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Einen Besuch wert

Immer auf dem Boden bleiben… ?

Alexander Gerst ist nach seiner Rückkehr von der ISS nicht zuerst nach Hause gereist oder in sein Lieblingsrestaurant gegangen – er wurde schnurstracks nach Köln transportiert zum :envihab. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit seinem dortigen Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin betreibt diese hochmoderne Medizineinrichtung. Das :envihab ist mit verschiedenen Modulen ausgestattet, um die Auswirkungen extremer Umweltbedingungen auf den Menschen zu simulieren und Gegenmaßnahmen zu erforschen.

Im Rahmen der Regionale 2010 wurde ein europaweiter Architekturwettbewerb für das Konzept :envihab zugunsten des Berliner Architekturbüros Glass Kramer Löbbert mit Uta Graff Architekten entschieden. Das Gebäudekonzept ist beeindruckend einfach, funktional und poetisch zugleich: ein riesiges Stahlfachwerk überspannt kraftvoll den Grund, der hierdurch frei und flexibel bespielbar wird für die Labormodule. Die schimmernde Metall-Haut mit kleinen und größeren Poren für Licht und Ventilation umhüllt das große Dach – das Filigran wird zum Monolith.

Das :envihab vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin von oben gesehen

Das :envihab vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin von oben gesehen (DLR)

Die besondere Funktionalität und Flexibilität des Forschungsgebäudes mit extrem hoher technischer Ausrüstung und gleichzeitig sehr guter räumlicher und skulpturaler Architekturqualität basiert auf technischem Können: „Das komplexe Dachtragwerk stellte uns als Stahlbauunternehmen vor eine besondere Herausforderung, da die Konstruktion räumliche Knotenpunkte mit bis zu 12 schleifenden Schnitten enthielt, die es konstruktiv kraftschlüssig anzuschließen galt. Eine nicht alltägliche Aufgabe, die im engen Zusammenspiel zwischen Konstruktion, Fertigung und Montage ideal gelöst werden konnte.“ sagt Rolf Heinecke, Geschäftsführer von Christmann & Pfeifer Construction.

Stahlfachwerk mit anspruchsvollen räumlichen Knotenpunkten

Stahlfachwerk mit anspruchsvollen räumlichen Knotenpunkten (DLR)

Der steife Dachkörper besteht aus einem weitspannenden, raumhohen und umlaufend auskragenden Stahlfachwerk, welches auf wenigen, schlanken Stahlverbundstützen in der Nutzebene ruht.

Wenige Stahlverbundstützen, Atrium und Zentrifuge

Wenige Stahlverbundstützen, Atrium und Zentrifuge (DLR)

Der Synergieeffekt aus der doppelten Funktion des Daches als Tragwerk und großzügiger Technikzentrale trägt zur Nachhaltigkeit des Gebäudes bei. Die flächig angeordneten technischen Anlagen erlauben die individuelle Anbindung der einzelnen Module, die Belegung kann sich den wandelnden Wissenschaftsanforderungen anpassen und vielfältige Nutzungsszenarien ermöglichen.

Das :envihab in Köln ist einen Besuch wert, weil hier mit einer quasi über den Dingen schwebenden Stahlkonstruktion eine hochinstallierte medizinische Hightech Forschungseinrichtung entstanden ist, in der sich nicht nur Astro-Alex wohlzufühlen scheint.

Dachtragwerk & Technikgeschoss

Dachtragwerk & Technikgeschoss (DLR)

Die Details:

DLR :envihab
Linder Höhe, 51147 Köln
www.dlr.de/envihab

Besucherführungen am DLR-Standort Köln anmelden: kurzlink.de/DLR_Koeln

 

Architektur: Glass Kramer Löbbert bda, Berlin mit Uta Graff Architektin bda, München

Tragwerk: IDK Kleinjohann Köln

Brandschutz: HHP Nord/Ost Braunschweig

Stahlbau: Christmann & Pfeifer Construction, Angelburg

Bauherr: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt Köln

Preis des Deutschen Stahlbaues 2014

 

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Datum 22. Februar 2019
Autor Bernhard Hauke
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