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Vermischtes

Gebäudemodelle schnell ändern und Angebotsphasen verkürzen

Business-Intelligence-Lösungen für die Offsite-Bauweise

Fertighäuser und die damit verbundene Offsite-Bauweise sind weiter auf Wachstumskurs. Längst hat die Branche das Negativimage abgestreift. Weil die Auftraggeber die hohe Prozesssicherheit schätzen, werden neben Eigenheimen auch Bürogebäude, Hallen, Parkhäuser, Schulen, Sporthallen, Kindergärten und vieles mehr nach diesem Prinzip gebaut. Eine große Herausforderung für die Hersteller von Fertighäusern ist der Kompromiss zwischen den individuellen Wünschen des Kunden und der Standardisierung der internen Abläufe und Prozesse. Hier können Business-Intelligence-Tools eingesetzt werden, zum Beispiel eine parametrisierte Kalkulation, mit der Modelle schnell geändert werden können, was die Angebotsphase extrem beschleunigen kann.

Bauvorhaben mit modularer Bauweise – also Fertighäuser – sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. 22,2 Prozent der beinahe 106.000 neu genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland waren laut Statistischen Bundesamt im Jahre 2020 Fertighäuser. Das entspricht einem Plus von 11,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) – höher war die Fertigbauquote noch nie.[1] Ähnlich sieht es beim Gewerbe-Modulbau, zum Beispiel für Parkhäuser, Lagerhallen, Schulen etc. aus. Anstatt mehrjähriger Planungs- und Bauzeiten für herkömmliche Bauvorhaben mit Beton und Gips, setzen immer mehr Bauherren auf eine Systembauweise mit Modulen.

Kurze Bauzeiten, witterungsunabhängige Montage und energiesparend

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen sind da die viel schnelleren Durchlaufzeiten der Projekte. Das gilt einerseits für den Baugenehmigungs-Prozess, weil Statiken oder Brandschutzkonzepte bereits typengeprüft sind. Die Module werden zudem im Werk oder in der Montagehalle vorgefertigt und kommen mit einem sehr hohen Vorfertigungsgrad – teilweise bis zu 70 Prozent – auf die Baustelle. Dort beträgt die Bauzeit dann nur wenige Monate. Zur kurzen Bauzeit kommt noch hinzu, dass in der Werkshalle witterungsunabhängig gebaut werden kann. Durch die nahezu perfekte Dämmung und die aufeinander abgestimmte Haustechnik sind Gebäude mit modularer Bauweise außerdem sehr energiesparend und CO2-arm.

Verzögerung in der Angebotsphase durch individuelle Gestaltungswünsche

Die Vorteile sind möglich, eben weil sich die Module der Häuser und Gebäude immer wieder wiederholen. Dennoch sind die Kunden heute anspruchsvoller und das Produkt Fertighaus ist keineswegs mehr nur ein Haus „von der Stange“. Es gibt zwar weniger Gestaltungsspielraum als beim klassischen Massivhaus, aber auf individuelle Wünsche wird in der Regel eingegangen. Das macht die Kundenberatung sowie Bauplanung, -vorbereitung und -ausführung sehr komplex. Schließlich muss der Plan der Module immer wieder neu angepasst werden, was sich natürlich auch auf den Preis des Bauvorhabens auswirkt. Der Verkäufer kann im Kundengespräch dann nicht gleich reagieren, weil die Änderungen erst von den Architekten eingearbeitet und kalkuliert werden müssen. Denn wenn sich zum Beispiel im Modell eine Wandlänge ändert oder die zum Fertighaus gehörenden Standardfenster gegen andere ausgetauscht werden sollen, muss das ganze Gebäude neu berechnet werden. Dies bedeutet eine zeitliche Verzögerung, die nicht zum zeitgewinnenden Modell des Fertighauses passt.

„Mit Kunden Parameter erfassen und im Modell automatisch berechnen lassen“

Abhilfe können hier innovative Business-Intelligence-Lösungen schaffen, die mit Algorithmen schnellere Kalkulationen aller Details des Gebäudes möglich machen. „Zum Beispiel mit der Parametrisierten Kalkulation können Gebäudemodelle software-seitig schnell angepasst werden. Der Mitarbeiter oder Verkäufer kann mit dem Kunden direkt die Parameter erfassen, die geändert werden sollen und das Modul berechnet das Modell automatisch. Das beschleunigt die Angebotsphase in beträchtlichem Maße”, erklärt Gerard Sidoun, Gründer und aktuell strategischer Berater der SIDOUN International GmbH, Entwickler und Hersteller der AVA-Software SIDOUN Globe.

Nachdem hausinterne Spezialisten einmalig das Gebäudemodell aufgebaut und die Rechentabellen angelegt haben, kann der Verkäufer zusammen mit dem Kunden die Parameter erfassen, die vom Modell abweichen sollen. Dafür werden zunächst die Gebäudestruktur und die Rechenalgorithmen in mehreren Excel-Tabellen zusammengetragen. Dieser Schritt berücksichtigt alle Variablen wie zum Beispiel geometrische Daten und Qualitäten für Wände, Fenster, Türen, Putz etc. Diese Parameter sind als Standard in einem zentralen Dialog hinterlegt. Dabei werden nur die Werte angezeigt, die wirklich geändert werden dürfen. „Fehler sind also ausgeschlossen. Zudem sieht der Mitarbeiter sofort, welche preislichen Auswirkungen jede Änderung hat”, so Sidoun. „Die Parametrisierte Kalkulation vermeidet somit, dass bei abteilungsübergreifender Projektbearbeitung Technik- und Medienbrüche entstehen, denn alle Akteure arbeiten mit ihrer gewohnten Software: Die Planer im Gebäudemodell und alle anderen Anwender wie gewohnt in ihrer ‚Excel‘-Version.“

Komplexe Parameter eines Hauses automatisch berechnen

Die Parametrisierte Kalkulation ist auch für Architekten nützlich, die nicht in der Offsite-Bauweise planen, weil auch sie bestimmte Formen immer wieder nutzen. Dabei ist die Grundidee, die Arbeit der Planer immer mehr zu optimieren, um Zeit zu gewinnen. Denn selbst wenn die Parameter eines Hauses äußerst komplex sind, können sie parametrisiert und automatisiert berechnet werden, um bei Änderungen von Variablen effizienter zu arbeiten.

„Modulares Bauen erfordert eine präzise Planung und ein optimal funktionierendes Projektteam, um die straffen Zeit- und Budgetvorgaben einzuhalten“, fasst Sidoun nochmals zusammen. „Gerade Business-Intelligence-Prozesse sind daher unabdingbar, um die hohe Bauprozesssicherheit für Fertighäuser zu garantieren. Nur so können Baufirmen Vorgänge optimieren, Margen maximieren und einen exzellenten Kundenservice bieten.“ Das Angebot von speziellen Branchenlösungen wird dabei stetig breiter und geht einher mit der zunehmenden Digitalisierung, um eine datengetriebene Unternehmenskultur zu ermöglichen.

Fazit

Bauvorhaben haben einen straffen Zeitplan, das gilt insbesondere für Fertighäuser. Business-Intelligence-Lösungen tragen dazu bei, die verkürzte Planungs- und Bauzeit der Offsite-Bauweise einzuhalten. Gibt es in der Angebotsphase individuelle Kundenwünsche, die vom Gebäudemodell abweichen, müssen der Plan sowie der Preis neu kalkuliert werden. Um diesen Prozess zu beschleunigen, können Architekten zum Beispiel BI-basierte Tools wie die Parametrisierte Kalkulation einsetzen, die mit Algorithmen schnellere Kalkulationen aller Details des Gebäudes ermöglichen.

 

 

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