momentum magazin für Bauingenieure präsentiert von Ernst & Sohn
Rezension

Kleines Büchlein – große Wirkung

David Nelles, Christian Serrer: KLEINE GASE – GROSSE WIRKUNG DER KLIMAWANDEL, Hardcover 15,5 x 15,5 cm, 128 S., Verlag KlimaWandel, 12/2019, ISBN: 9 783981 965001

David Nelles, Christian Serrer: KLEINE GASE – GROSSE WIRKUNG DER KLIMAWANDEL, Hardcover 15,5 x 15,5 cm, 128 S., Verlag KlimaWandel, 12/2019, ISBN: 9 783981 965001 (Verlag KlimaWandel)

Bestseller und Besteller – wiewohl aus verschiedenen Sprachen kommend, trennt beide Wörter nur ein Buchstäbchen. Das vorliegende Buch soll bislang mehr als 80.000 Besteller gehabt haben, bei 100.000 gedruckten Exemplaren. Und dass „Dein SPIEGEL Bestseller“ aufs Cover gebappt wurde, darf auch nicht einschüchtern.

Aha, zwei auf der vorletzten Umschlagseite munter in die Kamera lächelnde, Wirtschaftswissenschaften studierende Buben wollen uns also das Klima erklären. Geht das? Und wie das geht! „Kleine Gase – große Wirkung Der Klimawandel“ heißt ihr Buch und so viel vorab: Wenn es denn einen Nachteil hat, das kleine Wunderwerk von 128 Seiten für wohl und klimapolitisch klug kalkulierte 5 €, dann den, dass es den üblen Euphemismus „Klimawandel“ im Titel führt. Als solchen ihn darzustellen, gelingt dem Buch nämlich mit seinen durchweg knappen, klaren und tatsächlich allgemeinverständlichen Texten und anschaulichen, wenn nicht gar Freude bereitenden Illustrationen. Aber wer weiß, vielleicht ist’s ja auch nur strategisch-didaktisch gedacht, all so keinem der potenziellen Leser zu erschröcklich zu begegnen. Warnung aber an alle Klima-Skeptiker und Trump-Verehrer: Besser gar nicht erst reinschauen!

Allen anderen aber sei das Buch dringendst anempfohlen, auch wenn sein Format an den einstigen Werbeslogan einer sattsam bekannten Schokoladenmarke erinnert. Denn es präsentiert sein Wissen übers Thema eben nicht so eingängig und wohlbekömmlich, wie wir uns einst besagte Schokotafeln einverleiben sollten.

Seit das Thema „Wetter“ eben nicht mehr das langweiligste Smalltalk-Surrogat ist, sondern allen mehr als nur unter den Nägeln brennt, ist Holland in Not. Klar, einerseits, weil es bei geringfügigem Meeresspiegelanstieg sein Schicksal mit Atlantis teilte, andererseits aber auch, weil – jetzt mal metaphorisch – Infonot an Frau und Mann und allen andern ist. Jeder weiß was, keine(r) Genaueres, schnell wird’s emotional und noch schneller dümmlich – alle reden über das Wetter, mancher schon lieber nicht mehr und mancher verschreibt sich bekennendem Skeptizismus – ob des Klima-Kommunikazes.

Hier setzen David Nelles und Christian Serrer (ein Kaufmanns-Und hätte es da auf dem Cover nicht gebraucht – aber wer wollte immer so genau sein? Der Autor hier z. B. …) mit ihrem klugen Büchlein an, das das hochkomplexe Thema Klima genau so komplex darstellt, wie es z. B. in all seinen Rückkopplungsprozessen und verwickelten Zusammenhängen ist. Dazu gehört auch, dass sich die Autoren kaum je des überschnellen Indikativs bedienen, sondern im Bemühen um Objektivität immer wieder auf „einige Studien“, noch unklare Zusammenhänge und divergierende Ansichten verweisen. Aber das bringt sie von der auf praktisch jeder Seite durchscheinenden bis ins Gesicht springenden Erkenntnis des objektiv Menschengemachten an der Klimakatastrophe nie ab. Und so denke keiner, dass die 128 quadratischen Seiten es nicht in sich hätten.

Mit einmal lesen ist es nicht getan und auch beim Party-Talk gäbe man keinen smarten Klima-Experten ab, nach fixer Lektüre. All die sorgsam und als Ergebnisse von Studien, Archivarbeit, Interviews und ausführlichen Gesprächen mit Fachwissenschaftlern (die das Buch mit Vorwort und Kurzrezensionen akademisch adeln) schnell erfassbar aufbereiteten Informationen wollen sehr wohl durchdacht sein. Und so hätte das Werk bei näherem Hinsehen zwei Ebenen. Auf einer ersten sieht man durch die Vielzahl von bekannten und weniger bekannten Details das Menschengemachte des sich verschlechternden Klimas überdeutlich, auf einer zweiten gilt es, das Dargebotene zu durchdenken und ggf. etwa auch Literaturhinweisen nachzugehen. Selbstredend kann dann nicht mehr von quicker Lektüre ausgegangen werden. Da kriegt man für 5 € anderswo Schnelleres. Und das vermieste einem auch die Laune nicht so, wie es dieses Buch sehr wohl könnte, wenn es nicht, ja wenn es nicht sehr wohl schon bei erster Lektüre, mit gewisser Zuversicht erfüllte, dass zwar nichts mehr rückgängig zu machen, aber noch viel zu tun ist, ehe es für alles zu spät ist – wie en passant auch ein Ottmar Edenhofer in seinen nicht minder vorzüglichen Werken und Worten – nicht müde wird zu betonen. Und dann bleibt da auch noch der starke Eindruck, dass erstens zwei junge Studierende als Autoren kein Zufall sind, wo zweitens wir Älteren – noch nachdem down under ein ganzer Kontinent erst verbrennt und dann absäuft – eher auf das blaue Auge zu setzen scheinen, mit dem wir noch wegzukommen meinen – 1. schön 2. schade.

Schreibe einen Kommentar…

Im Netz teilen

Datum 30. Januar 2020
Autor b.t.
Schlagwörter ,
Teilen facebook | twitter | Google+

...