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In Memoriam Jack Bouwkamp

Prof. Ir. Jack G. Bouwkamp

Prof. Ir. Jack G. Bouwkamp (Foto: Olivia Bouwkamp)

Im Dezember 1928 kam Jacobus Gerardus Bouwkamp in Heerlen (NL) zur Welt. Nach dem Besuch der Grundschule und des örtlichen naturwissenschaftlichen Gymnasiums begann er 1947 an der Technischen Hochschule Delft das Civiel-Ingenieur-Studium, das er 1952 mit dem Diplom abschloss. Schon während des Studiums befasste er sich mit der experimentellen Spannungsanalyse, ein Thema, das er bei einem späteren Forschungsaufenthalt an der TU Karlsruhe vertiefte. Nach zwei Jahren bei den Pionieren der Königlich Holländischen Armee folgte ein kurzer Aufenthalt an der TH Delft und 1955 die Übernahme der Leitung der Stahlbauabteilung beim TNO (Institut für Bautechnik der nationalen Organisation für angewandte naturwissenschaftliche Forschung). Ebenfalls 1955 heirateten Jack und Marianna. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Das erste kam noch in Delft zur Welt, die drei anderen in Oakland, denn im Herbst 1957 erhielt er einen Ruf zum Assistant Professor of Civil Engineering an die Universität von Kalifornien in Berkeley, dem 1961 die Ernennung zum Associate Professor und 1966 zum Professor folgte.

Aus dem Jahr 1957 stammt seine erste Veröffentlichung zu Stahlrohren, ein Thema, das er im Zusammenhang mit Offshore- Bauwerken immer wieder aufnahm. Dazu kam bald seine Arbeit im Bereich erdbebensicheres Bauen, die ihn im Auftrag der UNESCO von 1969 bis 1976 regelmäßig nach Skopje im damaligen Jugoslawien sowie in die Türkei und nach Bulgarien, Griechenland sowie Rumänien brachte. 1967/68 verbrachte er einen Forschungsaufenthalt an der Universität Stuttgart und 1969 war er eines der Gründungsmitglieder des Erdbebenforschungszentrums der Universität von Kalifornien, Berkeley. Gerade das Thema Erdbeben beschäftigte ihn neben den Offshore-Bauwerken immer wieder sehr stark, neben der Forschung und Lehre auch als Berater verschiedener Organisationen und Firmen wie NASA, US Steel und Bethlehem Steel, Germanischer Lloyd und Det Norske Veritas.

1979 erhielt er den Alexander von Humboldt- Preis für wissenschaftliche Leistungen in Forschung und Lehre und im Sommer 1983 erfolgte die Berufung auf die Professur für Stahlbau an der Technischen Hochschule Darmstadt, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1997 innehatte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits äußerst umfangreiche wissenschaftliche und praktische Erfahrungen im Bereich des Erdbebeningenieurwesens und wurde als Experte weltweit geschätzt. Bei vielen Erdbebenschaden fragte man ihn um Rat, um zukünftige Konstruktionen sicherer zu gestalten. So arbeitete er z. B. bei der Reaktor-Sicherheitskommission der Bundesrepublik Deutschland im Hinblick auf die erdbebensichere Auslegung von Kernkraftwerken.

Während seiner Zeit an der TH Darmstadt betreute er 14 Doktorarbeiten, primär aus dem Bereich des Erdbebeningenieurwesens. Er war Vorsitzender des Normenausschusses zur DIN 4149 „Bauten in deutschen Erdbebengebieten“ und des Spiegelausschusses zum Eurocode 8 „Bemessung und Konstruktion von Bauwerken des Hoch- und Ingenieurbaus in Erdbebengebieten“. Im Auftrag der Europäischen Kommission wirkte er an der Konzeption eines Erdbebenlabors für das Joint Research Center (JRC) der Europäischen Union in Ispra, Italien mit.

Darüber hinaus war er von 1985 bis 1997 als Prüfingenieur für Baustatik, Fachrichtung Metallbau im Ingenieurbüro Bouwkamp, Fehling und Partner in Darmstadt und Fulda tätig. Sein ingenieurmäßiger Ansatz umfasste sowohl die theoretische und experimentelle Bearbeitung als auch ganz praktische Konstruktionsentwicklungen für die verschiedensten Baumaterialien, Stahlbau, Betonbau, Stahl-Beton-Verbund- und Mauerwerksbau.

Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Richmodis du Mont-Bouwkamp, mit der er zwei Töchter hatte, förderte er zeitgenössische Kunst z. B. in der Kunstfabrik Darmstadt.

Jack Bouwkamp verstarb am 7. September 2020 in Darmstadt.

Prof. Dr.-Ing. Jorg Lange, Darmstadt

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Datum 13. November 2020
Autor Prof. Dr.-Ing. Jorg Lange
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