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Bauen digital

Planung und Ausführung gehören stärker zusammengeführt

Ein Gespräch mit Anton Rieder, Geschäftsführer der Rieder Bau GmbH & Co. KG über die Smart Construction Austria, gelebtes BIM, die Rolle des Handwerks in der Digitalisierung und die von Ingenieuren und Architekten sowie über „Felix Austria“

Bmstr. Dipl.-Ing. Anton Rieder ist Tiroler Innungsmeister der Landesinnung Bau und Geschäftsführer der Firma RIEDERBAU GmbH & Co. KG. Rieder, Jahrgang 1969, besuchte die HTL für Hoch- & Tiefbau in Innsbruck, wo er auch sein Studium des Bauingenieurwesens mit den Schwerpunkten Baubetrieb und Baumanagement absolvierte. Er legte die Baumeister-, Bauträger- und die Ziviltechnikerprüfung ab. Seit 2001 ist Anton Rieder Geschäftsführer der RIEDERBAU GmbH & Co KG mit Sitz in Schwoich/Kufstein. Als planender Baumeister mit langjähriger Erfahrung und rund 140 Mitarbeitern werden Teilaufgaben, aber auch die Gesamtabwicklung einzelner Projekte übernommen. Seit 2008 ist Anton Rieder Landesinnungsmeister von Tirol.

Bmstr. Dipl.-Ing. Anton Rieder ist Tiroler Innungsmeister der Landesinnung Bau und Geschäftsführer der Firma RIEDERBAU GmbH & Co. KG. Rieder, Jahrgang 1969, besuchte die HTL für Hoch- & Tiefbau in Innsbruck, wo er auch sein Studium des Bauingenieurwesens mit den Schwerpunkten Baubetrieb und Baumanagement absolvierte. Er legte die Baumeister-, Bauträger- und die Ziviltechnikerprüfung ab. Seit 2001 ist Anton Rieder Geschäftsführer der RIEDERBAU GmbH & Co KG mit Sitz in Schwoich/Kufstein. Als planender Baumeister mit langjähriger Erfahrung und rund 140 Mitarbeitern werden Teilaufgaben, aber auch die Gesamtabwicklung einzelner Projekte übernommen. Seit 2008 ist Anton Rieder Landesinnungsmeister von Tirol. (RIEDERBAU GmbH & Co. KG.)

Im Frühsommer des Jahres wurde unter Ihrer Beteiligung das Forschungsnetzwerk Smart Construction Austria gegründet. Können Sie unseren Lesern etwas zu der Zielsetzung dieser Gründung verraten?

Das Kürzel SCA meint die gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft von sechs mittelständischen familiengeführten Bauunternehmen. Die SCA-Partner haben eine formale, stärkere Bindung aneinander. Das war wichtig, damit unser Vorhaben auch dauerhaft intensiv betrieben wird. Wir beschlossen also, ein gemeinsames Unternehmen zu gründen und von vorne herein fundiert inklusive Budget- und Ressourcenplanung aufzubauen. Wichtig war uns zudem, eine/n Geschäftsführer/in mit an Bord zu bekommen, die/der uns permanent antreibt, die Dinge anzupacken, sonst ginge vieles in der Hektik des eigenen Daily Business unter.

 

Firmengebäude RIEDERBAU in Schwoich/Kufstein

Firmengebäude RIEDERBAU in Schwoich/Kufstein (Riederbau GmbH & Co. KG.)

Mit der SCA wollen Sie in der Forschungswelt Fuß fassen. Wie kann man sich das vorstellen?

Wir versuchen bei interessanten Themen mitzuwirken sowie diese zu unterstützen und selbstverständlich möchten wir eigene Themen generieren. Es wird auch die Möglichkeit bestehen, in Start Ups zu investieren, wenn interessante Themen in unserem Kontext hervortreten. Unsere Zukunftsvision für die SCA ist, dass wir das vorhandene Wissen von sechs Unternehmen auf eine gemeinsame Plattform heben. So kann jeder, der etwas braucht, auf diesen Pool zugreifen und jeder hat alle Sparringspartner zur Verfügung, die bei dem einen oder anderen Thema schon Erfahrung haben. Darüber hinaus wollen wir Zukunftsfragen des Bauens beantworten und damit auch jedes einzelne Partnerunternehmen der SCA nachhaltig stärken und weiterbringen

 

Bauunternehmen waren zumindest hierzulande – mit den bekannten Ausnahmen – bislang nicht direkt die Treiber in Sachen Digitalisierung. Ist das bei Ihnen in Österreich anders?

Um Antworten in unserer Branche auf die Schnelllebigkeit der Digitalisierung geben zu können, müssen wir einerseits entscheidend mit unserem Wissen dazu beitragen und andererseits immer neues Technologie-Know-how abfragen. Wir sind der Meinung, dass wir diesen Anforderungen am besten gemeinsam gewachsen sind. Durch die Vernetzung haben wir die Chance, voneinander zu lernen, die Erfahrungswerte auszutauschen und Neuheiten zu erschließen.

 

Also sozusagen gelebtes BIM …

Wenn Sie so wollen, ja. Gerade wir im Mittelstand stehen der Herausforderung gegenüber, Forschung und Entwicklung in unseren Unternehmen zielführend abzudecken. Sowohl die vertrauensvolle Zusammenarbeit der SCA-Partner als auch die Vernetzung mit Universitäten und Fachhochschulen sichert uns einen enormen Vorsprung. Zudem sehe ich die Bauunternehmer, um auf Ihre Frage zu kommen, tatsächlich als Treiber der Digitalisierung, v.a. mit Blick auf BIM, da die Planer und Architekten sowie die Baustoffindustrie und letztendlich die Bauherren eher zurückhaltend an das Thema herangehen.

 

Das Handwerk wurde bislang in Sachen Digitalisierung eher stiefmütterlich behandelt. Welche Rolle messen Sie ihm im Gesamtzusammenhang der Digitalisierung bei?

Beim Handwerk haben wir im Verhältnis zu anderen Industrien noch eine relativ hohe Fehlerquote bei geringen Produktivitätszuwächsen. Bei einem Anteil von ca. 15 % gemessen an der gesamtwirtschaftlichen Leistung (inkl. aller vor- und nachgelagerten Bereichen) kann die zunehmende Digitalisierung im Handwerk für die gesamte Wirtschaft von Bedeutung sein. Wir haben daher ein hohes Potential zur Verbesserung und zur Steigerung der Produktivität sowie der Wertschöpfung in der gesamten Baubranche.

Der Schlüssel für eine spür- und messbare Produktivitätssteigerung in der Baubranche liegt im Einsatz von Planungstools wie BIM und der durchgehenden Verwendung der daraus generierten 3, 4 und mittlerweile 5D-Modelle in der Arbeitsvorbereitung. Und der zweite Aspekt ist für mich die Qualifikation der Mitarbeiter_innen.

PPP-Projekt für Lehrlinge (Azubis), Schüler und Studierende in zentraler Lage in Kufstein

PPP-Projekt für Lehrlinge (Azubis), Schüler und Studierende in zentraler Lage in Kufstein (Riederbau GmbH & Co. KG.)

Visualisierung: BIM-modelliert; Aufriss mit Leitungen

Visualisierung: BIM-modelliert; Aufriss mit Leitungen (Riederbau GmbH & Co. KG)

Das ist ja ein Thema, das uns in unserem BIM-Heft von Anfang an beschäftigt hat. Wie sieht Ausbildung und Mitarbeiter-innen-Qualifikation für Sie denn konkret aus?

Die gesamte Baubranche benötigt gut ausgebildete Fachkräfte. Der drohende Fachkräftemangel kann nur durch die kontinuierliche Ausbildung von Lehrlingen und die Qualifikation von Hilfskräften entgegengewirkt werden. Junge Menschen für das Handwerk zu begeistern, ist daher unsere größte Herausforderung. Das Handwerk inkl. Meisterausbildung muss gesellschaftlich wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Die Verdienstmöglichkeiten in der Baubranche sind sehr gut und der Beruf des Maurers bspw. hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt.

Zudem hat die Diversität der Mitarbeiter_innen zu einem Kulturwandel unter den Mitarbeiter_innen selbst geführt. Unsere beiden weiblichen Lehrlinge im Hochbau sind ein positives Beispiel dafür, dass der Bau ein attraktiver Arbeitgeber für Frauen sein kann und besser ist als sein Ruf.

 

Zieht das Thema Digitalisierung in Sachen Fachkräftemangel und Nachwuchs und wenn ja wie?

Ja, ganz klar! Bei technischen Mitarbeiter_Innen kommt das Thema BIM so gut an, wie die Möglichkeiten, die daraus entstehen. Sie helfen uns bei der Positionierung als attraktiven Arbeitgeber absolut.

Beim Facharbeiter wird durch Modernisierung der Lehrberufsbilder, Stichwort „Lehre 2020“ in Österreich ab 1.1.2020, die Digitalisierung forciert.

 

Ist denn bei RIEDERBAU die Digitalisierung auf der Baustelle schon Wirklichkeit?

Das kann man so sagen, ja. Unsere Poliere sind alle mit Laptops und Tablets ausgestattet, bekommen ihre Pläne über BIM in 3D dargestellt und somit sind auch unsere Lehrlinge hautnah an der digitalen Entwicklung dran.

Ein wichtiger Schritt hin zur Stärkung der digitalen Ausbildung der Lehrlinge wurde in diesem Schuljahr gesetzt. Die Lehrlinge im 2. Ausbildungsjahr bekommen Tablets kostenfrei zur Verfügung gestellt und diese werden auch im Berufsschulunterricht sowie am Lehrbauhof verwendet. Für die Tablets wurden digitale Lehrinhalte neu konzipiert und Anschauungsvideos gedreht. Mir scheint, dass hier die Baubranche in Österreich anderen Berufsgruppen einen Schritt voraus ist und die stark digitale Komponente der Ausbildung die Lehre am Bau attraktiver macht. Zudem gibt es ab 2020 neue Lehrberufe, die von den Inhalten her auch an die digitale Welt angepasst wurden. Ich hoffe, dass wir als Baubranche dadurch die Lehre und die praktische Ausbildung stärken können.

 

Also der Versuch, den Beruf durch die Digitalisierung attraktiver und moderner zu machen?

Ja. Wichtig ist uns dabei, auch als Arbeitgeber attraktiv zu sein und über die Anknüpfungspunkte durch die SCA bei den Studierenden und Fachkräften an den Hochschulen interessant zu werden. Es ist leider so, dass der Arbeitsplatz für die meisten, gut ausgebildeten Köpfe Wien, Graz oder auch München ist. Das Anwerben von guten Kräften, die bereit sind, in unserer Region zu arbeiten, ist für uns sehr schwierig. Der Großteil derer, die schon mal durch das Studium aus dem Umland weggezogen sind, bleibt oft in der Stadt und wählt lieber einen Job in den großen Industriebetrieben. Insofern sehe ich auch in der Rekrutierung von Fachkräften für uns im Zuge der SCA großes Potenzial, denn wir möchten uns gerne bei diesen Institutionen als innovativer Arbeitgeber positionieren und die Interessenten auf uns aufmerksam machen.

 

Firmengebäude mit Aufriss für FM / Planung und Ausführung Fa. RIEDERBAU

Firmengebäude mit Aufriss für FM / Planung und Ausführung Fa. RIEDERBAU (Riederbau GmbH & Co. KG)

Themenwechsel: Durch die Digitalisierung die Kostenexplosion in den Griff bekommen – geht das so einfach?

Einfach nicht, sonst wäre es schon erledigt; aber wir haben die wohl nicht ganz unberechtigte Hoffnung, dass zumindest der starke Kostenanstieg in gewissem Umfang abgeflacht werden kann und man durch die fortschreitende Digitalisierung Kostentreiber besser in den Griff bekommen kann.

Die drei Kernbereiche zur Optimierung sind für mich die Prozessoptimierung, die Logistik auf der Baustelle und die Vorfertigung.

Bei uns im Haus arbeiten wir konkret daran, die Arbeitsvorbereitung zu digitalisieren. Eine herausfordernde Aufgabe, da die verschiedenen am Markt befindlichen Softwarelösungen alle nicht das können, das wir uns vorstellen. Daher arbeiten wir intern daran, diesen Prozess richtig aufzusetzen, um in der Umsetzung gemeinsam mit unseren Polieren dann die Arbeitserleichterung und Optimierung der Abläufe greifbar zu machen. Sobald das produktive Personal auf der Baustelle merkt, dass die Softwarenutzung den Arbeitsalltag erleichtert, ist das Projekt ein Erfolg und wir können die Kosten ab diesem Zeitpunkt effektiv besser in den Griff bekommen.

 

Neue Technologien fordern neue Strukturen am Bau. Wie sehen die Ihrer Meinung nach aus?

Planung und Ausführung gehören stärker zusammengeführt. Nur so kommen wir zu durchgängigen digitalen Prozessen. Daher sehe ich eindeutige Vorteile für kompetente und innovative General- und Totalunternehmer.

 

Und welche Rolle messen Sie dem Thema Digitalisierung in Sachen Wettbewerb um Auftragsvergabe bei?

Momentan spielt das keine besonders große Rolle. Doch durch den verstärkten Einsatz von BIM dürfte dem in naher Zukunft sicher eine wichtige Bedeutung zukommen.

 

Innenansicht der Produktionshalle

Innenansicht der Produktionshalle (Riederbau GmbH & Co. KG)

Wie sehen Sie denn Ihre Sichtweise das Thema der Digitalisierung gegenüber der der Ingenieure und Architekten?

Für mich ist das ganz einfach: Die Ingenieure und Architekten wollen die Trennung von Planung und Ausführung verteidigen. Wir als leistungsstarker GU bzw. TU sehen durch die Anwendung modernster digitaler Prozesse und Anwendungen, dass die Trennung von Planung und Ausführung die Durchlässigkeit der Prozesse beeinträchtigt und unterm Strich dadurch die Produktivität nicht entsprechend der technischen Möglichkeit gesteigert werden kann. Diese Beobachtung wird verstärkt, wenn ich bspw. nach Nordeuropa oder die USA schaue, wo es keine strikte Trennung zwischen Planung und Ausführung gibt.

 

Um hier abschließend einmal das alte Klischee vom „felix Austria“ zu bemühen: Österreich ist mit seiner Ö-Norm weiter als Deutschland, das auch kein Forschungsnetzwerk mittelständischer Bauunternehmen hat, woran mag das liegen?

Naja, die erforderliche Verständigung ist eventuell in einem kleineren Land etwas leichter – kürzere Wege, weniger Abstimmungsbedarf. Aber bei all diesen Entwicklungen ist der Blick auf das Wesentliche nicht aus dem Auge zu verlieren. Wir müssen uns auf die Hinwendung zum Detail besinnen, dürfen uns aber nicht in Details verzetteln.

 

Herr Rieder, haben Sie Dank für dieses Gespräch

 

Die Fragen stellte momentum-Redakteur Burkhard Talebitari

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Datum 25. November 2019
Autor Anton Rieder / Burkhard Talebitari
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