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Projekte

Nachhaltige Architektur und soziales Engagement unter einem Dach

Das Spoons-Café von außen.

Das Spoons-Café von außen. (Foto: Mateo Rozo)

Die Eröffnung eines neuen Cafés in einem schon fast als überfüllt geltenden Touristen-Hotspot wie Siem Reap in der Nähe von Angkor Wat in Kambodscha, kann man durchaus als ehrgeiziges Projekt bezeichnen. Eine wirklich beachtliche Leistung ist es jedoch, innerhalb kürzester Zeit beste Bewertungen auf Trip-Advisor zu erhalten und sich einen Platz unter den Top 3 zu sichern und zu behaupten. Genau das hat das von der Organisation EGBOK (Everything’s Gonna Be OK) geführte Spoons Café geschafft. Die Bewertungen sind dabei nicht nur voller Lob für das Essen und den Service, sondern auch für die Architektur des Restaurants.

Das Projekt nahm seinen Anfang im Februar 2014, als Alex Koller vom Architekturbüro Lumley & Koller und Osman Kahawaja, der damalige Direktor von EGBOK, sich begegneten. Alex Koller war in Kambodscha um die Fertigstellung des Prototyps eines nachhaltig gebauten Hauses zu begleiten, das sein Büro für Habitat for Humanity and Building Trust International entworfen hatte. Zu diesem Zeitpunkt führte EGBOK bereits sehr erfolgreich eine Ausbildungsstätte, in der kambodschanische Jugendliche die Ausbildung und das Selbstvertrauen erlangen sollten, die sie für eine Beschäftigung im Hotel- und Gastronomiebereich benötigen. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 595 Studierende ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, viele von ihnen Waisen oder Kinder Alleinerziehender. Osmans Vision war es, für die Studierenden eine professionelle Umgebung zu schaffen, in denen sie ihre Fähigkeiten trainieren und verbessern konnten und gleichzeitig einen Platz zu haben in dem die Arbeit von EGBOK gezeigt werden konnte. Darüber hinaus sollte der stetig steigenden Zahl an Touristen leckeres kambodschanisches Essen präsentiert und weniger bekannte Köstlichkeiten vorgestellt werden. EGBOKs Ansatz war und ist es, das Interesse und die Leidenschaft für Essen und Kochen zu wecken und damit einen Beitrag zur Bewahrung der traditionellen kambodschanischen Küche zu leisten. Daneben war das Ziel, beim Bau natürliche lokale Materialien zu nutzen, sie in einer zeitgenössischen Interpretation einzusetzen und damit dem Verschwinden der traditionellen Architektur zugunsten von klimatisierten Standard Beton- und Glasgebäuden entgegen zu wirken. Mit Lumley & Koller wurde an einem Konzept gearbeitet, in dem sowohl ein Café und eine Trainingsküche als auch Unterrichts- und Präsentationsflächen Platz finden würden. Büroräume für EGBOK entstanden in einem Mietshaus in Siem Reap, dessen Grundstück auch noch genügend Freifläche für das geplante Café bot.

Ein lernender Koch bei der Arbeit.

Ein lernender Koch bei der Arbeit. (Foto: Gabe Taviano)

Wie so oft bestand die erste Herausforderung darin, ein Projekt auf sehr kleinem Raum mit einem kleinen Budget umzusetzen. Zu berücksichtigen war zudem, dass die Studierenden einen separaten Zugang zum EGBOK Haupthaus benötigten und ihre Privatsphäre geschützt werden sollte. Lumley & Koller entwarfen einen T-förmigen Pavillon der nicht nur autonom vom Haupthaus funktionierte, sondern gleichzeitig zwei Innenhöfe bot: einen einladenden öffentlichen Hof an der Vorderseite und einen privateren Innenhof für die Studenten.

Die nächste Herausforderung bestand nun darin, ein Unternehmen zu finden, das bereit und in der Lage war, mit Bambus als Material zu bauen. Rückblickend ist es nur schwer vorstellbar, dass das Projekt ohne Richard Dansey von Bambusa so hätte umgesetzt werden können, wie es letztendlich geschah. Es ist sicher kein Zufall, dass sich die Geschichten und die damit verbundenen Ansätze und Philosophien von Bambusa Global Ventures und EGBOK sehr ähnlich sind. Bambusas’ Ziel ist es, Bambusprodukte und – konstruktionen unter dem Aspekt der nachhaltigen Forstwirtschaft und des Bodenmanagements zu produzieren und zu vertreiben und gleichzeitig Ausbildungsmöglichkeiten für Einheimische zu schaffen. Nach erfolgreichen Erfahrungen im Bereich Bambusverarbeitung in Vietnam und den Philippinen gelang es Bambusa, in den Eastern Plains Landscape in Kambdoscha ein weiteres Projekt im Bereich Bambusverarbeitung umzusetzen und gleichzeitig ein Trainingsprogramm für nachhaltige Forstwirtschaft zu etablieren. Gemeinsam mit dem WWF versucht Babmusa unablässig, Druck auf die kambodschanische Regierung auszuüben, um die dramatische Zerstörung der Flora und Fauna zu stoppen. Einmal zerstört, dauert es Jahrzehnte bis die Landschaft sich wieder erholt hat.

Eine Entwicklung, die Lumley & Koller in ganz Südostasien im Allgemeinen und in Kambodscha im Besonderen beobachtete, war, dass die Bedürfnisse der Touristen und deren Wunsch nach Komfort zunehmend zu einer „Modernisierung“ der lokalen Gegebenheiten führte. Von Glasbauten mit Klimaanlagen über schalldichte Konstruktionen und Hochdruckduschen bis hin zu einer Bauweise im Stil von Apartmenthäusern. Ein weiterer sichtbarer Ausdruck für das Verschwinden einer tradierten Kultur, die genau so wie die traditionelle Küche und der einmal gerodete Wald nicht ohne Weiteres wieder herzustellen sind. Auch die Touristen selber beklagen oft den Verlust einer Authentizität und den Versuch, mittels einer polierten Kopie eine Form von Lokalkolorit und Tradition zu simulieren. Einen Beitrag dazu zu leisten, wieder verstärkt auf Bambus als Baustoff zurückzugreifen, Vertrauen in Arbeiten mit lokalen Materialien, ein neues Bewusstsein für Gebäude aus diesem Material und die Rückbesinnung auf einheimische Formen zu schaffen, war das Grundkonzept bei der Entwicklung des Spoons Café. Das große Ziel dieses Projekts bestand darin, Kontinuität zu schaffen und tradierte kambodschanische Werte in den Bereichen Essen, Landschaft, natürliche Materialien und Architektur zu erhalten.

 


Everything’s Gonna Be OK:
EGBOK ist eine von Ben Justus gegründete US-NGO mit Sitz in Siem Reap, Kambodscha. Lumley & Koller ist ein Architekturbüro in Margate, Großbritannien. Bambusa GV ist ein auf Nachhaltigkeit spezialisierter Bambusproduzent und Bambusbauer mit Sitz in Kambodscha. Stuart Cochlin Architekten beaufsichtigten und koordinierten die Bauarbeiten vor Ort.
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Datum 30. Mai 2017
Autor EGBOK
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