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Ingenieurbau-Preis, Ingenieurbaukunst

Die Kienlesbergbrücke von Ulm: Bravissimo für die Einladung

Es ist schon ein paar Jahre her. „Kienlesbergbrücke“ sagte mir noch nichts. Nach einem Termin in Ulm fuhr ich die B10 stadtauswärts in Richtung Autobahn, als ich rechterhand, fast orthogonal zur Bundesstraße bergaufwärts eine langgezogene Brückenbaustelle sah. Ich war neugierig geworden, ja fühlte mich eingeladen und schaute zurück im Büro rasch nach: Es war die Kienlesbergbrücke von Ulm.

Die Kienlesbergbrücke von Ulm

Die Kienlesbergbrücke von Ulm mit Blick vom Münster. (Foto: H. Martin)

All die Gedanken und Lösungen zur Einbindung in die lebhafte Stadtlandschaft, zu Entwurf und Tragwerksplanung von Knight Architects und KREBS+KIEFER, zur Montageplanung durch Klähne Bung oder zur Fertigung und Montage durch SEH Engineering waren bald in Bautechnik, Stahlbau oder Steel Construction en détail nachzulesen. Dann folgten die ersten Preise, darunter die Auszeichnung zum Ernst & Sohn Ingenieurbaupreis 2019, welche ich mit den oben genannten feiern durfte. All das ging einher mit vielen lobenden Worten und fein formulierten Laudationes, an denen ich mich auch beteiligt habe.

Nun hat also diese Kienlesbergbrücke von Ulm, welche sich vor Jahren schon mit einem einfachen Seitenblick in meine Erinnerung hatte einladen lassen, die höchste Auszeichnung für Ingenieurbauleistungen in diesem Lande gewonnen, den vom Bundesbauministerium und der Bundesingenieurkammer gemeinsam getragenen Deutschen Ingenieurbaupreis 2020. Das Schöne und das Leichte erfordern Wissen und harte Arbeit. Für den Ingenieur ist das selbsterklärend, der deshalb oft schweigt und genießt. Der Preis ist darum überaus verdient bei all den dokumentierten technischen und planerischen Höchstleistungen. Was mich jedoch am meisten begeistert, sind die Bilder von den Menschen, die ihre Brücke in Besitz nehmen, diese geschwind überqueren, die schlendern oder verweilen und plaudern. Am Ende arbeiten wir für die Menschen, für die Nutzer unserer Bauwerke. Deren Zustimmung, deren sich-eingeladen-fühlen sei damit die höchste Währung für Erfolg.

Die Kienlesbergbrücke von Ulm

Bild 2: Die Kienlesbergbrücke von Ulm ist eine einzige Einladung: Bravissimo (Foto: W. Dechau)

Es war Martin Knight, der in der Bautechnik festhielt, dass der langfristige Erfolg von der Beziehung zwischen Mensch und Bauwerk abhinge. Wie richtig! Und das Werden von der Beziehung zwischen den Menschen, die dieses Bauwerk schaffen, möchte ich hinzufügen. Wer Jan Akkermann und Bart Halaczek, Ingenieur und Architekt, beim 1. Symposium IngD4C.org im November 2019 in Stuttgart als Team hat vortragen hören, der weiß was gemeint ist. Wer Uwe Heiland und Thomas Klähne, Stahlbauer und Montagestatiker, nach dem Ernst & Sohn Ingenieurbaupreis im Februar 2019 im Wirtshaus in der Au in München hat freundschaftlich beisammen hocken sehen, der ahnt was den Unterschied ausmacht. Teamarbeit, gegenseitige Anerkennung und die Einladung, mit den jeweils inhärenten Fähigkeiten, zum Erfolg beizutragen.

Diese Kienlesbergbrücke von Ulm ist eine einzige Einladung zur Teamarbeit, zur Einprägung und Ortsbestimmung, zur Nutzung. So rufe ich allen genannten und nicht genannten Beteiligten von Herzen zu: Bravissimi!

 

Bernhard Hauke & Dirk Jesse

Dr. Bernhard Hauke ist Editorial Director des Verlages Ernst & Sohn sowie Chefredakteur der Fachzeitschriften Stahlbau und Steel Construction.
Dr.-Ing. Dirk Jesse ist Chefredakteur der Fachzeitschrift Bautechnik sowie Mastermind des Ernst & Sohn Ingenieurbaupreises.

Im aktuellen Buch der Bundesingenieurkammer Ingenieurbaukunst – Engineering Made in Germany ist ein bilingualer Beitrag zur Kienlesbergbrücke von Ulm zu finden:
www.ernst-und-sohn.de/ingenieurbaukunst-engineering-made-in-germany

 

Cover Ingenieurbaukunst 2021

Ingenieurbaukunst 2021

 

Ernst & Sohn hat Planung und Bau der Kienlesbergbrücke in Ulm begleitet. Hier finden Sie alle im Verlag publizierten Fachartikel:
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