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Hamburger Gipfel: China weiterhin Wachstumsmotor für Europa

China bleibt für die europäische Wirtschaft der entscheidende Partner für die Entwicklung von Handel und Wohlstand. Trotz der aktuellen Wachstumsschwäche bleibe das Land auf der Überholspur, sagte Fritz Horst Melsheimer, der Präses der Handelskammer Hamburg, am Donnerstag, den 29. November, auf der Konferenz “The Hamburg Summit – China meets Europe”. China ziehe als Wachstumsmotor auch die Länder der EU, die unter Schuldenproblemen leiden. So fasste der Gastgeber der Konferenz mit 400 führenden Politikern, Unternehmern und Wissenschaftlern die Beratungen des ersten Tages zusammen.

Der chinesische Wissenschaftsminister Wan Gang und andere chinesische Vertreter erklärten, die Wirtschaftsleistung des Landes werde sich bis zum Jahr 2020 abermals verdoppeln. China werde jedoch mehr Wert auf die Entwicklung der heimischen Märkte legen und die einseitige Orientierung auf die Exportwirtschaft korrigieren. Wan Gang rief zu einer engeren Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Entwicklung auf. “Wir werden eine neue Seidenstraße bauen, eine Brücke zwischen China und Europa”, sagte er.

Für China sei es eine Schlüsselaufgabe, zu einer innovationsgetriebenen Entwicklung seiner Wirtschaft zu gelangen. Dazu gehörten nicht nur der Ausbau der Infrastruktur, von Universitäten und Laboratorien, Verkehrswegen und Gesundheitsvorsorge. Die chinesische Wirtschaft benötigt einen Modernisierungsschub, um Energie und Rohstoffe sparsamer einzusetzen und insgesamt effektiver zu werden. Dazu müsse einerseits die Zusammenarbeit zwischen Europa und China auf den Feldern von Wissenschaft und Technologie vertieft werden. Andererseits müsse China selbst seine Anstrengungen und Investitionen in Forschung und Entwicklung verstärken.

EADS-Chef Thomas Enders sagte, nur China habe die finanziellen und industriellen Voraussetzungen, um neben Boeing und Airbus in den Bau großer ziviler Flugzeuge einzusteigen. EADS werde weiter in den chinesischen Markt investieren, um Teil der Erfolgsgeschichte des Landes zu sein.

Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, sieht die chinesische Währung auf dem Weg zur dritten Weltwährung neben dem US-Dollar und dem Euro. “Das mag noch zehn Jahre dauern, aber es wird positive Auswirkungen haben”, sagte Fitschen.

Das Hamburger Regionalproblem der verzögerten Elbvertiefung spielte mehrfach eine Rolle bei der eher weltwirtschaftlich ausgerichteten Konferenz. Zunächst hatte der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) den Teilnehmern finanzielle Erleichterungen und Rabatte bei der Abfertigung sehr großer Schiffe im Hamburger Hafen angekündigt. Rund ein Drittel des Containerumschlags hängt an China; gegenwärtig stagniert der Hafen, weil der China-Verkehr zurückgeht.

China Shipping müsse wegen der mangelnden Wassertiefe der Elbe einen Teil der Ladung von Hamburg zu Konkurrenzhäfen umlenken, zum Beispiel nach Rotterdam, sagte Xu Lirong, der Präsident der Reederei. Gleichzeitig sprach er dem Hamburger Hafen sein Vertrauen aus, wegen guter Verkehrsanbindungen und der hohen Umschlag- und Umweltqualität. Er sei zuversichtlich, dass die Ladung nach Hamburg zurückkehren werde. Die Vertiefung der Elbe ist vorübergehend gestoppt, bis das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig darüber entscheidet. Das Urteil wird im zweiten Halbjahr 2013 erwartet; sicher ist das jedoch nicht.

Datum 30. November 2012
Autor dpa
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