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Bauwerksgeburtstag

10 Jahre 4. Röhre des Elbtunnels

Schon zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Hamburg Überlegungen, die Elbe zu untertunneln. Stetig wachsender Güter- und Personenverkehr wurde oft mit Fähren transportiert oder über große Umwege mit Brücken. Schon 1872 wurden erste Vorschläge für einen Elbtunnel gemacht, wurden jedoch abgelehnt. Erst am 7. November 1906 genehmigte der Hamburger Senat den ersten Elbtunnel, der am 7. September 1911 schließlich eröffnet wurde. Heute ist dieser Tunnel als “Alter Elbtunnel” oder “St. Pauli-Elbtunnel” bekannt und wurde an seinem 100. Geburtstag letztes Jahr von der Bundesingenieurkammer als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ausgezeichnet.

Die Sturmflut von 1962 zeigte die Notwendigkeit einer weiteren Verbindung der beiden Elbufer auf. 1966 wurde schließlich grünes Licht für den “neuen” Elbtunnel gegeben, doch bis zu Beginn der Bauarbeiten vergingen noch weitere zweieinhalb Jahre. Am 20.6.1968 wurde mit dem ersten Rammschlag das Projekt dann begonnen. Die drei vorgesehenen Tunnelröhren wurden teils als Absenkkästen bestehend aus acht 132 m langen Betonkästen von jeweils 46.000 Tonnen, teils im Schildvortrieb hergestellt. Über 40,000 Interessierte aus aller Welt informierten sich im Besucherzentrum über die Baustelle bis zur Fertigstellung in 1974. Zur Sicherheit der Autofahrer wurde gleichzeitig eine Tunnelbetriebszentrale eingerichtet, in der 16 Polizisten im Schichtbetrieb den Verkehr im Tunnel überwachen und leiten.

Schon kurz nach Inbetriebnahme der ersten drei Tunnelröhren wurde das Phänomen der “Kachelzähler” im Tunnel bekannt. Oftmals wurden Staus nur durch langsamer werdende Autofahrer ausgelöst, die aufgrund der Geometrie, Phobien oder anderer psychologischen Faktoren nicht dem Verkehrsaufkommen angepasst fuhren und insbesondere am Scheitelpunkt des Tunnels immer langsamer wurden und quasi die Kacheln im Tunnel zählten. Anfangs wurden noch versucht mit Durchsagen, diese Fahrer zum Beschleunigen aufzufordern. Da dies aber meist mit einem weiteren Abbremsen während des Zuhörens einher ging, wurden solche Aufrufe schnell wieder aufgegeben.

Vortriebsmaschine für die 4. Röhre des Elbtunnels (Herrenknecht AG)

Mit gesteigertem Verkehrsaufkommen wurde der Ruf nach einer Erhöhung der Kapazität des Tunnels laut, sodass der Senat schon 1982 eine 4. Tunnelröhre beantragte. Der Planfeststellung am 16. August 1990 folgte der Beschluss des Bundestags zur Privatfinanzierung der vierten Röhre am 15. Juli 1992. Trotzdem konnte wegen verschiedener Einwände und politischer Koalitionsfragen der Bau erst 1995 beginnen. Für den Vortrieb wurde von der Firma Herrenknecht die damals größte Schildvortriebsmaschine mit 14,2 m Durchmesser geliefert, die im Oktober 1997 mit dem Vortrieb begann. Die Schildmaschine wurde auf den Namen TRUDE getauft, der als Abkürzung steht für “Tief runter unter die Elbe”.

Vortrieb der 4. Röhre des Elbtunnels (Herrenknecht AG)

Keine drei Jahre, 11.520 Tübbinge und 2.561 m später, am 2. März 2000 wurde mit einer Durchstichfeier das Ende des Vortriebs markiert. Die weiteren notwendigen Baumaßnahmen, Einbau der Tunnelausrüstung und Umstellung der Verkehrsführung erlaubten dann die Eröffnung vierten Röhre des Elbtunnels vor zehn Jahren am 28. Oktober 2002 mit insgesamt 4,4 km Länge. Anschließend wurden die ersten drei Tunnelröhren Schritt für Schritt für den Verkehr mit vier parallelen Röhren umgerüstet, sodass erst am 19. Mai 2004 zum ersten Mal alle vier Röhren gleichzeitig für den Verkehr geöffnet werden konnten.

Datum 26. Oktober 2012
Autor Nicolas Janberg
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