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Vermischtes

Kulturscheu? Ne!

Haupteingang, Blick auf Scharounplatz von der Freitrappe aus (Nordfassade)

Haupteingang, Blick auf Scharounplatz von der Freitrappe aus (Nordfassade) (© Stiftung Preußischer Kulturbesitz)

Ham die nich auch die Elbphilharmonie, also das Renditeriff in Hamburg …? Nun also ein Museum, ein Kunst-Museum, eins für die Kunst des vergangenen Jahrhunderts, von Herzog & de Meuron. Ist also gut, eventuell nur ein bisschen teurer, aber die Milliarde in Hamburg ist doch auch längst verscherzt – Erratum: verschmerzt.

„Das Haus als Bauform“, so die Stararchitekten, existiere „seit eh und je“ und vielleicht ja auch später noch ein bisschen, so jedenfalls das Hoffen des Verzapfers dieser Zeilen. Aber dennoch entziehe das Haus trotz eh und je sich eindeutiger Festlegung. Es sei eine offene Form, offen für verschiedene Nutzungen und Interpretationen, sagen die Entwerfer, dessen, was die Öffentlichkeit zunächst „Kulturscheune“ hieß. Das war zwar wahr, aber nicht fair und ist nun ehwieso überarbeitet. Man fand eine offene Form – offen für unzureichenden Brandschutz, für komplexe, schwer zu händelnde TGA, für falsche Deckenhöhen und, sorry, das war noch ein Textbaustein aus einem BER-Bericht.

Nein, dazu wird es nicht kommen, beim Museum für die Kunst der Kultur des 20. Jhs. Die Elphilharmonie ist schließlich auch fertig geworden und als weitere Analogie wird auch bei den Kosten hier ein Quäntchen nachgelegt.

Die jetzt vorliegende Berechnung, heißt es in einer Presseerklärung, gehe von Baukosten in Höhe von 364,2 Mio. € für den Neubau aus. Außerdem können 52,2 Mio. für künftige Bau-Indexsteigerungen und 33,8 Mio. Risikokosten hinzugerechnet werden, so dass sich die Gesamtsumme dann auf lediglich 450,2 Mio. € belaufe. Man beschreite, so Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, jetzt einen „Weg der Klarheit und freue sich auf ein spektakuläres Haus“ (vgl. eh und je), mit dem man „international aufschließen“ könne (muss das nicht: „Das man aufschließen kann“ heißen, also quasi schlüsselfertig?). Nach Jahren fruchtloser (furchtloser?) Debatten vollende man jetzt das Kulturforum und da hätten auch die Philharmonie-Gäste genauso wie die Besucher der Matthäus-Kirche, die Nutzer der Staatsbibliothek wie die Liebhaber der Gemäldegalerie was davon, die sich bislang immer über ein unvollendetes Forum die Kultur aufschließen mussten. Dieses merken. Schließlich entsteht ja durch das verbindende Element und die städtebauliche Kraft die Freude über den bestechenden Gedanken des Entwurfs von Herzog & de Meuron. Nein, sagen die, reiner und perfekter als Mies Nationalgalerie (vulgo: Kulturtankstelle) könne die Form des neuen Kulturkastens nicht werden und auch mit den „Volumina“ von Philharmonie und Kammermusiksaal wolle man es nicht aufnehmen. Scharoun hatte es schließlich als einziger zeitgenössischer Architekt in Adornos „Ästhetisch Theorie“ geschafft, was aber beim H & de M nicht unbedingt bekannt sein muss, sondern, das geht auch so – Leitidee: Ein Haus, ganz direkt und konkret. Steinzeit, gute Nacht.

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Datum 18. September 2019
Autor b.t.
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