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Einen Besuch wert

Hauptbahnhof Salzburg

Schnitt durch den neuen Hauptbahnhof Salzburg

Schnitt durch den neuen Hauptbahnhof Salzburg (kadawittfeldarchitektur)

Der Salzburger Bahnhof wurde 1860 vom österreichischen Kaiser Franz Joseph I. und dem bayerischen König Maximilian II. als gemeinsamer Grenzbahnhof eröffnet. Ein Mittelbahnsteig mit Tonnengewölbe-Stahlhallen und eine Jugendstil-Empfangshalle wurden 1908 hinzugefügt. Im Laufe der Jahre gab es weitere Umbauten und Reparaturen. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs wurden die alten Ost-West-Verbindungen wiederbelebt und Salzburg als wichtigster Verkehrsknotenpunkt im Westen Österreichs gestärkt. Den Wettbewerb für Umbau und Modernisierung zum reinen Durchgangsbahnhof gewann 1999 kadawittfeldarchitektur.

Restaurierte Stahlkonstruktion mit Nietkopfschrauben

Restaurierte Stahlkonstruktion mit Nietkopfschrauben (Zeman & Co)

„Die Wahl für das Material Stahl bereits für den Bau des ursprünglichen Bahnhofs bot die Möglichkeit für bauliche Anpassungen und statische Ertüchtigungen, der Bahnhof Salzburg ist somit ein wirklich schönes Beispiel für nachhaltiges Bauen!“ sagt Stahlbauer Peter Zeman zum Umbau, der 2009 begann. Die Stahlkonstruktion der beiden denkmalgeschützten Tonnendächer wurde demontiert, im Werk saniert und in leicht versetzter Lage mit wenigen neuen Bauteilen ergänzt wiederaufgebaut. Dabei wurden die alten Nieten aus statisch-konstruktiven Gründen durch Nietkopfschrauben ersetzt. Die Eindeckung erfolgte mit neuer Unterkonstruktion und transluzenter PTFE-Membran, so dass die alte Stahlkonstruktion nur an gezielten Punkten belastet wird und gut zur Geltung kommt. Die neuen, großflächigen Bahnsteigdächer schmiegen sich berührungsfrei um die historischen Stahlhallen (Bild 3) und aufwölbende Überlappungen sorgen für Regendichtheit. Zur perfekten Herstellung der verwundenen Schweißträger wurden eigens entwickelte Universalschablonen verwendet. Die modernen Großflächendächer sind über den Gleisen mit pneumatischen ETFE-Folienkissen eingedeckt. Im Brandfall schmelzen diese planmäßig ab, so dass Hitze und Rauch abziehen können und auf Brandschutzanstriche oder gar Brandschutzbekleidung verzichtet werden konnte. Der Umbau erfolgte bei laufendem Betrieb in drei Etappen und wurde 2014 abgeschlossen.

Der modernisierte und umgebaute Hauptbahnhof Salzburg ist einen Besuch wert: „Weil er die Architektur

der Kaiserzeit mit Gegenwart und Zukunft verbindet“ ist sich Peter Zeman sicher. Und nebenbei: der neu geordnete Hauptbahnhof Salzburg ist ein lichtdurchfluteter öffentlicher Raum mit ganz viel Aufenthaltsqualität.

Die neuen, durchgehenden Fernbahnsteige und der S-Bahnanschluss gemeinsam unter den modern ergänzten Tonnengewölben von 1908

Die neuen, durchgehenden Fernbahnsteige und der S-Bahnanschluss gemeinsam unter den modern ergänzten Tonnengewölben von 1908 (Taufik Kenan/ kadawittfeldarchitektur)

Der neue Salzburger Hauptbahnhof ist ein wichtiger Verkehrsknoten und verbindet Stadtteile

Der neue Salzburger Hauptbahnhof ist ein wichtiger Verkehrsknoten und verbindet Stadtteile (Helmut Pierer / kadawittfeldarchitektur)

 

Hauptbahnhof Salzburg
Südtiroler Platz 1, 5020 Salzburg
www.salzburg.info/de/reiseinfos/anreise-verkehr/bahn/salzburg-hauptbahnhof

 

Architektur: kadawittfeldarchitektur Aachen

General-Tragwerksplaner: werner consult Wien

Stahlbauplaner Hauptdächer, Bahnsteigdächer, Y-Stütze, historische Halle: raunicher + partner Wien

Tragwerksplanung Glas-, Membran- und Foliendächer: TSB Ingenieurgesellschaft Darmstadt

Brandschutz: Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung Linz

Stahlbau: Zeman & Co Wien

Bauherr: ÖBB Infrastruktur Wien

Solid Bautechpreis 2012, European Steel Design Award 2013, 2. Platz Österreichischer Stahlbaupreis 2013, Staatspreis Design 2013, Nominierung German Design Award 2016, Auszeichnung Architekturpreis Land Salzburg 2016

 

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Datum 23. Mai 2019
Autor Bernhard Hauke
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