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BIM - Building Information Modeling

Digitales Planen und Bauen: Open BIM oder Closed BIM?

Prof. S. Brell-Cokcan von der RWTH Aachen.

Prof. S. Brell-Cokcan von der RWTH Aachen. (Foto: bauforumstahl )

Die gemeinsam von bauforumstahl und dem Verlag Ernst & Sohn initiierte Veranstaltung „Digitales Planen und Bauen – BIM und Industrie 4.0 im Stahlbau“ am 27. März wurde von der Fachwelt sehr gut angenommen.

Neben den Vorträgen zum digitalen Planen und Bauen war die Veranstaltung in Frankfurt auch ein Forum für einen intensiven Dialog zwischen Fachpublikum und Vortragenden. Insbesondere die Frage „Open BIM oder Closed BIM?“ führte zum regen Austausch.

Open BIM bezeichnet den offenen modellbasierten Datenaustausch, also den Austausch digitaler Informationen unterschiedlicher Disziplinen und Fachmodelle, die mit Programmen jeweils anderer Anbieter erstellt wurden und „Closed BIM“ beschreibt das Arbeiten aller Planer mit der gleichen Softwarelösung an einem Projekt.

„Der Stahlbau macht vieles schon lange richtig.“ Dr. Bernhard Hauke, der Geschäftsführer von bauforumstahl, der die Tagung in Frankfurt moderierte, rückte die bereits seit den Neunzigern praktizierte Digitalisierung des Stahlbaues, insbesondere im Industriebau, gleich zu Beginn in den Fokus. „Der Austausch zwischen Statik- und CAD-Programmen begann bereits 1992 und wurde mit der Produktschnittstelle Stahlbau ab 1998 weiterentwickelt. Planungstools mit objektorientierten 3D Elementen kommen seit über einer Dekade auch im anspruchsvolleren Stahlbau schon zur Anwendung.“ Es gehe nicht mehr um die Digitalisierung von Einzelthemen, sondern um die gesamte Wertschöpfungskette und alle Fachdisziplinen. Dabei brauche es eine übergreifende strategische Planung, die gerade bei langjährigen Projekten auch auf Veränderungen eingeht und – last but not least – ganzheitliche Methoden wie BIM.

Ausgehend von dem Praxisvortrag zu BIM-Abläufen von Prof. Christina Maaß von IQ Real Estate, sowie einem Erfahrungsbericht aus der Tragwerksplanung durch das Ingenieurbüro Leonhardt Ändra und Partner, wurde lebhaft diskutiert, dass geschlossene Softwarelösungen nicht alle erforderlichen Digitalisierungsaspekte abdecken könnten und insgesamt eine wettbewerbliche Softwareanbieterstruktur wünschenswert sei. Somit blieben Nutzung und Weiterentwicklung von Austauschformaten wie IFC oder BCF wichtige Themen für die nahe Zukunft.

Auch als zukunftsweisend empfanden viele Teilnehmer die Beiträge zur automatisierten Fertigung mit Robotern, die zum Teil heute schon im Stahlbau eingesetzt werden. Sowohl Prof. Brell-Cokcan von der RWTH Aachen, als auch der niederländische Hersteller Kranendonk zeigten auf, wie die Entwicklung hin zu einer individualisierten Produktion weitergehen kann. „Wir müssen Roboter als Hilfskräfte einsetzen“, war ihr Fazit. Gerade die Baubranche, die teilweise unter Fachkräftemangel leide, profitiere davon.

Auch Rechtsthemen und Abrechnungsfragen wurden beleuchtet. „Die HOAI ist methodenneutral und geltendes Preisrecht“ fasste Rechtsanwalt Jörg L. Bodden aus der Kanzlei Kapellmann und Partner zusammen. Leistungen würden auch mit der BIM Methode weiterhin bezahlt werden, teilweise würden aber diese in Zukunft zu einem früheren Zeitpunkt erbracht und vergütet als bisher.

Die Tagung zum Digitales Planen und Bauen findet im März 2018 wieder statt und wird Themen wie Schnittstellen für Open BIM und die Rolle von mittelständischen Stahlbauern weiter vertiefen.

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Datum 5. April 2017
Autor bauforumstahl e.V.
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