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Vermischtes

Ingenieurkunst: Netzartige Tragkonstruktion mit dezenten Knotenpunkten, die enorme Kräfte bündeln

Das Architektur- und Ingenieurunternehmen INROS LACKNER wurde für die Tragwerksplanung
des 50Hertz Netzquartiers in der Europacity in Berlin im Rahmen des Ingenieurpreises des Deutschen Stahlbaus 2019 ausgezeichnet. Bereits im November erhielten die Ingenieure eine Auszeichnung beim Preis des Deutschen Stahlbaus 2018.

Fassade 50Hertz Netzquartier

Fassade 50Hertz Netzquartier (INROS Lackner)

Der Neubau ist ein Blickfang, das äußere Erscheinungsbild spiegelt das Innenleben des 50Hertz Netzquartiers wider. Das Bürogebäude für ca. 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das Deutschlandhauptquartier des Konzerns. Der Entwurf des Gebäudes stammt von dem Grazer Architekturbüro LOVE architecture & urbanism. Prämiert wurden die herausragenden Planungsleistungen für diesen anspruchsvollen Neubau. Die netzartige Tragkonstruktion aus stahlummantelten Betonstützen stellte höchste Ansprüche an das Team der  Tragwerksplanung für eine klare Verbindung von Konstruktion und Architektur. Große Kräfte treffen auf vergleichsweise dezente Knotenpunkte. 500 Knotenpunkte wurden berechnet. „Es gab fünf oder sechs
Knotenpunkte, mit denen wir uns sehr intensiv beschäftigen mussten!“, berichtet Ralph Prüfer, Projektleiter Tragwerksplanung bei INROS LACKNER. „Das kniffligste war ein Knotenpunkt an der Gebäudeecke über dem Eingang auf Höhe der Decke des Erdgeschosses, an dem auch die Träger des Vordachs befestigt sind. Durch die Fassadengeometrie und den damit verbundenen Lastfluss konzentrieren sich enorm viele Kräfte in einem Punkt. Optisch sollte er aber genauso dezent in Erscheinung treten wie alle anderen Knoten.“ Bedingt durch die Schrägstellung der Stützen entstanden in der Decke Horizontalkräfte von bis zu 7 000 kN, die in dem Knotenpunkt aufgefangen werden. Das entspricht etwa 714 Tonnen. Ein kleiner Knotenpunkt, der bis zu vier Blauwale oder 40 Stadtbusse tragen kann.

Der Preis wird seit 2013 für besonders zukunftsfähige und richtungsweisende Ingenieurleistungen von dem bauforumstahl e.V., der Bundesingenieurkammer und der Fachzeitschrift Stahlbau verliehen. In der Laudatio der Jury heißt es: „Die Wahl des außenliegenden Tragwerks aus Stahlverbundbauteilen ermöglichte weitgehende Freiheiten in der Gestaltung der Innenräume. Die bewusst gewählte unregelmäßige Gestaltung der Außenansicht wurde mit dem gewählten Tragwerk vorbildlich umgesetzt. Die damit verbundene Konstruktion unterschiedlichster Knotenkonstellationen forderte anspruchsvolle Lösungen zur Beherrschung  des Kräfteflusses einschließlich der sich daraus ergebenden Lastumlenkungen. Die hohen Anforderungen erstrecken sich von der Detailausbildung in den Anschlusspunkten bis zur lückenlosen Beachtung der Brandschutzanforderungen. Insgesamt stellt die gewählte Konstruktion ein Beispiel für eine intelligente Antwort auf die in dem Projekt zu realisierenden Anforderungen in der Gestaltung dar. Die geschickte Wahl des Tragwerkes rechtfertigt zusammen mit Anwendung moderner Bemessungsmethoden eine besondere Anerkennung dieses Projekts” (bauforumstahl.de).

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