momentum magazin für Bauingenieure präsentiert von Ernst & Sohn
Holzbau, Vermischtes

Sonderheft Holzbau 2/2021 ist erschienen

Redaktion – Fachbereich Holzbau: Dr. Till Vallée (Foto: privat)

EDITORIAL

Think global, publish local…

„Global denken, lokal handeln“ sollen wir, nachhaltig handeln, um den landwirtschaftlichen Betrieb aus dem Landkreis, die kleine Brauerei um die Ecke zu unterstützen oder die Innenstadt zu retten. Diesen Slogan möchte ich gerne um ein „think global, publish local“ erweitern. Weltweit wird immer mehr veröffentlicht, und die D-A-CH Staaten mischen hier kräftig mit: Deutschland lag 2018 mit knapp über 100.000 Artikeln an vierter Stelle weltweit, auch Österreich (12.360) und die Schweiz (21.400) belegten einige der vorderen Plätze – bezieht man die Anzahl der Veröffentlichungen auf die Bevölkerung, sind die Eidgenossen sogar Weltmeister! Das ist auch gut so, denn von der raschen und offenen Dissemination von Wissen profitieren wir global.

Gerade in den Ingenieurswissenschaften, auch der Bautechnik, ist der Transfer vom Labor in die Anwendung der Motor der Innovation. Getreu dem Motto „publish or perish“, der Steigerung des persönlichen h-Indexes und der daraus resultierenden Jagd nach den höchsten „Impact“-Faktoren wird meistens in internationalen Zeitschriften veröffentlicht. Hier zeigen sich schnell die Grenzen des globalen Publizierens. Wenn nur eine Minderheit von lokalen Praktikern Zugang zu aktuellen Ergebnissen hat, läuft die Forschung Gefahr für die sprichwörtliche Katz(e) zu veröffentlichen, da der Zugang durch eine Vielzahl von Faktoren erschwert ist. Nicht jeder Praktiker hat einen Überblick über die Vielzahl von spezialisierten – meist englischsprachigen – Fachzeitschriften; sich in diesem Dickicht zurechtzufinden, erfordert Zeit und Erfahrung. Wenngleich die meisten heute der Sprache Shakespeare’s mächtig sind, sind diese Artikel oft praxisfern geschrieben. Als Konsequenz wird technisches Wissen in immer kleineren Kreisen konfiniert, kann kaum noch praktisch angewandt und umgesetzt werden, wodurch Innovation letztendlich be- oder gar verhindert wird.

Was ist also unter dem Aufruf „Think global, publish local“ zu verstehen? Sicherlich nicht, dass jetzt nur noch lokal und auf Deutsch veröffentlicht werden soll. Hierfür ist der globale Austausch zu wichtig. Allerdings sollten (wir) Forschende verstärkt daran denken, dass es die durchaus interessierten lokalen Leserinnen und Leser sein werden, die (unsere) innovative(n) Forschungsergebnisse umsetzen ­werden. Es reicht allerdings nicht, einfach nur die Sprache zu wechseln, vielmehr müssen wir uns noch mehr darum bemühen, unsere Berichte so zu verfassen, dass diese auch angewandt bzw. umgesetzt werden.
Nur so wird der akademische Austausch mit der Praxis, wie er vor Jahrzenten gelebt wurde, wieder entfacht. Auch um das fundamental wichtige Feedback seitens der Umsetzer und Anwender zu bekommen. Der Verlag ist gewillt, diesen Weg zu unterstützen. Seit Kurzem steht den Sonderausgaben Holzbau der Bautechnik ein bunt gemischter lokaler Beirat zur Seite; dieser wird die oben genannten Aspekte im Auge behalten. Auch ich, der bis jetzt weniger als ein Zehntel seiner Veröffentlichungen auf Deutsch publiziert hat, nehme mir vor, viel öfter die lokalen Prak­tiker anzusprechen, um globale Innovationen entstehen zu lassen.

Dr. ès Sc. Till Vallée

Das neue Holzbau Bautechnik Sonderheft 2/2021 kann auf der Homepage vom
Verlag Ernst & Sohn
 für 27,10 € bestellt werden.

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Datum 29. November 2021
Autor momentum
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