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Einen Besuch wert, Vermischtes

Museum der Bayerischen Könige Hohenschwangau

Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau

Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau (WAF MdbK / Susanne Sagne)

Unterhalb von Neuschwanstein sollte im früheren Hotel Alpenrose direkt am Alpsee das Museum des Wittelsbacher Königshauses eingerichtet werden. Den Wettbewerb gewann 2009 Staab Architekten, die Tragwerkplaner von ifb stießen bald dazu. Im Mittelpunkt steht das neue, dreischiffige Tonnengewölbe aus Stahl über dem ehemaligen Speisesaal.

Zu berücksichtigen war hier eine Schneelast von fast 500 kg/m² sowie zusätzliche Schneekeile. Das filigrane Stahltragwerk  wurde, von den Rauten des bayerischen Wappens abgeleitet, als Gitterschale entworfen. Das punktgestützte Schalentragwerk mit einer Stützweite

Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau

Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau (WAF MdbK / Susanne Sagne)

von 20 m besteht aus einer Halbtonne und zwei Vierteltonnen. Die Rauten der Schale bilden sich aus lasergeschnittenen Flachstählen, die nach dem „Zollinger-Prinzip“ verschweißt wurden. Die präzise Schweißfertigung der Rautenfelder ist ein handwerkliches Meisterwerk. Die Längspfetten sind oberhalb angeordnet, um die Rauten gestalterisch nicht zu stören. Auf den Pfetten wurden Flachstähle zur Aufnahme der Trapezblechdeckung aufgeschweißt. In der Glasfassade lagert das Dachtragwerk zur Verformungsbegrenzung auf RRO Stahlstützen. Die Stahlbaukonstruktion ist mit F 30 Brandschutzanstrich versehen. Die Gitterschale der Halbtonne wurde in Teilen angeliefert und auf

Isometrie des Tragwerkes: Schalen aus Flachstahldiagonalen nach dem Zollinger - Prinzip

Isometrie des Tragwerkes: Schalen aus Flachstahldiagonalen nach dem Zollinger - Prinzip (Grafik: Stahlbau Prebeck)

Rüstung montiert. Die Vierteltonnen wurden im Stück eingehoben. Die verdeckt genieteten Aluminiumschindeln greifen mit einer kräftig gepixelten Farbpalette Bestand und Heraldik auf. In der mittleren Achse ist der zentrale Ausstellungsraum. Die beiden äußeren Tonnengewölbe sind zur Landschaft verglast. So entsteht eine Verbindung zur der Natur und den umliegenden Königsschlössern.

Das Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau ist einen Besuch wert, weil hier eine vollendete Synthese aus deutender Formsetzung und ingenieuser Formfindung bewundert werden kann – die neuen stählernen Gewölbeschalen spielen souverän mit heraldischen Mustern. Und nebenbei: Das Museum rangiert mit

Schnitt durch Foyer und Ausstellung

Schnitt durch Foyer und Ausstellung (Staab Architekten)

Saal der Könige: die Lichtdecke zeigt die präzisen Rautenfelder der Gewölbe

Saal der Könige: die Lichtdecke zeigt die präzisen Rautenfelder der Gewölbe (WAF MdbK / Vanessa Richter)

seiner Ausstellung von prunkvollen Exponaten weit vorne auf der Beliebtheitsskala.

 

Museum der Bayerischen Könige
Alpseestraße 27, 87645 Hohenschwangau
www.museumderbayerischenkoenige.de

Architekten: Staab Architekten Berlin

Tragwerkplaner Neubau: IFB Frohloff Staffa Kühl Ecker Berlin

Fertigung: die Einzelstäbe 140 x 15 in S355 werden vor dem Verscheißen vortordiert

Fertigung: die Einzelstäbe 140 x 15 in S355 werden vor dem Verscheißen vortordiert (ifb)

Tragwerkplaner Altbau: Barthel und Maus München

Prüfingenieur: LGA Kempten

Haustechnik: Kuehne Bauer Partner München

Bauphysik: Müller BBM Planegg

Brandschutz: HHP Berlin

Montageplanung: Scheitig+Kiesel+Co. Plauen

Stahlbau: Prebeck Bogen

Bauleitung: Rustler Schmid Architekten Friedberg/Bayern

Preis des Deutschen Stahlbaus 2012

Deutscher Architekturpreis 2013, Ingenieurpreis Kategorie Hochbau 2013

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Datum 20. August 2019
Autor es
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