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Einen Besuch wert

Messehalle 15 Leipzig

Bild 1 Die Messehalle 15 in Leipzig

Bild 1 Die Messehalle 15 in Leipzig (Foto: Michael Moser)

Die Messehalle 15 in Leipzig (Bild 1) hat eine lange Geschichte. „Es ist ein besonderes Glück, daß wir im ersten Heft des Stahlbaues die Messehalle 7 in Leipzig, ein Meisterwerk aus Stahl, vorführen können“ so schrieb A. Hertwig im ersten STAHLBAU im April 1928. Die Halle war gerade zur Frühjahrsmesse in nur dreieinhalb Monaten errichtet worden. Eine Fläche von 100 m x 140 m wird mit Zweigelenk-Fachwerkrahmen als Nietkonstruktion aus Walzprofilen und Blechen überspannt (Bild 2). Zwischen den sieben Rahmen gliedert sich in 21 m Höhe die Dachfläche in einen mittleren, geschlossenen Bereich mit Satteldachneigung und die sich beidseitig anschließenden, gestaltgebenden Oberlichter (Bild 3). Verwendet wurden Flussstahl St 37 sowie hochwertiger Baustahl 48.

Bild 2 Stahlkonstruktion – Längswand und Draufsicht, Bild: DER STAHLBAU 1, 1928;

Bild 2 Stahlkonstruktion – Längswand und Draufsicht, Bild: DER STAHLBAU 1, 1928; (Bezeichnungen von Jens Ritter)

Bild 3 Die Messehalle im Februar 1928 fast fertig

Bild 3 Die Messehalle im Februar 1928 fast fertig (Foto: DER STAHLBAU 1, 1928)

Im 1943/44 wurden bei einem Luftangriff drei Rahmen und eine Giebelwand zerstört, die Halle brannte teilweise aus. Die verbliebenen vier Rahmen wurde 1949/51 mit Zwischenstützen (Bild 4) gesichert, die Halle mit einer neuen Giebelwand aus den noch verwendbaren Teilen der Altkonstruktion geschlossen und nunmehr als Messehalle 15 genutzt. Zahlreiche Ein- und Anbauten kamen hinzu. Von 1985 bis 1990 wurde die Messehalle umfangreich saniert. Die Gebäudehülle wurde erneuert, die Stahlkonstruktion mit einem neuen Korrosionsschutz versehen. Mit der Verlegung der Leipziger Messe vor die Tore der Stadt in den 1990er Jahren wurde die nunmehr Alte Messehalle 15 nur noch sporadisch genutzt. Mit einem Zweirad Center wurde eine neue Nutzung gefunden. Die Einbauten der 1950er Jahre wurden entfernt, so dass die Halle wieder in ihrer ganzen Dimension erlebbar ist. Die Zwischenstützen waren mit verringerten Stahlfestigkeiten durch Gefügeumwandlungen infolge des Brandes begründet worden. Mit Materialuntersuchungen konnten die tatsächlichen Festigkeiten von S 235 bis S 312 nachgewiesen und für die Neuberechnung mit dem geringeren Eigengewicht der modernen Gebäudehülle berücksichtigt werden. Insbesondere der Nachweis der räumlichen Stabilität nach Theorie II. Ordnung war anspruchsvoll, erlaubte aber am Ende die Entfernung der störenden Zwischenstützen. Um auch die Geschichte der Halle ablesbar zu machen, blieb die im Zuge des Wiederaufbaus eingefügte Verglasung der Hallenaußenwand erhalten. Eine neue großzügige Glasfassade mit dem neuen Haupteingang im Erdgeschoss wurde als heutiges Element hinzugefügt.

Bild 4 Die Baustelle der Messehalle 15 2018: Nachträglich eingebaute Zwischenstützen werden wieder entfernt

Bild 4 Die Baustelle der Messehalle 15 2018: Nachträglich eingebaute Zwischenstützen werden wieder entfernt (Foto: Westphal Architekten BDA )

Die Messehalle 15 in Leipzig ist einen Besuch wert, weil die sanierte Stahlkonstruktion von 1928 ein gelungenes Beispiel für den Erhalt und die Umnutzung baukulturell wichtiger Bauwerke ist (Bild 5). Und nebenbei, das heutige Angebot an Fahrrädern ist riesig (Bild 6).

 

Bild 5 Die sanierte Messehalle 15 in Leipzig

Bild 5 Die sanierte Messehalle 15 in Leipzig (Foto: Michael Moser)

Messehalle 15 Leipzig

Straße des 18. Oktober 46
04103 Leipzig
www.zweirad-stadler.de/Leipzig-Alte-Messe

Öffnungszeiten Mo-Sa. 10 – 20 Uhr

 

 

Errichtung 1928

Bild 6 Heute wird die Messehalle 15 von Zweirad-Stadler genutzt

Bild 6 Heute wird die Messehalle 15 von Zweirad-Stadler genutzt (FFoto: Frank-Heinrich Müller)

Architektur: Crämer & Petschler, Leipzig

Stahlbau, Planung & Ausführung: MAN Gustavsburg

Bauherr: Messe und Ausstellungs- A.- G., Leipzig

 

Rekonstruktion 2019

Architektur: Westphal Architekten BDA, Bremen

Objektplanung: Klinge Otto Planung, Leipzig

Tragwerksplanung, Bauphysik: pb+ Ingenieurgruppe, Bremen

Prüfingenieur: Dipl.-Ing. Andreas Forner, Leipzig

Brandschutzplanung: Kaupa Ingenieure, Windorf; Planungsbüro

Rüdiger Fülle, Lossatal

Bauherr: Zweirad-Stadler, Berlin

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Datum 13. Januar 2021
Autor Bernhard Hauke
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