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Kolumne Falk Jaeger

Falk Jaeger hält Lufttaxis für Unsinn

Autonom in den Luftstau

Ja, das könnten wir echt gebrauchen: Lilium ermöglicht „eine Vergrößerung des Lebensradius um das Fünffache“, schreiben die Startupper des Münchner Unternehmens, die den „weltweit ersten elektrisch angetriebenen Senkrechtstarter“ entwickeln. Ein Lufttaxi, mit dem man froh gelaunt über alle Verkehrsstaus hinwegflitzen kann. Und damit könne man, so die Angaben, fünf Mal so schnell reisen.

Also rasch die App aufgerufen und ein Lilium geordert. Dann schnell zum Landeplatz – vielleicht umweltfreundlich mit dem Fahrrad? Denn der ist nicht gerade um die Ecke, weil Lidl sich weigerte, seinen Parkplatz zu opfern. Dann verschwitzt ins Lufttaxi gestiegen und los kann´s gehen – sofern die Flugsicherung den Luftraum frei gegeben hat. Denn die hat es mittlerweile mit Hunderten zusätzlicher Luftraumnutzer zu tun, und die Sicherheitsabstände, nun ja, müssen in der Luft etwas größer sein als im Verkehrsstau auf der Straße. Doch irgendwie geht es weiter, autonom natürlich – bis, ja bis der Flieger plötzlich außerplanmäßig auf einem Sportplatz niedergeht. Denn hin und wieder ist das Funknetz mit den Unmengen von Daten überlastet, die beim autonomen Fliegen durch die Lüfte schwirren. Und wenn der Flieger offline ist, wird er zwangsgelandet.

Auch Airbus hat ein paar Entwicklungsingenieure von der Leine gelassen. Sie haben sich das „Lufttaxi-System Pop.Up“ ausgedacht, ein Käpselchen, das von einem Quadrocopter aufgegriffen wird wie das Kaninchen vom Bussard und am Bestimmungsort wieder auf ein Wägelchen abgesetzt wird, um dann noch mit Tempo 100 von B nach C autonom weiterzufahren. Nach getaner Arbeit suchen Wägelchen und Kopter wie mein Rasenmäher eine Parkstation auf und werden neu geladen. Einige Kleinigkeiten müssen noch geklärt werden. Etwa wie die am Straßenverkehr teilnehmenden Leichtbaukäpselchen die obligatorischen Crashtests überstehen können. Oder wie es zu der notwendigen Infrastruktur kommt, die das System flächentauglich macht. Und wie die Luftraumüberwachung funktionieren soll (s.o.). Mit 5G und Vernetzung aller Fluggeräte, hören wir einen gewissen Alexander Zosel sagen, der auf der Cebit einen „Volocopter“ vorstellte. Präzisere Angaben konnte er nicht machen. Und: Es werde wohl noch zehn Jahre dauern.

Die Pop.Up-Käpselchen wiederum sollen auch in einen Hyperloop gepackt werden können, um mit Überschall von C nach X weiterzureisen. Aber warum der Aufwand mit der ganzen Kapsel, fragt man sich, ist den Leuten nicht mehr zuzumuten, einfach mal umzusteigen?
Wahrscheinlich wird es sinnvoll sein, für die solcherart gepamperten Luxuspassagiere bei der Infrastrukturausstattung des Mobilitätssystems auch an deren persönliche Mobilität zu denken und an den Terminals die Fitness-Studios bzw. Rehakliniken gleich mit zu planen.

Drone

Drohne (Volocopter)

Personendrohnen sind nichts anderes als Hubschrauber, mit all den Problemen und Einschränkungen dieses Verkehrsträgers, vor allem in Ballungsräumen. Wenn sie elektrisch fliegen, mag das manche Vorteile haben. Zum Massentransportsystem werden sie wohl nie werden. Wenn der Taxiflug ähnlich viel kostet wie ein Bodentaxi, wie es die Lilium-Leute versprechen, wäre das System schnell überbucht und man hätte die Staus nicht nur am Boden. Doch handelt es sich wohl um eine unrealistisch geschönte Nettorechnung ohne Gemeinkosten. Lufttaxis werden kaum billiger werden als derzeit Hubschrauberflüge. Dafür könne man dann zum Beispiel, elektronisch eingecheckt, direkt auf dem Flugfeld landen und gleich ins Flugzeug steigen, verspricht Volocopter-Zosel. Die Flughafenmanager, -sicherheitsleute und Flugüberwacher freuen sich schon über die neuen Herausforderungen.

Sehen wir es so: Eine aufwändige Infrastruktur aufzubauen, damit irgendwelche CEOs hier und da eine Stunde Reisezeit sparen, kann nicht Aufgabe der Öffentlichkeit sein. Die Volocopter- und Lilium-Jungs sind gut beraten, sich schleunigst von irgendwelchen Scheichs oder Chinesen aufkaufen zu lassen, solange ihre Visionen noch nicht entzaubert sind. Nicht jeder Startup ist erfolgreich, und Airbus sollte seine Ingenieure auf vernünftigere Projekte ansetzen.

Leserkommentare

  1. Eduardo Garces Hernandez | 11. Juli 2018

    Super Artikel. Danke

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Datum 6. Juli 2018
Autor Falk Jaeger
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