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Einen Besuch wert

Hauptbahnhof Kiel

Bild 1. Neue und alte Bahnsteighalle des Kieler

Bild 1. Neue und alte Bahnsteighalle des Kieler (Foto: Arne Biederbeck )

Der 1905 fertiggestellte Kopfbahnhof mit dreischiffiger Bahnsteighalle wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und in vereinfachter Form wiederaufgebaut. Bis 2006 wurde der Bahnhof wieder aus seinem Dornröschenschlaf erweckt. Neben der Revitalisierung des historischen Eingangsgebäudes wurde die Bahnsteighalle, die wegen Gründungsschäden nicht mehr standsicher war, teilweise erneuert und verlängert. Ziel war es durch eine reduzierte Konstruktion einen lichtdurchfluteten Ankunftsort zwischen Kieler Förde und Stadt zu schaffen: Gewählt wurde eine postmoderne Bogen-Stahldach Konstruktion, welche die historischen Formen modern interpretiert (Bild 1).

Bild 2. Die neue Bogen-Stahldach Konstruktion mit V-förmige Anordnung der Rundbögen

Bild 2. Die neue Bogen-Stahldach Konstruktion mit V-förmige Anordnung der Rundbögen (Zeichnung: SEH Engineering)

Die Bahnsteighalle der neuen Generation ist 121 m lang und insgesamt 55 m breit und führt die dreischiffige Typologie der alten Halle mit Rundbogenkonstruktion fort: Der Baukörper zerfällt nicht in Alt und Neu und bleibt im Stadtbild als einheitliches Bauwerk erhalten. Durch die V-förmige Anordnung der Rundbögen kann der geforderte größere Achsabstand von 22,50 Metern umgesetzt werden (Bild 2). Die längs laufenden Kräfte werden durch Fachwerkbinder entlang der Bahnhofshallen abgetragen (Bild 3). Oberhalb des Bogentragwerkes befindet sich eine tragende Trapezblechkonstruktion mit Stehfalzdeckung. Die Unterseite des Daches wurde mit einer abgehängten Decke aus gekanteten Alukassetten mit Lochung und akustisch wirksamer Auflage ausgebildet. Die Dachebene wird quer zu den Gleisen durch linsenförmige Oberlichter durchbrochen. Die großflächigen Dachfenster und die verglasten Fassaden sorgen für gleichmäßige Belichtung der Bahnsteighalle (Bild 4). Mit einer Montage- und Schutzplattform oberhalb der Gleise konnten die Arbeiten bei laufendem Bahnhofsbetrieb durchgeführt werden (Bild 3).

Bild 3. Die seitlichen Fachwerkbinder verschwinden in der Dachebene

Bild 3. Die seitlichen Fachwerkbinder verschwinden in der Dachebene (Foto: SEH Engineering)

Der Hauptbahnhof Kiel ist einen Besuch wert, weil hier „zwei Generationen Bahnhofshalle mit eindeutiger Familienzugehörigkeit nebeneinander stehen“ sagt Bernhard Gössler. Dieses Miteinander scheint auch aus heutiger Sicht mehr als gelungen (Bild 5). Und nebenbei, der Bahnhof ist perfekt zwischen dem Stadtzentrum und der Kieler Förde gelegen – der Stadthafen ist nur wenige hundert Meter entfernt (Bild 6).

 

Hauptbahnhof Kiel
Sophienblatt 25-27
24114 Kiel

Architektur: Gössler Kinz Kerber Schippmann Architekten, Hamburg

Generalplaner: DE Consult

Prüfingenieure: Ingenieurteam Trebes, Kiel

Technische Gebäudeausrüstung: KMO Ingenieure, Eschwege

Stahlbau: SEH Engineering, Hannover

Fassade: seele, Gersthofen

Metalldachsystem: Zambelli, Grafenau

Tiefbau: Michel Spezialtief- und Verkehrswegebau, Neumünster

Bauherr: DB Station & Service

Bild 5. Bahnsteighalle Kiel: alt und neu harmonisch nebeneinander

Bild 5. Bahnsteighalle Kiel: alt und neu harmonisch nebeneinander (Foto: A. Kiefer)

Bild 6. Nicht weit vom Hauptbahnhof: Kieler Förde und Stadthafen

Bild 6. Nicht weit vom Hauptbahnhof: Kieler Förde und Stadthafen (Foto: J. Kärcher)

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