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Online Vortrag: Fortschrittsdiskurse im Nationalsozialismus und das Konzentrationslager Mittelbau-Dora

VDI

Der Vortrag möchte darlegen, inwiefern eine spezielle Auslegung des modernen technikzentrierten Fortschrittsdenkens sehr anschlussfähig an den Nationalsozialismus war. Das moderne Fortschrittsdenken war seit dem späten 19. Jahrhundert deutlich von der Idee der Machbarkeit geprägt: Technischen Innovationen wurde die Kraft zugeschrieben, soziale Veränderungen in einer politisch gewünschten Form umzusetzen. Insbesondere nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg hatte diese Grundidee in spezifischer Auslegung eine große Anziehungskraft für die völkische Bewegung. Die vermeintliche kulturelle Überlegenheit Deutschlands versprach neue Techniken hervorzubringen, von denen eine Überwindung der Ergebnisse des Krieges erhofft wurde. In diesem Kontext fand beispielsweise im Zusammenhang mit der Begeisterung für die Luftfahrt eine Erneuerung des Nationalismus statt.

In diesen Kontext war der Bereich der Technik zentral für die Machbarkeitsfantasien die völkische Bewegung vor 1933 und die Nationalsozialisten an der Macht. Die Verbindung des Machbarkeitskults mit einer permanenten Krisenangst war ein wichtiger Antrieb für die fortdauernde Radikalisierung im Nationalsozialismus. Gleichzeitig lässt sich der NS-Staat als Verheißungsdiktatur verstehen: Es wird zu zeigen sein, dass die Zukunftserwartungen als bereits im Prozess der Realisierung befindlich verstanden wurden. Somit stellten die NS-Zukunftsentwürfe für viele Verantwortungsträger eine Gegenrealität zur Kriegsrealität dar.

Der Vortrag ordnet den Wunderwaffenglauben und die mörderische Zwangsarbeit im KZ Mittelbau-Dora in diesen historischen Kontext ein.

Referent: PD Dr. Karsten Uhl, Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Nordhausen

Wann: Donnerstag, den 03. März 2022, 17 Uhr 30 via Zoom

Veranstalter: Verein Deutscher Ingenieure (VDI) – Berlin-Brandenburg; Arbeitskreis Technikgeschichte – Dr.-Ing. Karl-Eugen Kurrer und PD Dr. phil. Stefan Poser

Anmeldung unter: www.vdi.de

Datum 24. Februar 2022
Autor PD Dr. Karsten Uhl
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