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Bauen digital, Interview

„Lösungen, die den gesamten Bauprozess vernetzen“

Hubert Fritschi, Bereichsleiter Digitalisierung Schöck Bauteile

Hubert Fritschi, Bereichsleiter Digitalisierung Schöck Bauteile (Schöck Bauteile GmbH)

7 Fragen an Hubert Fritschi, Bereichsleiter Digitalisierung Schöck Bauteile

1. BIM und BIM ist dreierlei. Was heißen die drei Buchstaben für Sie?

Für uns ist BIM kein reiner Datensatz, nicht nur ein virtueller Doppelgänger für physische Produkte, genannt Digital Twin: Für uns beschreibt BIM eine Methode für den vernetzten, digitalen Planungs- und Bauausführungsprozess. Die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung werden wir dazu nutzen, die Planungs- und Bauausführungsprozesse effizienter zu gestalten und Baukosten zu senken. Darüber hinaus ermöglichen digitale Technologien, wie z. B. AR (Augmented Reality), die Qualität in den Fertigteilwerken und auf der Baustelle zu verbessern. Es geht also um den Workflow von der Planung bis zur Baustelle – und wieder zurück.

2. Welche Erfahrungen bringen Sie von der digitalBAU in Köln mit?

Die Digitalisierung in der Baubranche nimmt Fahrt auf, das wurde auf der Messe deutlich. Viele Hersteller arbeiten an interessanten Lösungen, allerdings handelt es sich hier oft noch um reine Insellösungen, die nur wenig zur Vernetzung aller am Bau Beteiligten beitragen können. Was auch in Köln offensichtlich war: AR und VR für die Baustelle sind im Kommen. Besonders die VR-Lösungen zogen das Interesse der Fachbesucher auf sich. Für unsere Anwendungsfälle erscheint uns allerdings die ARTechnologie, wie wir sie auch auf der digitalBAU gezeigt haben, praxistauglicher. Die mit den Kunden auf der Messe geführten Gespräche haben uns hierin positiv bestärkt. Grundsätzlich gilt (und auch das hat die Messe gezeigt): der Dialog und Austausch mit den unterschiedlichen Baubeteiligten ist für die optimale Umsetzung der Digitalisierungsprozesse unerlässlich. Ohne die Integration unserer Kunden und das Wissen um ihre individuellen Anforderungen wird die Entwicklung digitaler Lösung nur begrenzten Erfolg für beide Seiten bringen. Umso mehr hat uns das zahlreiche Feedback unserer Standbesucher auf der Messe, vom Tragwerksplaner über den Architekten bis zum Bauunternehmer, gefreut und gleichzeitig gezeigt, dass wir mit unseren Ansätzen auf einem guten Weg sind.

 

Bild1: Die digitalBAU in Köln zeigte: Die Digitalisierung in der Baubranche nimmt Fahrt auf.

Bild1: Die digitalBAU in Köln zeigte: Die Digitalisierung in der Baubranche nimmt Fahrt auf. (Schöck Bauteile GmbH)

 

3. Digitalisierungsstrategien sind nicht selten bloße Insellösungen. Wie wollen Sie eine solche verhindern?

Die Digitalisierungsstrategie bei der Schöck Bauteile GmbH ist Teil der Unternehmensstrategie. Mit Gründung des Bereichs Digitalisierung bei Schöck haben wir uns mit der Geschäftsleitung auf den Zweck und das Ziel des Bereichs geeinigt: Wir treiben die digitale Transformation innerhalb des Unternehmens weiter und entwickeln Lösungen, die den gesamten Bauprozess vernetzen. Mit unserer neuen Bemessungssoftware beispielsweise erfolgt nicht nur die BIM-Planung, sondern es können künftig – über unsere AR-App S-Construct – Verlege-Ergebnisse von der Baustelle in die Planung zurückgespielt werden. So hat der Planer stets einen Überblick über den aktuellen Einbaustatus. Unser Bereich dient also eben nicht dazu, einzelne digitale Tools zu entwickeln. Der Kundennutzen steht im Vordergrund. Damit wird sichergestellt, dass alle Maßnahmen aus dem Bereich Digitalisierung auf das „große Ganze“, das heißt, unsere Unternehmensziele, einzahlen.

 

Bild 2: Über die AR-App S-Construct von Schöck können Verlege-Ergebnisse von der Baustelle in die Planung zurückgespielt werden. So hat der Planer stets einen Überblick über den aktuellen Einbaustatus auf.

Bild 2: Über die AR-App S-Construct von Schöck können Verlege-Ergebnisse von der Baustelle in die Planung zurückgespielt werden. So hat der Planer stets einen Überblick über den aktuellen Einbaustatus auf. (Schöck Bauteile GmbH)

 

4. Planer und Sozialcharakter: Wir haben bald den Milleniumsplaner aus der Generation booking.com und wir haben auch noch den digital Immigrant. Wie bekommt man da den Spagat hin?

Das Wichtigste für uns ist es, den sogenannten „Digitalen Reifegrad“ unserer Zielgruppen zu kennen. Wir arbeiten bei der Entwicklung unserer Lösungen sehr eng mit unseren Kunden zusammen, machen Befragungen und holen uns Input zur Realität in den Planungsbüros und auf der Baustelle. So werden wir beispielsweise im Bereich Softwarelösungen unterschiedliche Anwendungslevels anbieten: Neben einer Standard-Version soll es eine Experten-Version geben, in der dem Anwender zusätzliche Features zur Verfügung stehen. Je nach Kenntnisstand und Anforderung kann der User die Software also nach seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten nutzen, ohne überfordert oder durch zu viele Module und Tools überfrachtet zu werden.

5. Welche Rolle spielen für Sie die verschiedenen Bauteilportale?

Bauteilportale steigern die Bekanntheit der Produkte und Lösungen, da viele Planer dort ihre Informationen über Neuheiten und digitale Tools beziehen. Genau aus diesem Grund spielen diese Portale für uns derzeit und auch künftig eine große Rolle. Jedes Unternehmen kann selbst entscheiden, in welcher Komplexität es dort seine Produktinformationen zur Verfügung stellt. Wir bei Schöck wollen beispielsweise künftig auf den Portalen nur die Basisinformationen bereitstellen. Für alles Weitere verweisen wir auf unsere Website und den direkten Kontakt zu unseren Experten. Damit stellen wir sicher, dass unsere Kunden immer die aktuellsten und vollumfänglichen Informationen zu unseren Produkten und Lösungen erhalten – und kompetent beraten werden. Letztendlich geht – nachdem das Interesse erst einmal geweckt ist – nichts über den direkten Austausch. Diesen Dialog werden wir weiter leben.

6. Der Architekt setzt den Platzhalter für eines Ihrer Bauteile, der Planer hat es dann zu spezifizieren. Wie helfen Sie dem Planer dabei?

Wir unterstützen den Planer, indem wir alle benötigten Informationen im entsprechenden „LOD“ und „LOI“ zur Verfügung stellen. Also zur richtigen Zeit und im nötigen Umfang – z. B. in Form unserer Bemessungssoftware, mit digitalen Planungsunterlagen und künftig auch über die AR-App S-Construct. Letztere ist ja wie gesagt ein weiterer Schritt, um den digitalen Workflow über alle Bauphasen hin zu vernetzen.

Darüber hinaus stehen Planern unsere Produktingenieure und technischen Berater zur Seite. Auf dem digitalen und analogen Kommunikationsweg stellen wir so über die gesamte Wertschöpfungskette sicher, dass alle am Planungsprozess beteiligten Akteure die Informationen und Daten erhalten, die sie von uns benötigen.

7. Wie sehen Sie die Bedeutung des Themas Normierung und welche Bedeutung räumen Sie hier der Arbeit der Verbände von building smart bis Products for BIM ein?

Die Normierung ist elementar für die Verbreitung von BIM. Ein digitaler Planungsprozess ohne Systembrüche ist nur dann umsetzbar, wenn der Datenaustausch normiert beziehungsweise standardisiert wird. Die Verbände nehmen hierbei eine wichtige Rolle ein. Die Heterogenität der Verbandsmitglieder, die an dieser Normierungsarbeit beteiligt sind, sorgt dafür, dass Normen und Standards praxistauglich definiert und gesetzt werden. Auch hier stehen wir mit unserer Erfahrung und unserem Praxiswissen gerne und regelmäßig im Dialog mit den Beteiligten.

 

Bild 3: Digital needs dialogue: Der Dialog und Austausch mit den unterschiedlichen Baubeteiligten ist für die optimale Umsetzung der Digitalisierungsprozesse unerlässlich.

Bild 3: Digital needs dialogue: Der Dialog und Austausch mit den unterschiedlichen Baubeteiligten ist für die optimale Umsetzung der Digitalisierungsprozesse unerlässlich. (Schöck Bauteile GmbH)

 

Herr Fritschi, haben Sie Dank für dieses Interview.

 

Die Fragen stellte momentum-Redakteur Burkhard Talebitari.

 

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