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Bauen digital

„Im Rahmen des modularen Bauens wird die Digitalisierung höchst sinnvoll genutzt“

7 Fragen an Ingo Heesemann, (Leiter der Forschung und Entwicklung bei B.T. innovation GmbH)

Dr. Ing. Ingo Heesemann

Dr. rer. nat. Ingo Heesemann

Dr. rer. nat. Ingo Heesemann (B.T. innovation GmbH)

– 2005-2010 Studium der Chemie an der Universität Bielefeld.

– 2014 Promotion an der Universität Bielefeld im Arbeitsbereich makromolekulare und organische Chemie über die kontrollierte Darstellung von Gold-Nanopartikel Dimeren und Trimeren.

– Seit 2014 bei der B.T. innovation GmbH als Projektleiter Forschung und Entwicklung und seit 2016 als Leiter der Forschung und Entwicklung.

 

 

  1. Megatrend Modulares Bauen: Herr Heesemann, sehen Sie einen Zusammenhang zwischen modularem Bauen und der Digitalisierung des Bauens?

Die Digitalisierung beschäftigt die Baubranche derzeit stark und wird diese auch nachhaltig verändern, unabhängig vom modularen Bauen.

In meinem Tätigkeitsfeld zeigt sich regelmäßig, dass Arbeit, die am Anfang in ein Projekt investiert wird, sich positiv auf den Projektverlauf auswirkt. Es werden Fehler vermieden, Sackgassen Umfahren und klare Ziele erarbeitet, die es zum erfolgreichen Projektabschluss zu realisieren gilt. Mit einem klaren Ziel vor Augen ist die Gefahr des Verzettelns und des zu viel Drum-herum-machens, abseits des roten Fadens, deutlich geringer. Durch die Digitalisierung des Bauens werden vergleichbare Wege beschritten: Es werden im Vorfeld klare Strukturen geschaffen, Ziele definiert und ein fertiges Objekt digital vorgeplant, ehe es in die Ausführung kommt. Jeder Projektteilnehmer weiß von vornherein, was benötigt wird, plant entsprechende Ressourcen ein und kann klare Aussagen zu Kosten und Projektlaufzeiten geben. Dieses hohe Maß an Transparenz steigert die Zufriedenheit aller beteiligten, vom Bauherrn angefangen, der weiß, ab wann er mit dem Objekt rechnen darf, bis zum ausführenden Unternehmen, welches die Kostenseite sehr gut überblicken kann.

Im Rahmen des modularen Bauens wird die Digitalisierung höchst sinnvoll genutzt. Durch Vorplanung und Vorfertigung der Module werden kurze Bauzeiten und Qualität gewährleistet. Am Ende haben alle etwas davon: Die Modulbauer haben ein hohes Maß an Wertschöpfung im eigenen Haus, die Monteure können mit wenig Man-Power schnelle Montagezeiten erzielen und letztendlich gibt es einen zufriedenen Endkunden.

  1. Der ThermoPin aus Ihrer Verbindungstechnik-Sparte erfährt in Ihrem Hause als erstes Produkt die volle Integration in Planbar von Nemetschek Precast. Können Sie unseren Lesern Ihre Entscheidung zu diesem Schritt erläutern?
Der bauaufsichtlich zugelassene ThermoPin ist ein Verbundanker aus Glasfaserkunststoff. Er verbindet praktisch Wärmebrückenfrei die Vorsatz- und Tragschale kerngedämmter Wände.

Der bauaufsichtlich zugelassene ThermoPin ist ein Verbundanker aus Glasfaserkunststoff. Er verbindet praktisch Wärmebrückenfrei die Vorsatz- und Tragschale kerngedämmter Wände. (B.T. innovation GmbH)

Der ThermoPin ist ein bauaufsichtlich zugelassenes Produkt, welches Vorsatz- mit Tragschalen kerngedämmter Wände praktisch wärmebrückenfrei verbindet. Die Anzahl der einzubauenden ThermoPins wird für jede Wandplatte unter Berücksichtigung der zu erwartenden Kräfte einzeln berechnet und entsprechend der Geometrie des Wandelements werden die Pins auf der Fläche verteilt. Das Berechnen und Einzeichnen der ThermoPins kann händisch erfolgen, stellt dann aber einen sehr langsamen und ineffizienten Arbeitsschritt dar. Den Schritt des Einzeichnens und Einplanen des ThermoPins wollten wir beschleunigen, gleichzeitig Arbeitskraft im eigenen Haus einsparen und dadurch die Wirtschaftlichkeit des ThermoPins erhöhen. Das Arbeiten mit dem Verbundanker soll so einfach wie möglich gehalten werden. Durch die Integration in die Software geben wir den Planbar-Usern alles für ein selbstständiges Arbeiten mit dem ThermoPin in die Hand. Planbar wurde als Softwareumgebung auserkoren, da in unseren derzeitigen Kernmärkten diese Software eine gute Marktdurchdringung hat und mehrere Nutzer des ThermoPins die Software bereits einsetzen. Wir kommen also mit diesem Schritt unseren Kunden entgegen und erhöhen deren Zufriedenheit und beschleunigen die Planungsprozesse. Die Integration in weitere Softwares unserer Planungsrelevanten Produkte wird sicherlich folgen.

  1. Wann wird das BT-Spannschloss folgen und: schreckt Sie der denkbare Vorwurf, dass Sie keinem OPEN-BIM-Ansatz folgen?

Hier müssen wir zwischen dem einfachen Zur-Verfügung-stellen von Daten in einer BIM-Umgebung und dem produktgerechten Einplanen in die jeweiligen Bauwerke unterscheiden. Wir wollen nicht nur das Produkt in BIM-Software hinterlegen, sondern auch planerische Tätigkeiten über die Softwaretools unterstützen. Nicht jeder Software-Anbieter kann diese Anforderung erfüllen.

Das bauaufsichtlich zugelassene BT-Spannschloss zum „trockenen“ und sofort belastbaren verbinden von Betonfertigteilen. Durch einzuplanende Einschraubhülsen und Aussparungen wird die Spannschlossverbindung aufgebaut.

Das bauaufsichtlich zugelassene BT-Spannschloss zum „trockenen“ und sofort belastbaren verbinden von Betonfertigteilen. Durch einzuplanende Einschraubhülsen und Aussparungen wird die Spannschlossverbindung aufgebaut. (B.T. innovation GmbH)

Wir haben anhand der Integration des ThermoPins in Planbar vieles gelernt – Positives und Negatives. Mit diesen Erfahrungen werden wir weitere Produkte in BIM-Software integrieren, wobei das BT-Spannschloss eines der nächsten Produkte sein wird. In welcher Umgebung das BT-Spannschloss dann zur Verfügung stehen wird, hängt maßgeblich von den verwendeten Software-Umgebungen unserer Kunden ab und ist vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit abzuwägen. Auch der ThermoPin wird zukünftig nicht allein in Planbar integriert sein.

Die optinale Vermörtelung des BT-Spannschlosses lässt die Verbindungstelle in der Wand verschwinden.

Die optinale Vermörtelung des BT-Spannschlosses lässt die Verbindungstelle in der Wand verschwinden. (B.T. innovation GmbH)

Ich vermute, dass, wenn sich BIM auf allen Ebenen durchgesetzt hat, angefangen bei den Herstellern bis zu den Planern, es auch gar nicht wichtig ist, in welcher Softwareumgebung der einzelne arbeitet, sondern Standards definiert sind, die ein fehlerarmes und systemübergreifendes Kommunizieren ermöglichen – also wirklich gelebtes OPEN-BIM. Da mittel- und langfristig die Anzahl an planungsrelevanten Produkten im BT-Portfolio steigen werden, streben wir letztendlich auch eine eigene, in gängige BIM Software integrierbare Planungsumgebung für die Eigenprodukte an, das geht ja nun schon in die OPEN-BIM Richtung. Dieser Ansatz ist für uns die zukunftsträchtigere Variante, da wir Anpassungen, etwa bei neu erteilten Zulassungen, selbst vornehmen können.

  1. Wenn wir jetzt einmal bewusst von den Software-Platzhirschen absehen: Welche Rolle räumen Sie den vielen verschiedenen BIM-Lösungen ein, die es derzeit (noch) auf dem Markt gibt?
Beispiel einer Sandwichwand. Der ThermoPin verbindet die Tragschale mit der Vorsatzschale und durchdringt dabei die Dämmung. Durch den Einsatz des ThermoPin-Tools ist die Platzierung und Mengenermittlung automatisiert.

Beispiel einer Sandwichwand. Der ThermoPin verbindet die Tragschale mit der Vorsatzschale und durchdringt dabei die Dämmung. Durch den Einsatz des ThermoPin-Tools ist die Platzierung und Mengenermittlung automatisiert. (B.T. innovation GmbH)

BIM, PIM, TIM … usw. Man hat langsam das Gefühl, den Überblick über das aktuelle Geschehen zu verlieren. BIM steht nicht mehr nur in den Startlöchern, es läuft bereits und wie in vielen laufenden Produktanwendungen, wird es immer wieder Neuerungen geben. Diese mögen sinnvoll und zielführend sein, können aber auch vom Markt nicht unbeachtet bleiben oder gar abgelehnt werden.

Auf einige gute Ideen werden auch erfolgreiche Unternehmen aufgebaut werden. Ein Problem der kleinen Firmen ist, dass ein gutes Alleinstellungsmerkmal wahrscheinlich nicht ausreicht, um an den Platzhirschen in einem von denen bedienten Markt vorbei zu ziehen. Ich gehe davon aus, dass sich in ein paar Jahren der Markt bereinigt hat und die Unternehmen, die gute Lösungen bieten, bestehen und die Unternehmen, die das eben nicht tun, von der Bildfläche verschwinden werden. Aber wer sagt, dass es nicht auch einen Platzhirsch treffen kann? Es wäre äußerst Schade, wenn immer nur die Platzhirsche überleben würden. Diese sind gewöhnlich träger als die jungen Wilden, die nur überleben können, wenn ihre Innovationen auch greifen und den Kunden einen echten Vorteil verschaffen.

  1. Ziel Ihres Unternehmens ist es u. a. Arbeitsprozesse mit qualitativ hochwertigen Produkten zu vereinfachen und damit zu beschleunigen. Wie sieht da Ihre Strategie hinsichtlich Planungsportalen aus?

Wenn wir unsere Kunden fragen, welche CAD-Systeme sie benutzen, bekommen wir eine ellenlange Liste. Aus dieser Liste die Softwareumgebung herauszusuchen, die am sinnvollsten ist, ist schwierig. Planungsportale bieten hier den Vorteil der Systemübergreifenden Integration von CAD-Daten.

Doch wie zuvor beschrieben, sind wir nicht ausschließlich nur an einer zur Verfügung Stellung von CAD-Daten interessiert, die Daten müssen auch planungsgerecht, ohne viel Aufwand vom Kunden verarbeitet werden können. Dafür haben wir bislang noch kein geeignetes Planungsportal gefunden, sodass wir für uns noch keinen Mehrwert ableiten konnten.

Parallel ergibt sich aus der Vielzahl an Planungsportalen wieder die Schwierigkeit: Welches ist das Portal meines Vertrauens? Womit erreiche ich die meisten Kunden? Auch hier vermute ich, dass sich der Markt im Bereich der Planungsportale früher oder später bereinigen wird und wir erneut vor der Entscheidung stehen, ob Planungsportale für uns geeignete Kanäle darstellen, um besser mit dem Kunden in Kontakt zu kommen.

  1. B.T. innovation versteht sich auch als Beratungsdienstleister. Folgt Ihr Unternehmen da nur einem derzeit unübersehbaren Trend, oder mit welchem Ziel ist man da in Ihrem Hause unterwegs?
Die BT-Spannschloss-Familie. Je nach Anwendungsfall können Spannschlösser in den Größen M12, M16 und M20 als verzinkter Temperguss oder Edelstahl eingesetzt werden

Die BT-Spannschloss-Familie. Je nach Anwendungsfall können Spannschlösser in den Größen M12, M16 und M20 als verzinkter Temperguss oder Edelstahl eingesetzt werden (B.T. innovation GmbH)

B.T. betreibt Beratung auf sehr vielen Ebenen. Wir handeln, erfinden und entwickeln ständig Produkte, die es so noch nicht gegeben hat. Ein Beispiel ist das B.T.-Spannschloss, welches genutzt wird, um zwei oder drei Betonfertigteile einfach auf der Baustelle zusammen zu schrauben. Eine simple Idee, die der Neukunde so aber nicht kennt. Der Planer weiß nicht, wie er das Produkt im Rahmen seiner Tragwerksplanung einsetzen soll, der Monteur kennt nicht die Vorteile, wenn er Betonfertigteile mit dieser Technik verbindet. Diese Wissenslücken schließen wir gerne. Da wir zudem ein sehr breites Produktportfolio haben, können wir im Rahmen der Produktberatung auch ganze Systemlösungen erarbeiten und anbieten, etwa eine zum BT-Spannschloss passende Fugenabdichtung. Wir bekommen über die Beratung einen zufriedenen Kunden, bekommen Feedback zu unseren Produkten und können diese kontinuierlich an die Marktbedürfnisse anpassen.

Daneben beraten unsere unabhängigen Spezialisten auch beispielsweise Kunden, die ein Fertigteilwerk modernisieren, umbauen oder neu planen. Im Fokus steht immer der Kunde und die Lösung seiner Aufgabe.

  1. Sehen Sie im Bereich dieses Consultings einen zunehmenden Trend hin zu BIM- und Digitalisierungsthemen und wenn ja, in welchen Bereichen Ihrer Kundschaft?

Von Planungsbüros kommen öfters Anfragen herein, ob wir die BIM relevanten Produkte digital zur Verfügung stellen können. Anfragen dieser Art sind gewiss zunehmend, aber noch nicht alltäglich. Erstaunlich ist, dass neben größeren Planungsbüros, insbesondere junge Architekten und Planer stärker auf BIM fokussiert sind. Diese wachsen mit der Technik auf, lernen sie von Anfang an, sodass BIM eine immer stärke Marktdurchdringung erreichen wird. Die Beschaffung der relevanten Produktinformationen ist im Wandel hin zum Digitalen. Sollten wir die benötigten Unterlagen noch nicht digital haben, erstellen wir diese jederzeit gerne.

 

Haben Sie Dank, Herr Heesemann, für dieses Interview

Die Fragen stellte Burkhard Talebitari

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Datum 2. Mai 2019
Autor Ingo Heesemann, Burkhard Talebitari
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