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Einen Besuch wert

Post Tower Bonn

Post Tower Bonn

Post Tower Bonn (Foto: HG Esch, Hennef)

Den internationalen Wettbewerb für den Neubau der Generaldirektion der Deutschen Post AG in Bonn hatten Murphy/Jahn gewonnen – zusammen mit Werner Sobek: „Der Post Tower vereint Design, Engineering und Nachhaltigkeit – er ist ein gelungenes Beispiel für eine umfassende integrale Zusammenarbeit.“ Der 2002 fertig gestellte 162,5 Meter hohe Glasturm mit Blick auf den Rhein ist das höchste Gebäude in Nordrhein-Westfalen und wurde 2019 als eines von lediglich zwei Hochhäusern in Deutschland vom Council on Tall Buildings and Urban Habitat in die Liste der weltweit 50 einflussreichsten Gebäude der letzten 50 Jahre aufgenommen.

Atrium zwischen den beiden Ellipsenhälften des Post Tower Bonn

Atrium zwischen den beiden Ellipsenhälften des Post Tower Bonn (Foto: HG Esch, Hennef)

Zwei gegeneinander versetzte Ellipsenhälften, jeweils zwei aussteifende Betonkerne mit einer Wandstärke bis zu 80 cm und 19 Stahlverbund-Pendelstützen mit über die Höhe gestaffelten Durchmessern von 762 mm bis 406 mm (Stahlrohr ausbetoniert, mit Einstellprofilen HEA/HEM bzw. Stahlkern) bilden die Grundform des Turmes. Die gegenüberliegenden Betonkerne sind über die Gebäudehöhe fünfmal mit Andreaskreuzen schubfest verbunden. Outrigger verbinden zusätzlich auf halber Höhe im Technikgeschoss die Kerne mit den außenliegenden Stützen. Die bis zu 28 cm starken Stahlbeton-Rippendecken sind gewichtssparend und münden zwischen den Außenstützen in einen Randträger, teilweise mit integriertem Stahl-Hohlkasten zur Aufnahme der äußeren Fassadenlast. Auf parabelförmigen Stahlträgern aufliegende

Vertikalschnitt durch den Post Tower Bonn

Vertikalschnitt durch den Post Tower Bonn (Zeichnung: Murphy/Jahn Architects)

Glasböden verbinden die beiden Hälften. Die Zweite-Haut-Fassade lässt die Zirkulation temperierter Luft und öffenbare Fenster zu und ist neben der Bauteilaktivierung der Stahlbetondecken wichtiger Bestandteil des optimierten Gebäudeenergiekonzepts. Werner Sundermann, damals Projektleiter bei Werner Sobek erinnert sich gerne: „Die Transparenz der Fassade und die Leichtigkeit des Tragwerks sind das Ergebnis harter Arbeit – schön zu sehen, wie natürlich und selbstverständlich sie wirken.“

Der Post Tower Bonn ist einen Besuch wert, weil der Büroturm richtungsweisend in Form, Technik und ökologischer Ausrichtung ist. Und nebenbei, der filigrane Glasturm fügt sich schön in die Stadtlandschaft ein und bietet einen phantastischen Ausblick in die Rheinebene  und zum Siebengebirge.

Post Tower Bonn
Charles-de-Gaulle-Str. 20
53113 Bonn
Führungen durch den Post Tower können unter www.post-bonn.de gebucht werden.

Architekten: Murphy/Jahn Architects Chicago
Tragwerksplanung: Werner Sobek Stuttgart
Fassadenplanung: DS-Plan, Stuttgart
Brandschutz: Brandschutz Planung Klingsch, Düsseldorf
Haustechnik: BRANDI IGH Ingenieure, Köln
Energieberatung: Transsolar Energietechnik, Stuttgart
Rohbau: HOCHTIEF Construction AG, Essen
Stahlbau: Stahlbau Queck, Düren
Verbundbau: spannverbund, Waldems
Fassade: Permasteelisa
Bauherr: Deutsche Post AG
Preis des Deutschen Stahlbaus 2004, Auszeichnung
American Institute of Architects National Honor Award 2004

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