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Flachdächer aus Holz

Flachdächer in Holzbauweise – dauerhafte Lösungen sind gefragt

Flachdächer in Holzbauweise – dauerhafte Lösungen sind gefragt

 

(Foto: Nicolaus Hermann)

(Foto: Nicolaus Hermann)

 

Das Flachdach liegt architektonisch aufgrund der klaren Formensprache und der optimalen Raumnutzung aktuell voll im Trend. Allerdings wartet es technisch und bauphysikalisch mit besonderen Herausforderungen auf, insbesondere wenn es um den Schutz vor Tauwasser aus dem Innenraum, als auch um ­Niederschlagswasser von außen geht.

Durch die kaum vorhandene Dachneigung des Flachdaches ist außenseitig mit stehendem oder nur langsam ablaufenden Niederschlags- und Schmelzwasser zu rechnen, weshalb die Außenabdichtung hier sehr viel leisten muss. Um die Sicherheit zu erhöhen, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Gefälleausbildung: mindestens 2 % – je steiler, desto sicherer
  • Entwässerungen/Abläufe in ausreichender Anzahl, Dimensionierung und Anordnung – Schutzmaßnahmen und regelmäßige Wartung zur Vermeidung von Verschmutzung oder Bewuchs
  • zweite Abdichtungsebene unter Aufdachdämmungen als „Reserve“, idealerweise auch als Behelfsabdichtung während der Bauzeit

Die dampfbremsende Dachabdichtung hat Auswirkungen auf den Tauwasserschutz, da Feuchtigkeit kaum nach außen entweichen kann. Dies betrifft insbesondere Flachdächer in Holzbauweise. Die Bauweise hat zwar gegenüber dem Massivbau diverse Vorteile (leicht, mit vorgefertigten Elementen schnell errichtet, CO2-Bilanz, Wärmeschutz, kaum Material-/Prozessfeuchte …), ist aber andererseits anfälliger gegenüber Feuchtigkeit aufgrund der biogenen Materialien. Sichere Lösungen im Holzbau sind aber definitiv möglich.

Eine Grundsatzfrage im Holzbau: Aufdachdämmung,
belüftete oder unbelüftete Zwischenbalkendämmung?

Hinsichtlich der Konstruktionsweise gibt es mehrere Möglichkeiten im Holzbau. Bauteile mit reiner Aufdachdämmung sind zwar bauphysikalisch robust, da die Tragkon­struktion raumseitig des Kondensatbereiches liegt, erfordern jedoch große Aufbauhöhen und mitunter schwierige Anschlussdetails (Verbindung Dampfbremse auf Dach mit Luftdichtung der Außenwand).

Alternativ kann eine Wärmedämmung in der Tragkonstruktion mit oberseitiger Belüftungsebene umgesetzt werden, was jedoch ebenfalls zusätzliche Aufbauhöhe ergibt. Hier ist die dauerhafte Funktion der Belüftung entscheidend für die Bauteilsicherheit. Aufgrund des fehlenden thermischen Auftriebes sind sehr hohe Belüftungsquerschnitte erforderlich (8–15 cm). Weiterhin muss langfristig sichergestellt sein, dass die Luft ungehindert strömen kann. Dazu sind gegenüberliegend angeordnete, ausreichend dimensionierte Zu- und Abluftöffnungen notwendig.

 

Bild 1. Je besser eine Konstruktion im Winter vor Feuchte geschützt wird und je mehr Feuchte im Sommer aus dem Bauteil trocknen kann, desto größer ist die Sicherheitsreserve und damit das Bauschadens-Freiheits-Potenzial

Bild 1. Je besser eine Konstruktion im Winter vor Feuchte geschützt wird und je mehr Feuchte im Sommer aus dem Bauteil trocknen kann, desto größer ist die Sicherheitsreserve und damit das Bauschadens-Freiheits-Potenzial

 

Schlanke, effizient genutzte und damit wirtschaftliche Konstruktionen sind vollgedämmte, unbelüftete Aufbauten. Hierbei muss sichergestellt sein, dass Wasserdampf über die Innenoberfläche austrocknen kann. Dies findet hauptsächlich während der Sommerperiode bei der sogenannten Umkehrdiffusion nach innen statt.

Ist hier eine Dampfsperre verbaut, kann Feuchtigkeit nicht entweichen. Die Folgen können kontinuierliche Auffeuchtung und Feuchteschäden sein. Daher entsprechen beidseitig stark dampfbremsende Holzbauteile auch nicht mehr dem Stand der Technik. Diese schadensanfälligen Konstruktionen werden in der Fachwelt oft abfällig als „selbstkompostierende Flachdächer“ bezeichnet.

Feuchtevariable Dampfbremse mit Zulassung +
Feuchteschutznachweis = dauerhafte Sicherheit

Um die Innenoberfläche zur Rücktrocknung zu aktivieren, werden feuchtevariable Dampfbremsen eingesetzt. Diese können ihre Wasserdampfdurchlässigkeit anpassen – im Winter dampfbremsend, um Feuchteeintrag zu vermeiden, im Sommer hoch diffusionsoffen, um unvorhergesehene Feuchte entweichen zu lassen. Damit diese wichtige Funktion auch dauerhaft gewährleistet ist und das Bauwerk dauer­haft sicher funktioniert, sind u. a. zwei Dinge entscheidend:

  • Tauwasserschutznachweis mit instationärem Verfahren (z. B. mittels Software WUFI)

Der Nachweis ist zwar aufwendig, gibt aber das Bauteilverhalten sehr realitätsnah wieder. Manch Hersteller von Luftdichtungssystemen bietet diese Berechnungen kostenfrei als Serviceleistung an. Berücksichtigt werden sollten dabei auch Einflüsse durch Begrünung, Bekiesung, Terrassenaufbauten oder Verschattung.

  • Feuchtevariable Dampfbremse mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt)

In DIN 68800-2 wird für einen beispielhaften Flach­dachaufbau eine derartige Zulassung gefordert. Hintergrund ist, dass die europäische Produktnorm für Dampfbremsen (EN 13984) keine Angaben zur Prüfung eines feuchtevariablen Diffusionswiderstandes macht. Weil aber diese Eigenschaft so eminent wichtig ist für die Funktion des Flachdachaufbaus, muss diese auch unabhängig geprüft, überwacht und alterungsbeständig sein. All dies erfolgt im Rahmen der Zulassung. Die geprüfte Alterungsbeständigkeit lässt sich laut DIBt auf 50 Jahre Echtzeit übertragen.

Auch die Verbindungsmittel müssen dauerhaft sein

Damit die Luftdichtung dauerhaft gewährleistet ist, müssen neben den Flächenmaterialien natürlich auch die Anschlussprodukte über eine entsprechende Dauerhaftigkeit verfügen. Im November 2018 ist DIN 4108-11 erschienen, die Prüfverfahren, Anforderungen an Festigkeit und Dauerhaftigkeit von Klebebändern und -massen definiert. Planer und Verarbeiter sollten auf die Ausschreibung und Auswahl nach dieser Norm geprüfter Produkte Wert legen, um dauerhaft funktionierende Verklebungen sicherzustellen.

Die nach DIN 4108-11 geprüfte Alterungsbeständigkeit entspricht einer Echtzeit von ca. 17 Jahren. Es gibt jedoch auch Hersteller, die 100 Jahre Dauerhaftigkeit nach Norm geprüft haben und bestätigen können.

 

Bild 2. Sicheres Flachdach im Holzbau: feuchtevariable Luftdichtung mit DIBt-Zulassung, Balkenlage voll gedämmt, hygrische Trennung als zweite Abdichtungsebene und Überdämmung

Bild 2. Sicheres Flachdach im Holzbau: feuchtevariable Luftdichtung mit DIBt-Zulassung, Balkenlage voll gedämmt, hygrische Trennung als zweite Abdichtungsebene und Überdämmung

 

Zusätzliche Sicherheit durch zweischaligen Aufbau

Um die Fehlertoleranz vollgedämmter, unbelüfteter Holzbau-Flachdächer zu erhöhen, hat sich in der Praxis eine zusätzliche Überdämmung etabliert und bewährt. Dies hat eine Taupunktverlagerung zur Folge. Die Dachschalung, welche als feuchtekritische Schicht gilt, liegt während der Winterzeit wärmer, wodurch dort weniger Feuchte entsteht. Durch diese Bauweise sind effiziente, schlanke und dennoch robuste Konstruktionen möglich.

 

Bild 3. Luftdichtungs-Klebebänder müssen dauerhaft funktionieren; auf 100 Jahre Klebkraft unabhängig erfolgreich getestet wurde z. B. TESCON VANA von pro clima. (Grafiken/Foto 1–3: pro klima MOLL bauökologische Produkte GmbH)

Bild 3. Luftdichtungs-Klebebänder müssen dauerhaft funktionieren; auf 100 Jahre Klebkraft unabhängig erfolgreich getestet wurde z. B. TESCON VANA von pro clima. (Grafiken/Foto 1–3: pro klima MOLL bauökologische Produkte GmbH)

 

Luftdichtheit planen, ausführen und kontrollieren

Weil durch Leckagen in der Luftdichtung sehr große Mengen an Wasserdampf in die Dämmebene gelangen können, sollte die luftdichte Gebäudehülle umfassend vor Ausführung geplant und sorgfältig umgesetzt werden. Das Prinzip: keine Qualität ohne Kontrolle. Deshalb sollte die Ausführung der luftdichten Gebäudehülle überprüft werden z. B. mittels BlowerDoor-Test. Dabei sollte auch eine sogenannte Leckageortung durchgeführt werden – optimalerweise, wenn Fehlstellen noch nachgearbeitet werden können.

Fazit

Flachdächer in Holzbauweise sind anspruchsvolle Bauteile. Planer und Verarbeiter müssen wichtige grundlegende Dinge beachten und sollten im Hinblick auf möglichst langlebige Konstruktionen die Zukunft im Blick behalten. Je robuster und dauerhafter Materialien, Konstruktionen und Details geplant und ausgeführt sind, desto größer ist die Bauteilsicherheit – auch gegenüber unvorhergesehenen Einflüssen.

Weitere Informationen:

pro clima
MOLL bauökologische Produkte GmbH
Rheintalstraße 35–43, 68723 Schwetzingen
Tel. (06202) 27 82-0, Fax (06202) 27 82-21
info@proclima.de, www.proclima.com

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Datum 4. Dezember 2019
Autor nwerner
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