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Kolumne Falk Jaeger

Falk Jaeger wird der Bauhaus-Hype langsam suspekt

Bauhaus und kein Ende

Das Bauhaus wird 100 und alle sind dabei. Die Rede ist von der Architekturschule in Weimar, später Dessau, später Berlin, nicht von der gleichnamigen Baumarktkette. Die hält sich erstaunlich zurück. Kein Hinweis auf das Jubeljahr des berühmten Namensgebers, keine Lust auf neue Auflagen des Namensrechte-Konflikts. Dass der gelernte Glaser und spätere Milliardär Hans Georg Baus 1960, als er im väterlichen Schreinereibetrieb in Mannheim den ersten Heimwerkermarkt gründete, bei der Namensgebung überhaupt an das damals fast vergessene Weimar-Dessauer Bauhaus dachte, ist eher unwahrscheinlich.

Bauhaus Museum Weimar

Bauhaus Museum Weimar (Foto: Christine Engelmann)

Mittlerweile ist der kulturhistorische Schatz Bauhaus gehoben und längst zum Mythos hochstilisiert, wird das 100-Jährige dem Zeitphänomen Festivalisierung entsprechend zum Jubeljahr aufgebauscht. In Weimar gab es gar einen „Bauhaus-Marathon“ mit 2400 Teilnehmern. Bei den kulturellen Zwischenstopps an den Bauhaus-Orten mit Führungen und Performances wurde jeweils die Laufzeit angehalten.
Alles was bis 1933 gebaut wurde und ein Flachdach hat, ist plötzlich Bauhaus. Die Schau „bauhaus imaginista“ in Berlin feiert das Bauhaus als „globalen Resonanzraum und kosmopolitisches Projekt“. In Frankfurt, Hagen, Braunschweig, Hamburg, Düsseldorf u.a. gibt es lokale Bauhaus-Ausstellungen ohne Anlass und Bezüge. Architekten wie Emil Fahrenkamp, Erich Mendelsohn, Hans Scharoun oder, Ernst May, die das Bauhaus höchstens besuchsweise kannten, werden in Beschlag genommen.
Das Jubeljahr geht auch vorbei, könnte man denken und sich beruhigt zurücklehnen. 2020 wird man das Jahr über beschäftigt sein, 500 Jahre Raffael zu feiern, oder 300 Jahre Baron Münchhausen oder 100 Jahre Fritz Walter.
Aber manches wird auch bleiben, neue Ausstellungshäuser zum Beispiel, gleich drei Stück an der Zahl. Pünktlich zum Jubiläumszeitpunkt war man nur in Weimar, wo das von außen etwas mesopotamisch wirkende, innen räumlich erlebnisreiche Bauhaus Museum Anfang April eingeweiht wurde. Das Bauhaus Museum Dessau soll am 8. September eröffnen. Verbummelt hat man das Jubeljahr in Berlin, wo das neue Bauhaus-Archiv bis 2022 auf sich warten lässt. Die Meldung über ein viertes Museum in der rekonstruierten ehemaligen Telefonfabrik in Berlin-Lankwitz, wo Mies van der Rohe 1933 ein halbes Jahr versucht hatte, die Schule am Leben zu erhalten, erwies sich zum Glück als Aprilscherz.

Hannes Meyer, Ehem. ADGB-Bundesschule Bernau, Festsaal

Hannes Meyer, Ehem. ADGB-Bundesschule Bernau, Festsaal (Foto: Brenne-Architekten.de)

Doch was ist in den neuen Häusern Spektakuläres zu sehen? Die Ideengeschichte der Gropius-Gründung ist seit der großen Bauhaus-Ausstellung 1968 in Stuttgart, die als Initialzündung wirkte, hinlänglich erforscht, publiziert und präsentiert worden. Die Sammlungen originaler Erzeugnisse der Schule sind endlich und nicht eben von durchgängig hoher Qualität, sodass wiederholt die sattsam bekannten Highlights gezeigt werden Für drei Häuser wird das auf Dauer zu wenig Substanz sein.
Wie also können die drei Museen ihr jeweils eigenständiges Profil finden? Dauerausstellungen zur Unterrichtung nachwachsender Generationen von Interessenten sind notwendig, aber wie sehen die Wechselausstellungen aus? Mittlerweile sind ja schon die zweit- und drittrangigen Bauhäusler, deren Werke man habhaft werden konnte, mit Einzelausstellungen gewürdigt worden, das kann kein Publikum mehr ziehen. Man wird sich wohl künftig verstärkt mit der Rezeptions- und Wirkungsgeschichte auseinandersetzen.

ADGB Bundesschule Bernau, Treppenhausfenster

ADGB Bundesschule Bernau, Treppenhausfenster (Foto: Brenne-Architekten.de)

Vielleicht auch mit dem bislang merkwürdig unterbelichteten Aspekt der Bautechnik. Wie waren die Villen und die vorfabrizierten Häuser konstruiert, wie die Serienbaustellen organisiert? Welche neuen Bau- und Dämmstoffe wurden wie eingesetzt? Als 2001-09 Brenne Architekten die Gewerkschaftsschule in Bernau zu sanieren hatten, fanden Sie die Bauten bis in zahlreiche Originaldetails in sehr gutem Erhaltungszustand. Bauhausdirektor Hannes Meyer war offenbar nicht nur politisch denkender Organisator und Agitator, sondern auch ein hervorragender Konstrukteur. Das Bauhaus als Motor neuartiger Bautechnik, damit könnte man punkten. Dazu bedarf es freilich auch der Unterstützung der das Bauhauserbe verwaltenden Kunsthistoriker und Architekturtheoretiker durch Baukonstrukteure und Ingenieure.

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Datum 1. Mai 2019
Autor Falk Jaeger
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