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Vermischtes

Museum unter der Rennbahn – Zu Ehren Eduardo Torrojas

Der spanische Ingenieur Eduardo Torroja (1899-1961) war einer der innovativsten Pioniere des Bauens mit Beton und Stahl, dessen Werke weit über seine Heimat hinaus gewirkt haben. Er gründete 1934 ein privates Forschungsinstitut, in dem moderne Bautechniken untersucht, erprobt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten. Sein heute schon klassisches Buch „La razón y ser de los tipos estructurales“ von 1957 wurde schon 1961 ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel “Logik der Form” veröffentlicht. Er befasste sich besonders intensiv mit dem Bau und der Verbreitung dünner Betonschalen für Kuppeln und Dächer.

Die Rennbahn "La Zarzuela" in Madrid wurde von Eduardo Torroja geplant und vollendet.

Die Rennbahn "La Zarzuela" in Madrid wurde von Eduardo Torroja geplant und vollendet. (Fundación Eduardo Torroja)

Die von Torroja seit 1935 geplante und 1941 vollendete Tribüne für die Pferderennbahn „La Zarzuela“ in Madrid zählt heute mit ihrem eindrucksvollen Schalendach zu den Ikonen der Ingenieurarchitektur des 20. Jahrhunderts. So ist es nicht verwunderlich, dass die Stiftung Eduardo Torroja zum 75. Jubiläum der Eröffnung des Bauwerks gerade hier das „Eduardo Torroja Museum“ am 23. Oktober 2016 feierlich einweihen konnte. Das Museum hat unter der Nordtribüne dieses einmaligen Bauwerks einen würdevollen und dauerhaften Standort gefunden und lohnt ebenso wie das Bauwerk selbst einen Besuch.

Der langgestreckte Raum unter der Tribüne mit seinen 55 Meter Länge und 5,50 Meter Breite bedingt eine bewusst lineare Wegeführung durch die Ausstellungen, die einem chronologischen Verlauf folgen. Als Orientierung beim Rundgang markieren Querpaneele die verschiedenen Räume und Inhalte in den Farben der Zeit Eduardo Torrojas: rot, grau, gelb, blau und schwarz. Der Weg durch das Museum beginnt mit der Dauerausstellung zum Werk von Eduardo Torroja, die sich über die drei ersten Säle erstreckt. Im Anschluss daran folgt der Raum für Sonderausstellungen, der als Bindeglied zwischen der Dauerausstellung und der Ausstellung zur Geschichte der Pferderennen dient; den Abschluss bildet der Saal für Filmvorführungen.

Die Dauerausstellung, die unter der Tribühne der Rennbahn zu finden ist.

Die Dauerausstellung, die unter der Tribühne der Rennbahn zu finden ist. (Fundación Eduardo Torroja)

Die Reihenfolge der für die Dauerausstellung ausgewählten Werke Torrojas ist chronologisch und ordnet die Werke nach Konstruktionstyp und Art der des Bauwerks. Um Meilensteine inhaltlich und räumlich hervorzuheben vollzieht die museologische Darstellung dabei gelegentlich Zeitsprünge. Das Szenarium des ersten Saals wird von großen geometrischen Plastiken beherrscht, die auf die von Eduardo Torroja eingesetzten reinen Formen verweisen. Ein zylindrisches Fragment vor einem weißen Dodekaeder wurde zum Symbol des Instituts, das heute seinen Namen „Instituto de Ciencias de la Construcción Eduardo Torroja“ trägt und zum Hohen Rat für wissenschaftliche Forschung (CSIC) Spaniens gehört; es ist natürlich auch das Symbol der Stiftung. Eduardo Torroja wird zunächst mit einer Kurzbiographie und einem Verzeichnis seiner herausragendsten Bauwerke vorgestellt. Danach wird ein Teil seiner frühen Werke für die Firma Hidrocivil (1923-1927) gezeigt, wie die Gründung der Brücke in Sancti Petri. Daran schließen sich die zwischen 1930 und 1935 entstandenen Werke wie der Campus der Ciudad Universitaria an. Es folgen bedeutende, spätere Arbeiten wie der „Quince Ojos“ und der „Aire“ Viadukt oder die  Naturwissenschaftliche Fakultät und natürlich die Pferderennbahn „La Zarzuela“ und deren Restaurierung  2004 durch Junquera Architects/ACS.

Natürlich zeigt die Ausstellung nur einen ausgewählten, exemplarischen Teil von Torrojas Nachlass an Zeichnungen, Fotos und Modellen. Der vollständige Bestand an Entwürfen, Schriften, Versuchsprotokollen und vielem mehr ist als digitalisierte Dokumentensammlung des CEDEX und im bauwissenschaftlichen Instituto de Ciencias de la Construcción Eduardo Torroja (CSIC) öffentlich zugänglich.

Natürlich gibt es einen ausführlichen zweisprachigen (span./engl.) Ausstellungskatalog. Einen Kurzführer auf Deutsch gibt es auch zum Herunterladen unter:

http://www.fundacioneduardotorroja.org/documentos/MUSEO/CATALOGO%20ALEMAN.pdf

Nun laden wir Sie herzlich zu einem Besuch dieses wunderbaren Museums ein, das bei freiem Eintritt immer während der Pferderennen geöffnet ist. Führungen können Sie aber auch unabhängig davon unter contacto@fundacioneduardotorroja.org für 3 € pro Person vereinbaren und buchen.

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