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Rezension: Zu Conrad Ambers „Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt“

Wer Bäume auf den Dächern sieht, muss nicht unbedingt glauben, im Wald zu stehen, wie diese Rezension zeigt …

Lasst grünen!
Zu Conrad Ambers „Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt“

Der Autor von „Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt“ nennt sich auf seiner Homepage „Stimme der Bäume“. Conrad Amber verlieh sie ihnen in zahlreichen Publikationen, Vorträgen etc. Dieses 2017 erschienene, gut ausgestattete Buch ist also bloß eines unter vielen und das derzeit letzte des Baum-Papstes.

Conrad Amber „Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt“

Conrad Amber „Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt“ (Franckh-Kosmos Verlag)

Für das Thema Gebäudebegrünung ist es überwiegend nur in seinem ersten Teil relevant. Der gibt einen in drei Kapitel aufgeteilten Überblick über alle wichtigen Aspekte des Themas Grün in den Städten, stellt interessante Projekte vor und entwickelt Ideen für eine grüne Stadtzukunft. Ob Autobahnwald, Landalleen, Stadtalleen, grüne Häuser als Hitzespeicher für kühle Oasen oder Leben mit und auf Dachgärten – das Buch lässt keines der klassischen Themen unberücksichtigt, schildert anschaulich die Vorteile und künftigen Möglichkeiten der Begrünung unserer Städte, um im zweiten Teil mehr auf das Leben der Bäume, die Bedeutung von Parks und Wäldern und ihre segensreichen Qualitäten für uns Menschen einzugehen. Es spart auch nicht mit Kritik an der naturfeindlichen Architektur hierzulande nach 1945, versagt aber Ingenieuren und Architekten nicht seinen Respekt für ihre bisherigen Leistungen. Künftig jedoch werden sie sich „nicht nur damit zu beschäftigen haben, wie und was verbaut wird, sondern vor allem auch die Frage beantworten müssen, wo und wie viel Natur im und am Gebäude stattfindet.“ Wie, fragt der Amber, lasse sich Natur integrieren und zum alltäglichen Bestandteil unserer Arbeit und unseres Lebens machen. Wo im oder am Haus, fragt er, lebten Sträucher, Blumen, Bäume und auf welche Weise begleiteten sie uns.
En passant lernt man vieles. Etwa, dass 10 Bäume in der Umgebung eines Hauses das Leben seiner Bewohner um 7 Jahre verlängert. Förmlich Ehrfurcht aber gebietet die Mitteilung des Autors über das, was eine 100-jährige Blutbuche für uns Menschen leistet. Mit etwa 25 m Höhe, einem Stammumfang von bis zu 3 m und etwa 600.000 Blättern, die eine Blattoberfläche von 1200 m² ergeben, erzeugt sie von Mai bis Oktober ca. 4,5 t Sauerstoff – genug Atemluft für einige Familien. Sie nimmt pro Jahr etwa 6 t Kohlendioxid sowie rund 1 t Feinstaub auf. Pro Tag kann sie bis zu 400 l Wasser verdunsten, wodurch sie die Umgebungsluft merklich abkühlt. Würde eine solche Blutbuche gefällt, wäre sie nur durch 2000 junge Bäume von je 1,5 m³ Baumkrone zu ersetzen.
Wer könnte solches Wissen haben und noch Zweifel an der Begrünung unserer Städte anmelden?

Conrad Amber, Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt
Stuttgart 2017
Franckh-Kosmos Verlag, 222x140x25mm (LxBxH), 1. Auflage 2017
Umschlag/Ausstattung: 67 Farbfotos
Bindeart: laminierter Pappband
Seiten: 272
EAN: 9783440154038

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Datum 1. Mai 2019
Autor Burkhard Talebitari
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