momentum magazin für Bauingenieure präsentiert von Ernst & Sohn
Vermischtes

Prof. Dr.-Ing. E.h. Helmut Bomhard verstorben

Prof. Dr.-Ing. E.h. Helmut Bomhard

Prof. Dr.-Ing. E.h. Helmut Bomhard (Quelle: Unbekannt)

Die Nachricht vom plötzlichen Tod unseres Kollegen Prof. Dr.-Ing. E.h. Helmut Bomhard am 1. Mai dieses Jahres haben wir mit tiefer Betroffenheit aufgenommen, war er doch im Alter von nahezu 91 Jahren noch immer sowohl am Geschehen des Instituts für Massivbau an der Technischen Universität Dresden interessiert, als auch über das derzeitige Baugeschehen aktuell informiert. Er war einer der kreativsten Bauingenieure des konstruktiven Ingenieurbaus unserer Zeit.

Er wurde am 16.07.1930 in Rothenburg ob der Tauber geboren, studierte von 1950 bis 1955 Bauingenieurwesen an der TH München und wurde aufgrund seiner hervorragenden Studienleistungen 1953 in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen. Nach Abschluss seines Studiums mit sehr gutem Erfolg trat er 1955 in die Hauptverwaltung der Dyckerhoff & Widmann AG in München ein. Sein Weg war gekennzeichnet von der Ernennung zum Oberingenieur 1966 und der Erteilung der Handlungsvollmacht und Prokura 1972. Von 1973 bis zu seinem Ausscheiden mit dem Erreichen der Altersgrenze im Jahr 1995 war Prof. Bomhard Direktor beim Vorstand der Dyckerhoff & Widmann AG für den Bereich Technik. Die herausragenden Leistungen von Prof. Bomhard wurden 1989 durch die Verleihung der Ehrendoktorwürde von der Universität Essen und 1990 auf dem Internationalen Spannbeton-Kongress in Hamburg mit der Verleihung der FIP-Medaille in Anerkennung seiner bemerkenswerten Arbeiten auf dem Gebiet des Spannbetons gewürdigt.

Sein Lebenswerk gliedert sich in drei Schaffensperioden. Die erste Periode ist geprägt durch seine Leistungen auf den Gebieten des Takthubverfahrens, der Stabilität weitgespannter Bogen, des Konstruierens unter Anwendung der Finite-Elemente-Methode und des Behälter- und Deponiebaus. Die zweite Schaffensperiode ist gekennzeichnet durch die Entwicklung von Behältersystemen zur Speicherung flüssiger Gase unter besonderer Berücksichtigung von Sicherheitsproblemen und dem technischen und wirtschaftlichen Leistungsvermögen verschiedener Baustoffe bei bestimmungsgemäßem Betrieb und bei Störfällen, insbesondere für Standorte mit hoher Seismizität. In seiner dritten Schaffensepoche beschäftigte sich Prof. Bomhard mit nachhaltigem Bauen im Sinne der Befriedigung der Bedürfnisse in der Gegenwart, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können. So beförderte er die Trennung der reinen Tragkonstruktion von der raumabschließenden Hülle und vom Ausbau im Hinblick auf deren unterschiedliche Lebensdauer, mit dem Ziel der Auswechselbarkeit und der Schaffung von Wiederverwendungsmöglichkeiten von Bauteilen oder ganzer Baugruppen.

In über 90 Veröffentlichungen spiegeln sich seine Leistungen wider. Darüber hinaus hat er in zahlreichen Vorträgen Lösungen für die verschiedensten Probleme des Konstruktiven Ingenieurbaues vorgestellt. Er war einer der bedeutendsten Ingenieure Deutschlands, der mit weitem Abstand die kühnsten Bauwerke entwickelte bzw. an deren Entwurf sowie Ausführung er wesentlichen Anteil hatte und deren statisch-konstruktive Bearbeitung unter seiner Leitung standen. Einige ausgewählte Bauwerke seines Lebenswerks sind das Hyparschalentragwerk der Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen (1961/1962), das Zweigelenkbogentragwerk der Paketumschlaghalle in München (1966/1967), die Wartungshalle V des Flughafens Frankfurt am Main mit dem seinerzeit größten Hängedach der Welt (1969/1970), die Skiflugschanze Oberstdorf im Stillachtal (1971/1972), das 19geschossige BMW-Hochhaus in München (1971/1972) mit der zugehörigen BMW-Museumsschale, die eiförmigen Faulbehälter Hamburg-Köhlbrandhöft mit je 8000 m3 Fassungsvermögen und der Wiederaufbau der Kongresshalle in Berlin (1985/1986).

Prof. Bomhards Rat als Mitglied bzw. Obmann wurde in vielen nationalen und internationalen Fachgremien (FIP, IASS, DAfStb, DVGW-Fachausschuss Wasserbehälter) und in verschiedenen Normenausschüssen hoch geschätzt. Er stand auch mehrfach auf den Berufungslisten deutscher Universitäten, entschied sich aber dann immer wieder, bei Dyckerhoff & Widmann AG zu bleiben.

Im Zuge der Neustrukturierung der Studienrichtung Konstruktiver Ingenieurbau an der Technischen Universität Dresden nach der politischen Wende 1990 gelang es der Fakultät Bauingenieurwesen, ­Helmut Bomhard als einen hervorragenden Bauingenieur mit besonders umfangreichen theoretischen Kenntnissen und praktischen Erfahrungen für die Ausbildung der Studenten und Studentinnen zu gewinnen. Auf Vorschlag der Fakultät Bauingenieurwesen der Technischen Universität Dresden wurde Herr Dr.-Ing. E.h. Helmut Bomhard am 1.12.1994 vom Staatsminister für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen, Prof. Dr. H. J. Meyer, zum Honorarprofessor für das Lehrgebiet „Entwurf und Gestaltung von Ingenieurbauten im Hoch- und Industriebau“ bestellt.

Prof. Bomhard, der mit seiner Qualifikation zweifellos zu den Spitzenkräften in Deutschland zählte, zeigte in seinen Lehrveranstaltungen über Konstruktion und Berechnung hinaus, wie Ingenieurbauten auf der Grundlage eines sachlich begründeten Entwurfs ästhetisch hervorragend gestaltet und gleichzeitig wirtschaftlich ausgeführt werden können. Mit großer Einsatzbereitschaft und viel Geschick vermittelte er sein Wissen und seinen reichen Erfahrungsschatz insbesondere bei größeren Entwurfs- und Konstruktionsarbeiten im Ingenieurbau und fand dabei eine große Resonanz und Wertschätzung.

Seine Leistungen, seine Kreativität und seine Persönlichkeit wurden in der Vergangenheit mehrfach gewürdigt und ausführlich beschrieben, so zu seinem 60. Geburtstag [1], seinem Ausscheiden bei Dyckerhof & Widmann [2] und anlässlich eines Ehrenkolloquiums an der TU Dresden [3].

Mit großer Anerkennung gedenken wir Prof. Bomhard, der sich in den Studienjahren 1994 bis 2002 bei seiner Tätigkeit als Hochschullehrer in hervorragender Weise für die Ausbildung unserer Studenten und Studentinnen engagiert hat. Seine umfassende Betrachtungsweise und vor allem seine ungewöhnlich stark ausgeprägte Präzision bei der Durcharbeitung der Details kamen unseren Studenten und Studentinnen zu Gute. Mit seinem Engagement in der Sache vermochte er sie zu begeistern und mitzureißen.

Wir Hochschullehrer schätzten seine Praxiskenntnis, Sachkunde, Kollegialität und Liebenswürdigkeit. Diese guten Erinnerungen an unseren Hochschullehrer und Kollegen Prof. Dr.-Ing. E.h. Helmut Bomhard werden wir stets aufrechterhalten.

 

[1] Grasser, Emil (1990): Helmut Bomhard 60 Jahre. in: Beton- und Stahlbetonbau 85, H. 10 (Oktober 1990), S. 276–277.

[2] Eibl, Josef (1995): Helmut Bomhard im Ruhestand. in: Beton- und Stahlbetonbau 90, H. 10 (Oktober 1995), S. 266–267.

[3] Curbach, Manfred; Graße, Wolfgang; Haim, H.-D.; Opitz, Heinz; Schorn, Harald; Stritzke, Jürgen: Ehrenkolloquium am 16. November 2000 anläßlich des 70. Geburtstages von Prof. Dr.-Ing. E.h. Helmut Bomhard. Technische Universität Dresden, Fakultät Bauingenieurwesen, Dresden 2000.

 

 

 

 

Leserkommentare

  1. Karl-Eugen Kurrer | 6. September 2021

    Herzlichen Dank an die Autoren dieses schönen Nachrufes auf einen großen Bauingenieur.
    Eine Zusatzinformation: Am 13. Juni 2013 trug Helmut Bomhard auf Einladung des VDI am Deutschen Technikmuseum Berlin über den Wiederaufbau der Berliner Kongresshalle vor. Der Verlag Ernst & Sohn ließ darüber einen Film anfertigen, der auf youtube zu sehen ist – hier der Link:

    https://www.youtube.com/watch?v=_Gzzkjukvuc&t=69s

Schreibe einen Kommentar…

Datum 6. September 2021
Autor Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. ­Manfred ­Curbach, Prof. Dr.-Ing. Jürgen Stritzke, Prof. Dr.-Ing. habil. Heinz Opitz
Schlagwörter , , ,
Teilen facebook | twitter | Google+