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Interview

Im Gespräch mit Matthias Kraus und Rolf Kindmann

Im Gespräch mit Matthias Kraus und Rolf Kindmann zu Buch und Seminar „FEM im Stahlbau“

Das Standardwerk „Finite-Elemente-Methoden im Stahlbau“ erscheint in zweiter Auflage. Bernhard Hauke hat mit den Autoren Prof. Dr.-Ing. Matthias Kraus (Bauhaus-Universität Weimar) und Prof. Dr.-Ing. Rolf Kindmann (Ingenieursozietät Schürmann – Kindmann und Partner SKP) über das Buch und die zugehörigen Weiterbildungsseminare gesprochen:

Das Buch „FEM im Stahlbau“ erscheint gerade in der zweiten Auflage. Was ist neu?

Prof. Dr.-Ing. Matthias Kraus

Prof. Dr.-Ing. Matthias Kraus (Privat)

Matthias Kraus: Die erste Auflage ist zu einem Zeitpunkt erschienen, zu dem in Deutschland die DIN 18800 in der praktischen Anwendung genutzt wurde. Mit der Neuauflage haben wir das gesamte Buch an die normativen Regelungen des Eurocodes angepasst und neue Anwendungsbeispiele aus der Baupraxis aufgenommen.
Rolf Kindmann: Die normative Umstellung machte natürlich auch eine umfassende Überarbeitung des Kapitels „Plattenbeulen“ notwendig. Hinzu kommt ein völlig neues und ausführliches Kapitel, das sich mit der plastischen Tragwerksberechnung befasst und die Fließzonentheorie der Praxis erstmals umfassend zugänglich macht. Ein entsprechendes Programm stelle ich übrigens kostenfrei auf meiner Webseite „kindmann.de“ zum Download zur Verfügung.
MK: Ergänzt wird die Thematik mit einem weiteren völlig neuen Kapitel zum nichtlinearen Materialverhalten des Stahls. Aktuell werden an meinem Lehrstuhl hierzu Entwicklungen im Zusammenhang mit der numerischen Erfassung in der Fließzonentheorie vorangetrieben.

Wieviel Praxisbezug bietet das Buch „FEM im Stahlbau“?
RK: Natürlich ist die FEM ein mathematisch-mechanisch geprägtes Verfahren, so dass für das Verständnis der Methodik theoretische Grundlagen unumgänglich sind. Insgesamt „lebt“ das Buch aber von den zahlreichen Berechnungsbeispielen, die sich auf über 100 Seiten des Buchs in verschiedenen Kapiteln verteilen und überwiegend aus unserer praktischen Tätigkeit inspiriert und aufgegriffen wurden. Es werden verschiedene Themen wie beispielsweise die Stabilitätsprobleme Biegeknicken, Biegedrillknicken und Plattenbeulen behandelt. Insofern wird dem Leser verdeutlicht, wofür sich die FEM im praktischen Alltag der Tragwerksplanung besonders eignet und wie sie hierzu einzusetzen ist.

Ab April gibt es deutschlandweit vier Seminare zum Buch. Welche Themen greifen Sie da auf?
MK: Im Rahmen der Seminare wollen wir natürlich eine gewisse „Breite“ anbieten und verschiedene Anwendungsgebiete aufgreifen, die für Teilnehmer interessant sein können. Einen Schwerpunkt bilden stabförmige Bauteile und Tragwerke sowie die damit verbundenen Stabilitätsprobleme, da sie in der Praxis von besonderer Bedeutung sind. In diesem Zusammenhang greifen wir auch die Fließzonentheorie auf, deren baupraktische Anwendung Prof. Lindner im Kommentar zur DIN 18800 Teil 2 schon Anfang der 1990er Jahre angeregt hat und die in Zukunft durch die computerorientierten Möglichkeiten immer stärker an Bedeutung gewinnen wird. Hinzu kommen Themen wie das Plattenbeulen oder auch FEM-Methoden zur Berechnung von Querschnittswerten und Spannungsverteilungen, die im Sinne eines Überblicks behandelt werden.

Bei FEM denkt mancher an ganz viel Theorie. Wen möchten Sie mit den Seminaren erreichen?

Prof. Dr.-Ing. Rolf Kindmann

Prof. Dr.-Ing. Rolf Kindmann (Privat)

RK: Erlauben Sie mir, hierzu meinen Doktorvater Prof. Roik zu zitieren: „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie!“. Das trifft es genau. In den Seminaren gilt es, die „gute Theorie“ als „praktisches Werkszeug“ zu veranschaulichen und den praktischen Einsatz der FEM als Hilfsmittel für statische Berechnungen zu vertiefen. Es geht also einerseits um das Verständnis der Methode, andererseits steht die sachgerechte Anwendung auf praktische Problemstellungen im Vordergrund.
MK: Dabei legen wir besonderen Wert darauf, die Einsatzmöglichkeiten der Methodik an zahlreichen Beispielen mit Bezug zur Baupraxis bzw. zum Nachweis der Tragsicherheit auf Grundlage des EC 3 vorzustellen. Das Seminar richtet sich also im Besonderen an Ingenieure, die sich mit den genannten Problemstellungen in der Praxis befassen.

Welchen Nutzen bieten die Seminare praktisch tätigen Tragwerksplanern und Berechnungsingenieuren?
MK: Zum einen wird das Verständnis für die Methode gefördert, zum anderen wird den Teilnehmern der zielführende Einsatz für unterschiedliche Problemstellungen der Stahlbaupraxis veranschaulicht.
RK: Zusammenfassend geht es darum, Tragfähigkeitsnachweise mit Hilfe der FEM schnell und sicher führen zu können.

Seminare FEM im Stahlbau
Die Weiterbildungsseminare der Buchautoren „FEM im Stahlbau: Tragsicherheitsnachweise auf Grundlage des Eurocode 3“ finden an folgenden Terminen statt:
2. April 2020 Stuttgart/Ostfildern
24. April 2020 Düsseldorf
27. Mai 2020 Leipzig
19. Juni 2020 Hamburg
Die Teilnehmer erhalten das neue Buch „Finite-Elemente-Methoden im Stahlbau“ als Studienunterlage. Weitere Informationen zum Seminar sowie Anmeldung unter www.ernst-und-sohn.de/fem-stahlbau

Matthias Kraus und Rolf Kindmann: Finite Elemente Methoden im Stahlbau

Matthias Kraus und Rolf Kindmann: Finite Elemente Methoden im Stahlbau (Privat)

Matthias Kraus, Prof. Dr.-Ing., Bauingenieurstudium Technischen Universität Darmstadt, 2001-2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter Ruhr-Universität Bochum, 2005-2010 Oberingenieur RUB, 2010-2015 Abteilungsleiter Tragwerksplanung Ingenieursozietät Schürmann – Kindmann und Partner Dortmund, seit 2015 Professor für Stahl- und Hybridbau Bauhaus-Universität Weimar.

Rolf Kindmann, Prof. Dr.-Ing., Bauingenieurstudium an der Ruhr-Universität Bochum, 1974-1979 wissenschaftlicher Mitarbeiter Ruhr-Universität Bochum, 1979-1989 Thyssen Engineering u.a. Hauptabteilungsleiter Technische Büros, 1990-2014 Professor für Stahl- und Verbundbau an der Ruhr-Universität Bochum, seit 1991 Ingenieursozietät Schürmann – Kindmann und Partner SKP Dortmund.

Buch “Finite-Elemente-Methoden im Stahlbau”
Autoren: Kraus, Matthias / Kindmann, Rolf
Link zum Buch finden Sie hier

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Datum 14. Februar 2020
Autor Bernhard Hauke
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