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Im Ernst

Fixe Möbel

Es ist irgendwie immer aus dem FF: Auf Fast Food verzichten wir ja nun nicht erst seit gestern, Fast Fashion ist auch kein Dernier Cri mehr und selbst bei Fast Furniture kann man sich diesbezüglich nicht sicher sein. „Schneller wohnen“ genannte Pappmöbel werden auch nicht erst seit gestern, äh, vertrieben. Doch genau das sollen schnelle Möbel ja nicht werden, sondern: „Kulturkonfekt“. So jedenfalls lautet der nicht undrollige Bachelorarbeits-Titel einer gewissen Eileen Krüger (siehe baunetz – interior design vom 26.11.), die Möbel für die Ladefläche eines Kombis designt hat. Tisch, Stuhl, Regal und Bett – in dieser Reihenfolge und selbstverständlich in frischen Formen, zerleg- und zusammenömmelbar im Kombi-Kofferraum der Vielumzieher:innen. Und für eine zusammengerollte Matratze, Bücher (hä?) und Kleidung bleibe auch noch Kombiplatz. Trotz Kulturkonfekt sollen die aber nicht fix vernascht werden, sondern die Absolventin der Weimarer Bauhaus-Uni will damit eine Alternative zu Wegwerfmöbeln bieten – quisiquasi Ressourcen schonendes, CO2-footprint reduzierendes, nachhaltig schnelles Wohnen.

Die Absolventin vertritt dabei den Standort, pardon Standpunkt, es werde immer Möbel geben, Menschen bräuchten etwas zum Sitzen, Aufbewahren, Schlafen. Das sei unsere Kultur – in dieser Reihenfolge. Wobei manch einer höchst wahrscheinlich mehr sitzt als schläft – 5 Std. 32 Minuten im täglichen Durchschnitt – bundesweit; und dass es ein Vielfaches an Sitzgelegenheiten gegenüber Menschen auf Erden gibt, gilt auch als ausgemachte Sache.

Muss es also immer Möbel geben? Kann man mit seinem Notbuch nicht rein sitztechnisch eine der vielen vorhandenen Gelegenheiten besitzen? Und: Aufbewahren? Dagegen ist old school ja schon brandneu. Gibt es Aufbewahrenswertes, das wo nicht in die Cloud passt? Bliebe das Schlafen, das ohnehin völlig überbewertete. Das ist bekanntlich im Büro am gesündesten – was in Homeoffice-Zeiten natürlich Schlafhandlungsbedarf erzeugt. Laut einer Studie von neulichst schlafen 24 % der Deutschen bis zu 5 Stunden täglich – oder nächtlich, das lässt die Studie offen. Jedenfalls weniger als Sitzen. Gibt es planetenweit auch viel mehr Betten als Menschen? Und wenn nicht, ließe sich das bisschen Pennen nicht auch augmented realisieren? – Möbel: Kulturkonfekt.

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Datum 3. Dezember 2020
Autor b.t.
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