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Wettbewerbe

„BUND-­Forschungspreis 2020“ in der Kategorie Dissertation verliehen

Dr.-Ing. Kirsten David, HafenCity Universität (HCU) Hamburg, Fachgebiete „Entwurf und Analyse von Tragwerken“ (Prof. Dr.-Ing. Annette Bögle) und „Bauökonomie“ (Prof. Dipl.-Ing. Reinhold Johrendt) hat für ihre Dissertation mit dem Titel „Funktionales Kostensplitting zur Ermittlung von Mieterhöhungen nach ener­getischen Maßnahmen“ den „BUND-­Forschungspreis 2020“ in der Kategorie Dissertation erhalten. Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden im Rahmen einer virtuellen Wissenschaftskonferenz am 26.Oktober gewürdigt.

Kirsten David entwickelte eine innova­tive Methode zur Ermittlung von Mieterhöhungen nach energetischen Maßnahmen: mittels Funktionalen Kostensplittings werden Mieterhöhungen sachgerecht und nachvollziehbar. Auch die Planung der energetischen Maßnahmen wird ökologisch optimiert. Mieterhöhungen aufgrund von energetischen Gebäudemodernisierungen sind rechtlich zulässig und als Investitionsanreiz politisch gewollt. Etwa 35 % des gesamten deutschen Energieverbrauchs gehen laut Deutscher Energie-Agentur (dena) auf das Konto des Gebäudesektors. Eine Erhöhung der Sanierungsquote ist also aus klimapolitischer Sicht geboten. Während jedoch der Gesetzgeber davon ausgeht, dass entsprechende Maßnahmen sich zugleich wirtschaftlich und warmmietenneutral umsetzen lassen, ist die Erfahrung vieler Mieter eine andere: Oftmals übersteigen die Mieterhöhungen die eingesparten Heiz- und Energiekosten um ein Vielfaches und im ­Extremfall können sich Mieter ihre Wohnung nicht mehr leisten. „Die energetische Gebäudesanierung hat bis heute den Ruf eines Gentrifizierungstools“, so David. Mit der von ihr entwickelten Methode zur Ermittlung sachgerechter Mieterhöhungen will sie zu einer er­höhten gesellschaftlichen Akzeptanz entsprechender Maßnahmen beitragen. Grundlage der politisch erwarteten ­Erhöhungsbeträge ist das sogenannte Kopplungsprinzip; dieses geht wie die Energieeinsparverordnung davon aus, dass energieeffizienzsteigernde Maßnahmen immer dann umgesetzt werden, wenn ohnehin eine umfassende Sanierung ansteht. Der Knackpunkt: Nur die Modernisierungskosten berechtigen zu Mieterhöhungen, nicht aber die Kosten für die Sanierung. Letztere müssen als „Sowieso-Kosten“ von der Gesamt­investitionssumme abgezogen werden und 8 % der verbleibenden Kosten ­können als Modernisierungsumlage an die ­Mieter weitergegeben werden.

In der Praxis gibt es vielfältige Abgrenzungsprobleme zwischen mieterhöhungsrelevanten Modernisierungs- und nicht mieterhöhungsrelevanten Erhaltungskosten. Die nun entwickelte Methode fasst hingegen die klimarelevante Verbesserung jedes einzelnen Bauteils im Vergleich zu seinem Zustand vor der Baumaßnahme ins Auge. Ein funktionales Kostensplitting entspricht somit der eigentlichen Grundidee des Gesetzgebers, ist praxistauglich und ermöglicht eine sachgerechte und nachvollziehbare Zuordnung in Modernisierungs- oder Sanierungskosten. Der Ansatz hilft ­dabei, dass bautechnisch unsinnige Maßnahmen unterbleiben können, die keine klimarelevante Verbesserung der Bauteile mit sich bringen. Solche Maßnahmen sind somit nicht mieterhöhungsrelevant und für Vermieter un­wirtschaftlich. Darüber hinaus sorgt die Berechnungsmethode dafür, dass sich die Modernisierungsumlage in der Regel tatsächlich dem Niveau der Neben­kosteneinsparung annähert.

Der Transfer in die Praxis ist nun ein wichtiges Anliegen. Nächstes Ziel ist es, das Funktionale Kostensplitting zu ­einem auch für Laien verständlichen ­Instrument weiterzuentwickeln – am ­besten als Online-Tool.

Die Doktorarbeit von Kirsten David wurde von Prof. Dipl.-Ing. Reinhold Johrendt und Prof. Dr.-Ing. Thomas Krüger betreut und ist frei verfügbar: https://edoc.sub.uni-hamburg.de//hcu/volltexte/2019/508/.

Die weiteren Gewinner des BUND-­Forschungspreises im Jahr 2020 sind:

Preisträgerin Bachelor

Anna Glindemann „Suffizientes Ver­halten planerisch fördern“

Preisträger Master

Thilo Wellman “Modelling the distribution of 44 urban bird species using Earth observation based plant trait indicators and machine learning”

Preisträger Master

Lisa Kolde „Die Governance des „Gerechten Strukturwandels“ – Empirische Untersuchung im Rheinischen Braunkohlerevier und Konzeptualisierung“

Mit dem Forschungspreis würdigt der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) wissenschaftliche Arbeiten zur nachhaltigen Entwicklung. Damit will der BUND herausragende Leistungen anerkennen und insgesamt zu einer ­stärkeren Ausrichtung des Wissenschaftssystems an den großen gesellschaftlichen Herausforderungen bei­tragen. Es sollen auch wertvolle Grundlagen für praktische Natur- und Umweltschutzaktivitäten des Verbandes gelegt und gefördert werden. Der Preis wird jährlich in den drei Kategorien Bachelorarbeit, Masterarbeit, Dissertation vergeben. Besonders erwünscht sind ­interdisziplinär angelegte Arbeiten, mit denen ein Bezug zu den Aktivitäten des BUND hergestellt werden kann. Berücksichtigung finden alle an einer deutschen Hochschule oder Forschungseinrichtung erstellten Arbeiten in deutscher oder englischer Sprache.

Weitere Informationen: www.funktionales-kostensplitting.de

Bewerbungsschluss für den BUND-Forschungspreis 2021 ist der 15. Januar 2021. Hier geht es zur Bewerbung.

 

 

 

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Datum 11. Januar 2021
Autor Bauphysik 6/2020 aktuell
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