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Vermischtes

Henning Larsen, der Doyen der dänischen Architekten gestorben

In jüngster Zeit hatte ihm sein jugendlicher Landsmann und Hansdampf Bjarke Ingels mit krassen Medienhypes ein wenig die Schau gestohlen. Doch gebaut hat Henning Larsen auch in den vergangenen Jahren mehr als alle anderen dänischen Architekten, und so galt er als Doyen der dänischen Architekten in der Tradition eines Arne Jacobsen und des nur sieben Jahre älteren, 2008 verstorbenen Jørn Utzon, des Architekten der Sydney Opera.

Ein Opernhaus hat freilich auch er in seinem Portfolio, etwas weniger bekannt, aber mit dem weit über den Hafen auskragenden Dach kaum weniger spektakulär. Es ist die Königliche Oper in Kopenhagen, die der Industrielle und Containerschiff-Reeder Arnold Mærsk Mc-Kinney Møller 2001-04 von Larsen errichten ließ, damals ein umstrittenes Projekt, weil der Mäzen sich von den Stadtoberen nicht dreinreden ließ und selbstherrlich über Architektur und Ausstattung bestimmte.

Der 1925 in Opsund in Westjütland geborene, in London an der AA und in Kopenhagen ausgebildete Architekt begann seine Arbeit als Vertreter des Strukturalismus und kam in den siebziger Jahren zu einer rationalistischeren, auch Tradition und Kontext berücksichtigenden Architektursprache. Der internationale Durchbruch gelang ihm erst 1979 mit dem Bau des Außenministeriums im saudiarabischen Riyadh, wo er anschließend auch die dänische Botschaft errichtete. Es folgten zahlreiche Wettbewerbserfolge hauptsächlich für öffentliche Bauten.

Larsen war es gelungen, bis ins hohe Alter ein schlagkräftiges und kreatives Büro zu führen, das mit seiner Kapazität die Grenzen des kleinen skandinavischen Landes sprengte und immer mehr internationale Erfolge verzeichnen konnte. Im vorigen Jahr erst wurde er mit dem vom japanischen Kaiserhaus gestifteten Praemium Imperiale ausgezeichnet, dem in vier Sparten vergebenen Kunstpreis, der als „Nobelpreis für Kunst“ gilt und der in der Sparte Architektur diesbezüglich mit dem Pritzker-Preis konkurriert. 2013 gab es dann den Mies van der Rohe-Preis für das Konzert- und Konferenzhaus Harpa in Reykjavik, das auch wegen seiner schillernden, von Ólafur Elíasson gestalteten Glasfassade bekannt geworden ist.

Deutschland verdankt ihm die Kunsthalle in Schwäbisch Hall, die den Namen des Stifters, des Schraubenfabrikanten Würth trägt. 2001 entstanden, ist sie ein viel beachtetes Beispiel für modernes Bauen in einer mittelalterlich geprägten Altstadt. Von ganz anderem Schlag dagegen das Redaktionsgebäudes des SPIEGEL in Hamburg. An der Ericusspitze in der HafenCity bezog das Nachrichtenmagazin 2011 einen ob seiner Größe und Präsenz beeindruckenden Bürobau, dem merkwürdigerweise eines fehlt: ein angemessener Platz an der Fassade zur Anbringung des SPIEGEL-Logos.

Dafür hat er andere Qualitäten, für die Larsen gerühmt wurde, den Umgang mit dem Licht, das allen Skandinaviern besonders am Herzen liegt. Vollflächige Verglasungen, haushohe Fassadeneinschnitte und ein weitläufiges Atrium bringen die gewünschte Lichtfülle ins Haus und in den letzten Bürowinkel. Von diesen Qualitäten werden auch die Mitarbeiter von Siemens in der Münchner Hauptverwaltung profitieren können, die sich derzeit nach Plänen Henning Larsens in Bau befindet.

Larsen hat als beliebter und engagierter Hochschullehrer an der Architekturschule der Königlichen Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen von 1968 bis 1995 ganze Architektengenerationen in Dänemark geprägt. Auch Bjarke Ingels, der zunächst nur als Cartoonist  zeichnen lernen wollte, hat den nun im Alter von 87 Jahren verstorbenen Meister des Lichts dort noch zwei Jahre erlebt und (vielleicht durch ihn?) letztlich zur Architektur gefunden.

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Datum 26. Juni 2013
Autor Falk Jaeger
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