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Große Stahlbau-Exkursion 2015 der TU Dresden

Exkursionsgruppe des Instituts für Stahl- und Holzbau der TU Dresden auf dem Überbau der Hochmoselbrücke

Exkursionsgruppe des Instituts für Stahl- und Holzbau der TU Dresden auf dem Überbau der Hochmoselbrücke (Foto: TU Dresden)

Kurz vor Beginn des Wintersemesters fand vom 29. September bis zum 01. Oktober 2015 die fünfte große Stahlbau-Exkursion des Instituts für Stahl- und Holzbau der TU Dresden statt. Den insgesamt 46 Studierenden des 4. bis 10. Fachsemesters, begleitet von Prof. Richard Stroetmann und den wissenschaftlichen Mitarbeitern Thomas Faßl und Lars Werner, wurde auf der Reise quer durch Deutschland bis in das Saarland ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm geboten.

Talbrücke Münchholzhausen an der A45 bei Wetzlar

Talbrücke Münchholzhausen an der A45 bei Wetzlar (Foto: TU Dresden)

Die erste Anlaufstelle war das Stahlbauunternehmen Christmann & Pfeifer in Angelburg. Neben Informationen zum Unternehmen und den Arbeitsfeldern der Ingenieure erhielten die Teilnehmer detaillierte Einblicke in die Stahlbaufertigung. Anschließend ging es zur Talbrücke Münchholzhausen an der A45 bei Wetzlar, die als Neubau in Stahlverbundbauweise die vorhandene Spannbetonbrücke ersetzt. Die Konstruktion und Montage dieser Brücke wurde von Vertretern des Stahlbauunternehmens Donges SteelTec eindrucksvoll und ausführlich erläutert. Zur Übernachtung besuchte die Gruppe die an der Lahn gelegene Domstadt Limburg, in der die Exkursionsteilnehmer beim Abendessen in der Altstadt die Eindrücke des ersten Tages Revue passieren lassen konnten.

Montagezustand der Hochmoselbrücke nach dem 4. Verschub

Montagezustand der Hochmoselbrücke nach dem 4. Verschub (Foto: TU Dresden)

Am Morgen des zweiten Tages ging es zur imposanten Baustelle der Hochmoselbrücke, dem zurzeit größten Stahlbrückenbauprojekt nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Die in Stahlbauweise konzipierte Deckbrücke überspannt mit 11 Feldern und einer Gesamtlänge von knapp 1,7 km das Moseltal. Dabei weist das Stromfeld mit ca. 210 m die größte Spannweite auf. Um neben der Stahlbaufertigung und -montage auch einen Einblick in die Stahlerzeugung zu erhalten, führte die Reise im Anschluss zum Stahlwerk der Dillinger Hütte. Dort konnten die Studierenden aus nächster Nähe die Stahlerzeugung im Hochofen und die Weiterverarbeitung zu Grobblechen im Walzwerk erleben. Nach dieser eindrucksvollen Werksbesichtigung erreichte die Gruppe am Abend ihr Nachtquartier in der Stadt Wiesbaden.

Querschnitt der neuen Schiersteiner Brücke im Stromfeld auf der Wiesbadener Seite

Querschnitt der neuen Schiersteiner Brücke im Stromfeld auf der Wiesbadener Seite (Foto: TU Dresden)

Der letzte Exkursionstag begann mit dem Besuch des Ersatzneubaus der Schiersteiner Brücke, die mit 14 Feldern und einer Gesamtlänge von rund 1280 m die Städte Mainz und Wiesbaden verbindet. Für den sechsspurigen Ausbau weisen die beiden Überbauten eine Breite von jeweils 21,7 m auf. Die Neubauten sind als Balkenbrücken mit stark gevoutetem Querschnitt über den Strompfeilern konzipiert.

 

In Anschluss fuhr die Exkursionsgruppe zu Donges SteelTec nach Darmstadt. Zu den Kernkompetenzen des Unternehmens zählen der Brücken-, Kraftwerks-, Sportstätten-, Industrie- und Hallenbau. Mit einer produzierten Jahrestonnage von etwa 25.000 t und ca. 350 hochqualifizierten Mitarbeitern gehört Donges SteelTec zu den führenden Stahlbauunternehmen Deutschlands.

Walzenwehr Viereth-Trunstadt

Walzenwehr Viereth-Trunstadt (Foto: TU Dresden)

Auf dem Rückweg nach Dresden führte die Fahrt noch zum Main-Wehr Viereth in die Nähe von Bamberg. Das 1924 errichtete Bauwerk besteht aus einem zweifeldrigen Walzenwehr, einem Maschinenhaus und einer Schleusenanlage. Da die Walzen nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen, Korrosions- und Ermüdungsschäden aufweisen, starke Schwingungen und ausgeprägte Leckagen auftreten, werden sie durch neue, hydraulisch angetriebene Drucksegmente ersetzt.

Die Stahlbauexkursion 2015 wurde finanziell durch die Fakultät Bauingenieurwesen und die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Technischen Universität Dresden unterstützt. Hierfür ein herzliches Dankeschön von den Studierenden und Organisatoren. Ein besonderer Dank geht ebenso an die einladenden Unternehmen, Behörden und deren Vertreter und Mitarbeiter, die nicht nur die gelungenen Besichtigungen ermöglichten, sondern auch für eine gute Verpflegung gesorgt haben.
Lesetipp:

Stahlbau-Kalender 2016 – Eurocode 3 – Grundnorm, Werkstoffe und Nachhaltigkeit
Kuhlmann, Ulrike (Hrsg.)

Stahlbau-Kalender 2016

Cover Stahlbau-Kalender 2016

Der verantwortungsbewusste Umgang mit Rohstoffen ist der Dreh- und Angelpunkt von Nachhaltigkeit – für den Stahlbau bedeutet dies vor allem den ressourcenschonenden Einsatz durch optimierte Konstruktionen. Nachhaltigkeit und Ökobilanzierung in der praktischen Umsetzung ? dies fordert und fördert die Stahlindustrie. Verbundforschungsvorhaben mit Industrie-Forschungsmitteln des Stahlbaus (FOSTA) konnten die Nachhaltigkeit der Stahlbauweise im Hochbau und im Brückenbau nachweisen: Das hohe Verformungsvermögen, die Anpassbarkeit an beliebige, geometrisch generierte Formen und die komplette Recyclingfähigkeit sind klare Vorteile von Baustahl in Ökobilanzen. Edelstahl ist außerdem weitgehend korrosionsbeständig und eignet sich deshalb für ganz bestimmte Anwendungen, was einen höheren Preis rechtfertigen kann. Aliminium bringt darüber hinaus eine Gewichtsersparnis, die sich positiv auf ein Gesamtkonzept auswirken kann. Für die Anwendungsgebiete dieser Werkstoffe im Geschossbau, bei der Aufstockung von Bestandsgebäuden, für moderne Gebäudehüllen in Stahlleichtbauweise u. a. ist Nachhaltigkeit kein leeres Versprechen, vorausgesetzt, Ingenieure verfügen über die notwendigen Kenntnisse zum werkstoffgerechten Konstruieren und Bemessen.

Der Stahlbau-Kalender ist ein Wegweiser für die richtige Berechnung und Konstruktion im gesamten Stahlbau, er dokumentiert und kommentiert verlässlich den aktuellen Stand der Stahlbau-Regelwerke. Zur bauaufsichtlichen Einführung von Eurocode 3 werden seit der Ausgabe 2011 systematisch alle Teile der Norm mit ihren Nationalen Anhängen kommentiert.

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Datum 2. Dezember 2015
Autor Thomas Faßl
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