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Projekte

„Gehobener“ Anspruch: Komplettumbau eines Baudenkmals

Viergeschossige Unterkellerung eines denkmalgeschützten Ensembles in der Münchner Innenstadt, Bestandsabfangung über Pressen-Auflager, Großbohrpfähle, Pfahlgruppen und dreireihige DSV-Kubaturen, Rückverhängung der Unterfangungen im Zuge des Aushubs, Versetzen einer historischen Stadtmauer, erschwerter Baustellenzugang, als angrenzender Nachbar: das Landesamt für Denkmalschutz und das alles an einer der prominentesten Adressen Münchens.

Günther Döschl, der gemeinsam mit Josef Meitinger als Projektleiter der IGG Ingenieurgemeinschaft Grundbau das Bauvorhaben betreute, berichtet hier, wie innerhalb von 12 Monaten in einem alten die Basis für ein neues Denkmal geschaffen wurde – unter besonderen Bedingungen.

Hermes, Wempe, Chanel. Ein Blick auf die Ladengeschäfte im Bestandsgebäude genügte, um bereits beim ersten Ortstermin in der Münchner Innenstadt zu ahnen: Bei diesem Projekt würde es sich um ein Bauvorhaben mit „gehobenem Anspruch“ handeln.
Die direkte Angrenzung der geplanten Baustelle an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege („Alte Münze“, ebenfalls denkmalgeschützt) unterstrich den exklusiven Eindruck. Beide Häuser (Nr. 6 und 8) einschließlich der Arkaden wurden um 1860 auf Veranlassung des bayerischen Königs Maximilian II. im Herzen Münchens erbaut und stehen als Ensemble unter Denkmalschutz.

Bild 1: Ein Baudenkmal – und zugleich Münchens exklusivste Shopping- Adresse: Das Bestandsgebäude „Maximilianstr. 6 - 8“

Bild 1: Ein Baudenkmal – und zugleich Münchens exklusivste Shopping- Adresse: Das Bestandsgebäude „Maximilianstr. 6 - 8“ (IGG Ingenieurgemeinschaft Grundbau)

Aufgabenstellung: „Komplettumbau eins Denkmals“
Dabei handelte es sich bei den Gebäuden um zwei durch Arkaden (mit besagten Ladengeschäften) verbundene siebengeschossige Häuser. Das Grundstück schließt zu drei Seiten an stark frequentierten öffentlichen Straßengrund (mit Tramlinien) an.
Sowohl die beiden siebengeschossigen Häuser als auch die straßenseitig gebauten Arkadengebäude besitzen noch ein UG („Sockelgeschoss“). Als Hausnummern sechs und acht markiert das Ensemble den Beginn Münchens exquisiter Einkaufs- und Flaniermeile – der Maximilianstraße. (Bild 1).

Hohe Nachfrage, geschützter Bestand
Da die Möglichkeiten eines oberirdischen Ausbaus des geschützten Bestandes sehr begrenzt – die Nachfrage nach Wohn- und Nutzfläche in dieser Lage hingegen enorm ist, entschied sich der Bauherr für eine Erweiterung durch einen Komplettumbau des Baudenkmals unter Erhalt der originalen Umfassungs- wände. Im Zuge dieser Maßnahme sollten vier UG-Etagen über die gesamte Grundstücksfläche des teilbebauten Komplexes eingezogen werden.
Vorausgesetzt allerdings, das wäre technisch möglich, ohne dabei die Umfassungswände der beiden siebengeschossigen Häuser sowie die Arkaden selbst auch nur in geringster Weise zu beschädigen: Ein minimaler Riss im Putz würde gegen die Auflagen des Denkmalschutzes verstoßen und sich schlimmstenfalls durch die Büros des angrenzenden Amtes selbst ziehen.

Wenig Spielraum für alle Beteiligten
An diesem Punkt kam die 35-jährige Spezialtiefbau-Expertise der IGG Ingenieurgemeinschaft Grundbau ins Spiel, um die technische Machbarkeit der Tiefbauarbeiten zu prüfen und zu gewährleisten.
Die Aufgabe war: „Die viergeschossige Vollunterkellerung eines teilbebauten Grundstücks, wobei die zulässige Vertikalverformung der Umfassungswände während des Umbaus (sowie danach) nicht mehr als 2 mm betragen durfte.“
2 mm: nicht gerade viel Spielraum angesichts der Tatsache, dass für die Unterkellerung die Bestandsgebäude in der Mitte der Baugrube über 12 m freie Höhe gestützt werden mussten.
So tief unter dem bisherigen Kellerniveau (d. h. 15 m unterhalb des Geländes der Maximilianstraße) würde die neue Gründungssohle liegen. Dabei war absehbar, dass die Bohrpfähle zur Gebäudeabfangung – bedingt durch die im Zuge des Aushubs entfallende Mantelreibung – fortlaufend kontrolliert und Setzungen gegebenenfalls umgehend ausgeglichen werden müssten …
Hinzu kamen als Rahmenbedingungen weitere Parameter, die Auswirkungen auf die Planung haben würden: Die Platzverhältnisse vor Ort waren innenstadt-typisch beengt. Bereits die Stellung zweier Düsenstrahl (DSV)-Anlagen würde „eng werden“ und eine penible räumliche Baustellenaufteilung erfordern. Für eine DSV-Absicherung der Außenwände und die Aufstellung mobiler Kräne sollten Eingriffe in den Straßen- und Trambahnverkehr nach Möglichkeit vermieden werden. Von Kranen abgesehen hatte die Logistik der gesamten Baugrube (u. a. der Aushub) über eine kleinräumige, untergeordnete Seitenstraße mit einer Breite von 4 m zu erfolgen.
Zudem befand sich – laut Aufzeichnungen des Denkmalschutzes – auf dem Grundstück noch ein Teil der historischen Stadtmauer Münchens aus dem 13. Jh. Nach Abschluss der Bauarbeiten sollte das Bodendenkmal exakt wieder an seinem ursprünglichen Ort stehen – natürlich vollständig und unbeschadet. – So viel sei verraten: Sie befindet sich heute tatsächlich unversehrt an dieser Stelle – im ersten UG des Neubaus und mit Strahlern wirkungsvoll beleuchtet.

Bild 2: Einbau der Sauberkeitsschicht auf Kote – 15 m. Deutlich zu sehen: Abfangungspfähle und die Rückverhängung der Baugrubenwände durch Verpressanker in mehreren Höhenlagen

Bild 2: Einbau der Sauberkeitsschicht auf Kote – 15 m. Deutlich zu sehen: Abfangungspfähle und die Rückverhängung der Baugrubenwände durch Verpressanker in mehreren Höhenlagen

Ablaufplanung und Präzision entscheiden
Allerdings musste dadurch ein weiteres Gewerk eingeplant werden: die archäologische Begleitung der Bauarbeiten. Grundmauern, die alte Zwingermauer und die ehemalige Stadtmauer der historischen Altstadt mussten freigelegt und archäologisch erkundet werden. Vor und während der Baumaßnahme entdeckte Bodendenkmäler sollten in situ erkundet oder geschützt werden.
Schnell war klar: Neben der präzisen Erfüllung der baulichen Anforderungen hinge ein erfolgreicher Abschluss des Projektes zwingend auch von vorausschauender, gewerkeübergreifender Ablauforganisation ab. Hier war von großem Vorteil, dass die Gesamtkoordination der Bauausführung von der bauherrneigenen Brunner + Co. Baugesellschaft mbH & Co. durchgeführt wurde.
Dabei war es unumgänglich, auch technische Grenzen auszuloten. So mussten die DSV-Unterfangungen der Denkmalswände durch Injektionskörper von ca. 16 m Höhe erfolgen – bei einer stellenweise (durch Aussteifungsgerüste) beschränkten Arbeitshöhe der Baustelle von 8 m.
Nach mehreren Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, bei denen auch Varianten (Teilunterkellerungen, Variationen der UG-Anzahl etc.) durchgerechnet wurden, stand das Ergebnis fest: die Komplettunterkellerung war machbar.

Bild 3: Entkernt und abgestützt: Haus 8 des Denkmals. Nahezu die komplette Logistik der Baustelle erfolgte über eine schmale Zufahrt (rechts im Bild).

Bild 3: Entkernt und abgestützt: Haus 8 des Denkmals. Nahezu die komplette Logistik der Baustelle erfolgte über eine schmale Zufahrt (rechts im Bild).

Bild 4: Arbeiten auf engstem Raum. Im Hintergrund: Rückverhängte Bestandswände und begradigte DSV-Unterfassungswände

Bild 4: Arbeiten auf engstem Raum. Im Hintergrund: Rückverhängte Bestandswände und begradigte DSV-Unterfassungswände (IGG Ingenieurgemeinschaft Grundbau)

Das Projekt beginnt
Anfang 2014 konnte er beginnen: der „Totalumbau eines Denkmals“ im Schatten des Landesamtes für Denkmalschutz – im Herzen von Münchens beliebtester Flanierstraße. Eines war bereits vorab klar. Der Preis für einen Quadratmeter bebauter Fläche an dieser Stelle würde so schnell nicht sinken …

Fundament und geologische Verhältnisse
Zu Baubeginn war die exakte Fundamentierung der Gebäude, bis auf punktuelle Aufschlüsse, nahezu unbekannt. Erst während der Grabungen im Zuge des Aushubs stellten die Archäologen fest, dass die Gebäude auf verschiedensten Grundmauern aus unterschiedlichen Zeitaltern aufgebaut worden waren. Es wurden im 18. Jh. alte Stadtbachläufe überbaut, außerdem wurde in sehr unterschiedlicher Weise (auf Streifen, Bögen und auch Einzelfundamenten) gegründet. Geologisch lagen für die Münchner Altstadt typische Verhältnisse vor, welche mit den quartären Kiesen und tertiären Sanden bzw. Schluffen einen tragfähigen Baugrund bilden. Unter künstlichen Auffüllungen wechselnder Mächtigkeit stehen geringmächtige, überwiegend dichtgelagerte, quartäre Kiese an. Ab ca. 8 m unter Geländeniveau der Maximilianstraße werden die Quartärsedimente dann bis in größere Tiefen von den tertiären Formationen der Oberen Süßwassermolasse unterlagert. Diese als „Flinz“ bezeichneten Schichten bestehen überwiegend aus dicht gelagerten Fein- bis Mittelsanden und zum Teil vermergelten Tonen und Schluffen fester Konsistenz.

Grundwasserstand: 7 m
Der mittlere Wasserstand auf dem Baugrundstück lag in den gut grundwasserleitenden quartären Kiesen rund sieben Meter unter Gelände. Auch die Flinzsande führten Grundwasser, das durch die im Baufeld durchgängig vorhandenen Schluff- und Ton- schichten mit einer dem quartären Grundwasser entsprechenden Druckhöhe gespannt war.
Als Wasserhaltungsmaßnahme dienten bei dem Projekt eine Tertiärentspannungswasserhaltung mit Hilfsbrunnen zur Trogentleerung und Restwasserhaltung.

Planung im Überblick
Zur Umschließung und zur Abfangung waren verformungsarme und grundwasserdichte Verbauwände erforderlich. Für Hofbereiche, die mit einer „konventionellen“ Drehbohranlage befahren werden konnten, planten wir überschnittene Bohrpfahlwände mit 75 cm Durchmesser, 60 cm Achsabstand und bis zu 2° Vertikalneigung. Die Rückverhängung erfolgte mittels temporärer Litzenanker mit Ankerkräften bis ca. 700 kN.
In der Bohrpfahlwand wurden jeweils die unbewehrten Pfähle rückverankert. Ab der zweiten Ankerlage war, hydrogeologisch bedingt, eine druckdichte Herstellung und Endabdichtung der Ankerköpfe notwendig.
Innerhalb der Bestandsgebäude war folgender Ablauf geplant:
1. Sicherung der vorhandenen straßenseitigen, mit bis zu sechs Metern Erddruck belasteten UG-Außenwände durch Bodennägel und Mikropfähle (bei z. T. äußerst beengten Platzverhältnissen in den Kriechkellern des Sockelgeschosses),
2. Rückbau der Geschossdecken und Zwischenwände bei gleichzeitigem Einbau einer Stahlinnenaussteifung in Haus 6 und eines Raumgerüsts in Haus 8, Planung durch BERK+Partner Bauingenieure,
3. DSV-Unterfangungen der Außenwände mit Injektionskörperhöhen von bis zu 16 m, sowie
4. Rückverhängung der Unterfangungen mittels bis zu drei temporärer Verpressankerlagen im Zuge des Erdaushubs.

Bild 5: Gut gesichert: Rückverhängung der Bestandswände mit 400 Verpressankern in drei Höhenlagen (braun), Bohrpfahlwände (grün), Unterfangungen im DS-Verfahren (oliv), Bestandsabfangung über hydraulikgesteuerte Pressen, Großbohrpfähle und Pfahlgruppen

Bild 5: Gut gesichert: Rückverhängung der Bestandswände mit 400 Verpressankern in drei Höhenlagen (braun), Bohrpfahlwände (grün), Unterfangungen im DS-Verfahren (oliv), Bestandsabfangung über hydraulikgesteuerte Pressen, Großbohrpfähle und Pfahlgruppen

Abfangung des Bestandes
Eine besondere Herausforderung war die Abfangung der zu unterbauenden Außenwände und Treppenhäuser: Dazu wurden massive Stahlbetonsockelbalken als Einfassung beidseitig der Fundamentwände vorgesehen, um die Lasten möglichst verformungsfrei als Trägerrost in die geplanten Auflagerpunkte zu verteilen. Horizontallasten (aus Wind und Schiefstellung) konnten über die anschließenden Bohrpfahlwände in Verbindung mit zusätzlichen Verpressankern abgetragen werden.
Zur Abtragung der Vertikallasten aus der Gebäudeabfangung setzten wir auf eine Kombination aus außenliegenden Großbohrpfählen (1 Pfahl je Lastpunkt) und – da innerhalb der Gebäude herzustellend – Kleinbohrpfahlgruppen (Durchmesser: 30 cm, 4 Pfähle je Lastpunkt). Die praktische Umsetzbarkeit war dabei entscheidend, da die Arbeitshöhe auf bis zu 8 m begrenzt war, die notwendigen Einzelpfahllängen aber bis 17 m betrugen.
Die rechnerischen Vertikallasten lagen zwischen 700 kN und bis zu 2200 kN je Lastpunkt.

Bild 6: Pressen und Messen: Abfangung von + 2000 kN mit Mikrometer-Präzision

Bild 6: Pressen und Messen: Abfangung von + 2000 kN mit Mikrometer-Präzision

Auflager: 16 m Großbohrpfähle mit Hydraulikpressen
Die außenliegenden Großbohrpfähle (90 cm Durchmesser, Längen von 16 m) konnten im Zuge der Bohrpfahlwandarbeiten von außen mit einer Drehbohranlage ausgeführt werden. Die inneren Kleinbohrpfahlgruppen planten wir mit durchlaufender Längsbewehrung (GEWI-Längsstäbe und Verbindungsmuffen zur Koppelung der Korbstöße) auszubilden. Der Einbau der Knickhaltungen in Form von Stahlauskreuzungen und Stahlbetonhohlkästen sollte sukzessive im Zuge des Aushubs in Höhenabschnitten erfolgen.
Die Anforderungen an zulässige Vertikalverformungen von weniger als 2 mm erforderten entsprechende Kontroll- und Regulierungsmöglichkeiten. Hierzu wurde jeder Auflagerpunkt mit einer hydraulischen Presse in Verbindung mit einer geometrischen Lagevermessung und der Aufnahme des Verformungswegs versehen.
Nach der Umlastung des Bauwerks auf die Abfangungspfähle (behutsames Anfahren der Pressen bei zeitgleicher Kontrolle der Vertikalverformungen) konnten die tatsächlich wirksamen Auflagerlasten somit kontinuierlich erfasst, ausgewertet und – falls erforderlich – auch reguliert werden.
Auch konnten damit Nachsetzungen der Pfähle, die durch die entfallende Mantelreibung im Zuge des Aushubs unvermeidbar waren, kompensiert und umgehend auf Einflüsse (z. B. aus unterschiedlichen Bauzuständen oder nicht vorherzusehenden Lastumlagerungen) schnell reagiert werden. Die Summenlinien der Hydraulikpressendrücke in beiden Häusern lagen über den gesamten Bauablauf hinweg letztlich tatsächlich auf nahezu konstantem Niveau – wohingegen jeder „größere“ Ausschlag (Sonneneinstrahlung, Wind u. ä.) vor Ort aufmerksam beobachtet wurde.

Der Baublauf
Im Januar 2014 begannen die Erdarbeiten – und damit auch der Voraushub rund um die Bodendenkmäler: Die historische Ziegelmauer der ehemaligen Stadtbefestigung wurde vorsichtig zum Vorschein gebracht. Die Denkmal-Spezialisten legten – unter fortlaufender archäologischer Prüfung und Kontrolle – das Mauerwerk frei und hüllten es für den Transport in klimatisch optimierte Kokons.
Mittels einer vor Ort gefertigten Holz-/ Stahl-Umfassung wurde das historische Stück via Kran und LKW von der Baustelle ins Zwischenlager transportiert. Während der Hochbau-Arbeiten konnte die historische Mauer dann wieder an ihren exakten geographischen Standort im UG gesetzt werden, wo sie die nächsten Jahrhunderte in stabiler und trockener Umgebung überdauern wird.

Gewerkeübergreifende Abstimmung
Anfang Februar begannen die eigentlichen Spezialtiefbauarbeiten vor Ort. Die Bohrpfahlwände wurden als überschnittene 750 mm-Pfahlwand hergestellt (System 1-1-1). Die hofseiteigen „Außenauflager“ für die Gebäudeabfangung wurden mit zwölf Bohrpfählen, D = 900 mm, gesetzt. Vor dem Abziehen des Bohrgerätes wurden acht Entnahmebrunnen und drei Schluckbrunnen (mit eingebautem Sandfang) gebohrt.
Parallel zu den Abbrucharbeiten in den Obergeschossen wurden in allen Kellerräumen bereits Rückverankerungen der Bestandswände vorgenommen, was sich als erheblicher Zeitvorteil für das Gesamtprojekt erwies. Da die Verankerungen zum Teil in sehr beengten Kellergewölben herzustellen waren, wurden Selbstbohranker anstatt der zunächst angedachten Litzenanker eingebaut. Örtliche Anpassungen konnten aufgrund der guten Abstimmung zwischen Planung, Rohbau, Erdbau und Spezialtiefbau innerhalb weniger Stunden geprüft, freigegeben und umgesetzt werden.
Alle 150 Stück Wanddurchführungen der Verankerungspunkte wurden mittels Kernbohrungen (mittlere Länge: 2,6 m) bauwerksschonend durch die historischen Ziegelwände geführt.
Nach der vollständigen Entkernung der Bestandsgebäude erfolgten weitere archäologische Untersuchungen der Sockelzone. In diesem Zeitraum konnten neben den Rückverankerungen der Außenwände auch die Stahlbetonsockelbalken des Abfangungsrostes hergestellt werden. Der Anschluss zwischen der Stahlbetonkontruktion und den Mauerwerkswänden wurde mittels in Kernbohrungen einbetonierter Stahlträger hergestellt.

Bild 7: Detailgenaue Planung: Wandabfangung mit Pfahlköpfen (links: Pfahlgruppen DN 300, rechts Großbohrpfahl 900 mm)

Bild 7: Detailgenaue Planung: Wandabfangung mit Pfahlköpfen (links: Pfahlgruppen DN 300, rechts Großbohrpfahl 900 mm)

Schablonen und Präzision
Nachdem ca. 1 m über UK-Fundamentierung – eine erste Arbeitsebene eingezogen wurde, begannen im Juli und August in den engen Innenräumen für die Spezialisten der Firma Stump zwei „kritische“ Arbeiten gleichzeitig:
Zum einen begannen die Düsenstrahlarbeiten (Düs-Längen bis ca. 16 m) zur Unterfangung der Außenwände. Parallel dazu wurden die Innenauflager für die Pfahlrostabfangung in 4-er-Gruppen bewehrter Pfähle, (D = 300 mm, l = 17 m, freie Arbeitshöhe 8 m) hergestellt.
Bohrgenauigkeit, Berücksichtigung der Schichtverläufe, Einstellung der Arbeitsparameter – Präzision in der Umsetzung war in dieser Phase einer der beiden wesentlichen Erfolgsfaktoren für das Gesamtprojekt. Um größtmögliche Genauigkeit der Pfahlarbeiten (2 cm am Pfahlkopf, max. 0,5 Prozent Pfahlneigung) zu gewährleisten, erfolgte die Herstellung mithilfe eingemessener Bohrschablonen.

Bild 8: Einbau der Bodenplattenbewehrung. Rückverankerte Bestands- und Unterfangungswände. Die räumlichen Dimensionen werden deutlich

Bild 8: Einbau der Bodenplattenbewehrung. Rückverankerte Bestands- und Unterfangungswände. Die räumlichen Dimensionen werden deutlich

Erfolgreiche Probesäulen
Bereits mit der ersten Probesäule (Verfahren 3 laut Zulassung: luftummantelter Suspensionsstrahl) konnten die geplanten Säulendurchmesser von 1,95 m im Kies/Tertiärsand und 1,60 m im Flinzmergel erfolgreich nachgewiesen werden.
Die ca. 2.200 m³ statische DSV-Kubatur zur Unterfangung wurden mittels zwei- und dreireihig hergestellter DSV-Säulen hergestellt.

Logistik im Schichtbetrieb
Der zweite kritische Faktor war die Ablauf- und Logistikplanung vor Ort: Sowohl die Pfahl- als auch die DSV-Fundamentierung erfolgte gleichzeitig in beiden Bestandsgebäuden des Komplexes (Haus 6: ca. 10 x 10 m² Arbeitsfläche; Haus 8: 16 x 14 m²) – bei beschränken Einfahrtshöhen und -breiten in die Gebäude von jeweils ca. 2,5 m. Die Disposition der Stoffumschläge der beiden zwei DSV-Anlagen (inkl. flüssigem Vorschnitt) war eine Herausforderung für sich – und erfolgte größtenteils im Schichtbetrieb.
Noch während der Aushubarbeiten auf das erste Ankerniveau erfolgte die Umlastung der Gebäude durch Vorspannen der Hydraulikpressen. Anschließend konnte die noch in den Baugrund eingebettete, ab nunmehr lastfreie Fundamentierung unter dem Pfahlrost abgebrochen werden. DSV-Fräsarbeiten und Wandbegradigungen begannen.
Parallel zu dieser entscheidenden Projektphase, die mit dem Anfahren der Pressen ihren Höhepunkt fand, wurden die Mikropfähle zur Auftriebssicherung hergestellt – noch vor der Inbetriebnahme der Wasserhaltung und dem Vordringen zur zweiten Ankerebene.

 

Bild 9: Kleinbohrpfahlgruppen mit Hydraulikpressen zur Abfangung der Bestandswände

Bild 9: Kleinbohrpfahlgruppen mit Hydraulikpressen zur Abfangung der Bestandswände (IGG Ingenieurgemeinschaft Grundbau)

Druckdichte Ankerköpfe
Dabei erfolgten die Ankerarbeiten durchgehend mit 2-Doppelkopfanlagen („Klemm 806“) sowie einem weiteren zusätzlichen Kleinbohrgerät für Ecken und Engstellen. In der Bohrpfahlwand wurden jeweils die unbewehrten Pfähle rückverankert, in den Unterfangungskörpern wurden Lastverteilungsplatten mit bis zu 500 mm Durchmesser vorgesehen. Ab der zweiten Ankerlage war, hydrogeologisch bedingt, eine druckdichte Herstellung und Endabdichtung der Ankerköpfe notwendig.
Nach den „Hochmonaten Juli bis September“ waren die weiteren Projekt-Leistungen fast schon Routine für das eingespielte Team auf der Baustelle: Aushub, Fräsen, Ankern, Entspannung des Grundwasser-Stockwerks … Noch im Dezember 2014 konnte die erste Bodenplatte – die Aufzugsunterfahrt in Haus 6 auf Kote -16 – eingebaut werden.
Innerhalb eines Jahres wurde die Grundlage für ein neues Bauwerk in einer historischen Gebäudehülle geschaffen und wertvolle Substanz erhalten. „Max 6-8“ war ein herausragendes Projekt in unserer 35-jährigen Firmengeschichte, das dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Bild 10: Sauberkeitsschicht und Bewehrung der Bodenplatte nach 11 Monaten Bauzeit auf Kote -16

Bild 10: Sauberkeitsschicht und Bewehrung der Bodenplatte nach 11 Monaten Bauzeit auf Kote -16 (IGG Ingenieurgemeinschaft Grundbau)

 

Bild 11: DSV-Fächer, dreireihig

Bild 11: DSV-Fächer, dreireihig (Auszug Werksplanung Firma Stump Spezialtiefbau GmbH)

Projekt-Beteiligte:

– Bauherr: Terrena Dr. Brunner KG, Tegernsee
– Architekt: DMP Architekten BDA, München
– Planung Spezialtiefbau: IGG Ingenieurgemeinschaft Grundbau GmbH
– Tragwerksplanung Hochbau: BERK+Partner Bauingenieure GmbH Ausführung
– Spezialtiefbau: Stump Spezialtiefbau GmbH, A. Wöhrl Spezialtiefbau GmbH

Weitere Informationen unter: www.igg-grundbau.de

 

 

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