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Holzbau, Vermischtes

Sonderheft Holzbau 1/2021 ist erschienen

EDITORIAL

Was ist leicht, intelligent und klimafreundlich? Die Antwort ist Holz!

Foto: Steffen Franke

Foto: Steffen Franke

Holz hat in der Baubranche eine lange Tradition und war mit eines der ersten Baumaterialien in der Evolutionsgeschichte. Die weitere geschichtliche Entwicklung im Holzbau, wie dem Fachwerkhausbau, wurde leider u. a. durch die nicht zeitgleiche Entwicklung auf dem Gebiet des Brandschutzes gebremst. Während der Industrialisierung haben Steine, Stahl und Beton den Wohnungs‐ und Industriebau übernommen und dominieren ihn leider bis heute. In dieser Zeit ist von Pionieren, wie Otto Hetzer, die Entwicklung fortgesetzt worden. Der „Hetzerträger“ wurde vor über 115 Jahren patentiert und ist heute das bekannte Brettschichtholz, welches lange, hohe und gekrümmte Träger ermöglicht und sich etabliert hat. Dennoch ist ein Wandel zurück zum Werkstoff Holz in wesentlich größerem Umfang als Hauptkomponente in der Baubranche unverzichtbar, um die europäischen Klimaziele zu erreichen und eine gesunde Welt für unsere heranwachsenden Generationen zu schaffen. Holz ist, wie allen bekannt, ein nachhaltiges Produkt, welches durch ein optimiertes Forstmanagement im ausreichenden Maß zur Verfügung steht. So wächst in der Schweiz alle 2–3 Minuten ein neues Einfamilienhaus aus Holz nach, in Österreich sogar alle 40 Sekunden und in Deutschland alle 23 Sekunden. Der Einsatz von Holz senkt nicht nur den CO2‐Ausstoß in der Erstellung von Gebäuden, sondern speichert in dieser Form zudem CO2 lebenslang und kann auch im Rückbau eine hohe Wiederverwendbarkeit innerhalb der Kaskadennutzung erreichen.

Für mich ist Holz genial, denn es ist einfach zu bearbeiten, formbar, stark und sofort nutzbar, da es ohne Austrocknen und Aushärten eingesetzt werden kann. Ich kann meine Kinder unbedenklich damit spielen lassen. Es gibt meiner Familie eine ruhige warme Atmosphäre zum Entspannen und Wohlfühlen. Warum es also nicht in der Baubranche wieder als Hauptkomponente verwenden? Fast jeder achtet heutzutage bereits bei der Auswahl von Speisen und Lebensmitteln auf regionale und Bio‐Produkte und schaut nach Labels wie „CO2‐neutral produziert“. Warum also nicht auch „Bio‐Häuser“, die CO2‐neutral gebaut werden und zusätzlich ein CO2‐Speicher sein können? Ein sogenanntes Plus an Klimafreundlichkeit.

Die Holzforschung im europäischen und internationalen Raum arbeitet bereits intensiv an kreativen und intelligenten Lösungen. Die Qualitätssicherung wird im Holzbau großgeschrieben, da man ständig mit konkurrierenden Produkten verglichen wird. Neue Methoden werden kritisch hinterfragt und müssen strenge Prüfungen bestehen, bevor sie auf dem Markt eingesetzt werden können. Ich selbst beschäftige mich seit über 10 Jahren als Forscher und Dozent für Holzbau und Statik an der Berner Fachhochschule in Biel/Bienne, Schweiz, gemeinsam mit Stefan Zöllig und der ETH Zürich mit Timber Structures 3.0, die es erlaubt, in Beton übliche Flachdeckenkonstruktionen in Holzbauweise zu erstellen. Holzdecken aus stirnseitig verklebten Elementen, zweiachsig tragend und mit punktgestützter Lagerung in unendlich freier Dimension erlauben Ingenieuren und Architekten neue Möglichkeiten für Gebäude im Hochhausstil. Viele hielten dies für unrealistisch oder gar Spinnerei, aber die weltweite Anwendung in ersten Bauprojekten belegt das Potenzial, so auch der bereits dreijährige Außenprüfstand auf dem Campus der Berner Fachhochschule in Biel/Bienne, Schweiz. Die Elemente der Bodenplatte, des Daches, der Wand und des Balkons sind stirnseitig verklebt und ohne Stahlteile oder Verbindungsmittel ausgeführt. Jeder kann die erreichte Entwicklung anfassen, begehen und sich überzeugen. Es präsentieren sich täglich weitere intelligente Lösungen und Verbesserungen, sodass vermehrt z. B. Hochhäuser, Stadien, Schwerlastbrücken oder Wildtierüberführungen mit dem Werkstoff Holz realisiert werden können. Dies belegen auch die Beiträge in der aktuellen Ausgabe.

Holz ist stark und die geschichtliche Tradition der Anwendung von Holz im öffentlichen und privaten Bereich muss weiter vorangetrieben werden. Anhand innovativer Beispiele und Lösungen muss das Vertrauen der Bauherrschaft, Architekten und Planer gestärkt werden. Holz kann neue Wege in der Wohnungswelt, Infrastruktur und Freizeit eröffnen. Holz muss aus meiner Sich zukünftig der dominante Werkstoff sein und kann so die Zukunft unserer nächsten Generationen sichern. Oft steht aktuell in der Umsetzung von Projekten in Holz ein Mehrpreis im Raum. Diesen sind wir aber auch bei den Bio‐Produkten bereit zu bezahlen. Oder nicht?

Prof. Dr.‐Ing. Steffen Franke

Das neue Holzbau Bautechnik Sonderheft 1/2021 kann auf der Homepage vom Verlag Ernst & Sohn für 27,10 € bestellt werden.

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Datum 14. April 2021
Autor lbrandes
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