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Vermischtes

Neubau im Berliner Regierungsviertel: Nachhaltig, effizient, außergewöhnlich

Innerhalb von 15 Monaten Produktions- und Bauzeit entstehen für den Deutschen Bundestag 400 Büros in Modulbauweise. Unter der Leitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) errichten Kaufmann Bausysteme und PRIMUS developments in Berlin-Mitte ein neues Bürogebäude in Modulbauweise für den Deutschen Bundestag. Die Unternehmen hatten sich mit ihrem auf Effizienz und Nachhaltigkeit abzielenden Konzept in einem vom BBR durchgeführten Vergabeverfahren durchgesetzt. Mit einer besonderen Form der Zusammenarbeit geht der Bundesbau bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung neue Wege: Die Bietergemeinschaft verantwortet als sogenannter Generalübernehmer/Generalunternehmer zen­tral alle Planungs-, Herstellungs- und ­Bauleistungen für das Projekt. Der nach Plänen des Architekturbüros sauerbruch hutton entstehende Neubau mit rund 400 Büros auf sieben Etagen soll einen Teil des dringenden Raumbedarfs des Deutschen Bundestages kurzfristig decken. Er wird nahezu vollständig aus vorgefertigten Holz-Modulen errichtet und soll bis Ende 2021 fertiggestellt sein.

Die aus Vollholz-­Modulen bestehenden Obergeschosse des geplanten Bürogebäudes werden mit ­farbigen Fassadenelementen verkleidet.

Die aus Vollholz-­Modulen bestehenden Obergeschosse des geplanten Bürogebäudes werden mit ­farbigen Fassadenelementen verkleidet. (Foto: sauerbruch hutton)

Um seinen dringenden und auch perspektivisch hohen Bedarf an Büroflächen zu decken, hat der Deutsche Bundestag das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und das BBR im Januar 2020 damit beauftragt, einen Büroneubau nördlich des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses zu errichten. Damit die benötigten Räume nach der kommenden Bundestagswahl Ende 2021 zur Ver­fügung stehen, wurde zwischen dem Deutschen Bundestag, dem BMI und dem BBR die Beauftragung eines Generalübernehmers/Generalunternehmers vereinbart.

Nach dem Entwurf des Büros sauerbruch hutton entsteht ein Bürogebäude mit sieben Vollgeschossen inklusive Erdgeschoss sowie einem kleineren Technikgeschoss als sogenanntes Staffelgeschoss. Der H-förmige Grundriss orientiert sich an der Kammstruktur des benachbarten Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses. Neben 400 Büroeinheiten wird der Neubau Besprechungsräume und Einstellflächen für Fahrräder enthalten. Eine Glasfassade schließt das Gebäude nach Norden hin ab. Diese dient nicht nur als Schallschutz zur angrenzenden S-Bahntrasse, sondern lässt zwischen den nördlichen Gebäudeflügeln auch ­einen begrünten Aufenthaltsbereich ­entstehen. Die verwendeten Materialien – hauptsächlich Vollholz in den Büro­bereichen sowie Stahlbeton im Erdge­schoss und Erschlie­ßungs­be­reich – ­sollen am fertigen Gebäude sichtbar bleiben. Der weitaus größte Teil der ­Fassaden wird von den Außenverkleidungen der Holzmodule geprägt. Jedes der Module erhält bereits im Werk ein Fensterelement als Holz-Aluminiumkonstruktion, das aus einem festverglasten Bereich und einem Öffnungsflügel besteht. Metallverkleidungen sowie Fassadenelemente aus farbigem Glas werden nach Montage der Module in vorberei­tete Halterungen eingehängt.

Das Projekt wird dem Anspruch an nachhaltiges Bauen in besonderer Weise gerecht werden: Das Gebäude wird zum Großteil aus Holz-Modulen und damit aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Darüber hinaus hat sich der Generalübernehmer/Generalunternehmer dazu verpflichtet, die für den Bau benötigten Bäume nachpflanzen zu lassen. Städtebaulich fügt sich der Entwurf in die umgebende Bebauung ein und greift Elemente wie die Blockrandbebauung auf. Auf den Schutz eines unmittelbar angrenzenden, erhaltenen Abschnitts der Berliner Mauer sowie des benachbarten Kunstprojekts „Parlament der Bäume“ wird bei der Planung und Ausführung des Bauvorhabens besonders ­geachtet.

Die Modulbauweise hat in den vergangenen Jahren als Alternative zu konventioneller Bauweise an Bedeutung gewonnen. Insbesondere bei Wohnungs- und Schulbauten oder Kindertagesstätten kommt sie immer häufiger zum Einsatz, um kurzfristigen Bedarf zu decken. Der Zeitvorteil ergibt sich insbesondere daraus, dass die Module witterungsunabhängig vorfabriziert und auf der Baustelle dann nur noch montiert werden müssen. Die Module können zudem bereits mit Teilen der Haustechnik, Fenstern und sogar Bodenbelägen ausgestattet sein. Rohbau und Ausbau können damit, anders als im konventionellen Bau, durchgehend parallel stattfinden. Der hohe Vorfertigungsgrad verkürzt auch den Bauprozess vor Ort. Hierdurch können Zeit und Geld gespart werden, zum Beispiel bei Baustelleneinrichtungen und Straßensperrungen.

Weitere Informationen: www.bbr.bund.de/presse

 

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Datum 21. April 2021
Autor Bautechnik aktuell 3/21
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