Waal für die Schifffahrt frei machen. Die Sperrpause wurde pünktlich aufgehoben und bereits um 17:30 Uhr unterquerte das erste Schiff die neue Brücke.

11:21 - Alles im Fluss (Foto: Nicolas Janberg/Structurae)

Dieser Samstag in Nimwegen hat bestens gezeigt, dass auch Ingenieurbau eine Stadt begeistern kann. Die hervorragende vorab geleistete Pressearbeit der Stadt und der Arge haben es möglich gemacht, an einem schönen, sonnigen Tag tausende von Menschen heran zu locken, um sich ein spektakuläres Ereignis anzuschauen, an das sich viele noch über Jahrzehnte hinweg erinnern werden. Natürlich ist der Bau der Brücke bei weitem noch nicht vollendet, aber die Ende November vorgesehene Eröffnung wird für die Stadt sicherlich ein historisches Ereignis, da mit der Brücke überhaupt erst ein ganzer neuer Stadtteil erschlossen wird.

Das Projekt ist auch ein besonderes Beispiel bestens gelungener europäischer Zusammenarbeit: Der Entwurf stammt von Laurent Ney (Belgien) und Chris Poulissen (Niederlande), die Arge besteht aus BAM Civiel (Niederlande) und Max Bögl (Deutschland); das Einschwimmen wurde von Sarens (Belgien) durchgeführt.

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Vollständige Bildergalerie vom 20.4.2013

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Datum 21. April 2013
Autor Nicolas Janberg
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